Waiblingen Vergewaltigung frei erfunden

Das Amtsgericht in Waiblingen. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. Noch eine Chance, dem Jugendarrest zu entgehen, wird sie nicht bekommen, das machte Richterin Bayer-Debak einer 21-Jährigen deutlich. Die Auszubildende hatte einen Schulkameraden der Vergewaltigung bezichtigt und muss nun 40 Arbeitsstunden leisten. Ihre Geschichte war frei erfunden.

Der junge Mann, eigentlich ihr bester Freund, habe sie aufs Bett gedrückt und gegen ihren Willen mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt, obwohl sie sich gewehrt habe. Das hat die Waiblingerin der Polizei im März 2015 erzählt. Doch die Geschichte war frei erfunden. Erst vier Monate später machte die heute 21-Jährige reinen Tisch und entlastete den Auszubildenden, den sie von der Schule kennt. Bereits vor einem halben Jahr wurde ihr deshalb der Prozess am Amtsgericht gemacht. Weil die 21-Jährige Reue zeigte, ließ Richterin Bayer-Debak Milde walten. Das Verfahren wurde gegen die Auflage eingestellt, dass die Waiblingerin innerhalb eines halben Jahres 30 soziale Arbeitsstunden ableistet. Das halbe Jahr ist nun vergangen. Abgeleistet hat die junge Frau – nichts.

Deshalb wird ihr Verfahren am Amtsgericht wieder aufgenommen, sie trifft erneut auf die Jugendrichterin. Und diese ist wenig begeistert, dass ihr Vertrauen in die Angeklagte so fahrlässig verspielt wurde. „Gut, dann machen wir noch mal eine Hauptverhandlung. Da haben Sie keine Lust drauf und fragen Sie mich mal ...“, so die Vorsitzende zu Beginn der Verhandlung. „Dieses Mal werden Sie am Ende auch verurteilt“, kündigt sie an. Bis zu ihrem Urteilsspruch hatte das Bundeszentralregister der 21-Jährigen keinen Eintrag aufgewiesen.

Zur Sache selbst gibt es indes nicht mehr viel zu verhandeln. Die Angeklagte ist nach wie vor geständig: „Ich habe falsche Angaben gemacht, das ist nicht in Ordnung. Ich war selber sauer auf mich“, sagt sie. Ein Motiv für die Tat kann sie nicht benennen. Eine Bekannte, die Probleme mit dem jungen Mann hatte, habe sie dazu überredet.

Richterin Bayer-Debak nutzt die Chance, pädagogisch auf die junge Frau einzuwirken. Für Frauen, die vergewaltigt wurden, sei es ein großer, wichtiger Schritt, zur Polizei zu gehen. Die Glaubwürdigkeit tatsächlicher Opfer gerate durch derartige Falschbeschuldigungen, wie die Waiblingerin sie getätigt hat, ins Wanken.

„Da bleibt immer etwas hängen“

Ganz abgesehen vom falsch Beschuldigten: „Da bleibt immer etwas hängen. Damit kann man Existenzen zerstören“, sagt die Richterin. Die Auszubildende nickt zustimmend, ihr tue leid, was sie getan habe. Sie verspricht, dass sie die nun 40 Arbeitsstunden – zehn mehr als bei der Einstellung des Verfahrens vor einem halben Jahr – bis Oktober dieses Jahres wirklich ableistet. Richterin Bayer-Debak abschließend: „Sollten Sie das nicht tun, heißt das nicht, dass wir uns ein drittes Mal sehen. Dann kommen Sie in Ungehorsamsarrest. Bis zu vier Wochen im Gefängnis. Eine weitere Chance gibt’s nicht.“

Termin „verschwitzt“

Damit die Verhandlung gegen die 21-Jährige überhaupt beginnen konnte, musste diese von einem Streifenwagen abgeholt und zum Amtsgericht gefahren werden. Dort gab sie an, sie habe den Termin „verschwitzt“.

„Wie kann man so etwas verschwitzen?“, fragte Richterin Bayer-Debak. „Wissen Sie, was passiert wäre, wenn wir Sie nicht gefunden hätten? Dann hätten wir einen Haftbefehl erlassen. Und Sie wären womöglich bis zum nächsten Termin in Haft gesessen!“

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