Waiblingen Verkauft Bosch die Verpackungstechnik?

Geschäftsführer Uwe Harbauer. Foto: Bosch

Waiblingen/Frankfurt. „Kein Kommentar.“ Die Geschäftsführer der Bosch Packaging Technology mit Sitz in Waiblingen äußern sich nicht zu den Verkaufsgerüchten der Verpackungssparte des Bosch-Konzerns. Ob die Verpackungstechnik verkauft werden soll, darüber werde immer wieder spekuliert, sagt Geschäftsführer Dr. Stefan König am Rande der Pressekonferenz auf der Messe für Prozesstechnik in Frankfurt.

Vor der Pressekonferenz haben König und sein Geschäftsführerkollege Uwe Harbauer eine Wette abgeschlossen, ob die Frage als erste oder zweite gestellt werde. König gewann: Es war die erste.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte vergangene Woche über Branchengeflüster berichtet, dass der Bosch-Konzern mit der Entwicklung der Verpackungstechnik unzufrieden sei und über einen Verkauf nachdenke. Die Geschäftszahlen, die Geschäftsführer Uwe Harbauer am Montag bei der Achema bekanntgab, sind tatsächlich zwiespältig. Vor allem die Sparte Nahrungsmittel schwächelt. Wie berichtet, will Bosch deshalb in Waiblingen rund 170 der heute 950 Arbeitsplätze streichen. Die Nahrungsmittelkonzerne halten sich mit Aufträgen zurück. Im Vergleich zur Pharmaindustrie sind die Margen bei Anlagen für die Verpackung von Nahrungsmitteln zudem geringer.

Fokus in Waiblingen stärker auf Verpackungsmaschinen

In Waiblingen soll künftig der Fokus stärker auf Verpackungsmaschinen für Pharmakunden gelegt werden, die auch bei der Achema im Mittelpunkt stehen. Angst vor der Konkurrenz aus China, wie die FAZ unter anderem die neuerlichen Verkaufsgerüchte begründete, hat Stefan König freilich keine. Die chinesischen Wettbewerber seien noch viel zu sehr mit dem eigenen, ausgesprochen großen chinesischen und asiatischen Markt beschäftigt und stellten für Bosch keine Bedrohung dar. Im Gegenteil laufe für Bosch Packaging Technology gerade das China-Geschäft hervorragend, stellte Uwe Harbauer heraus. Trotz des steigenden Wettbewerbs habe Bosch das Geschäft in der Region weiter ausgebaut. Dazu beigetragen habe die vorausschauende Gründung einer eigenen Organisation in China bereits im Jahr 2001, für die heute rund 350 Mitarbeiter arbeiten. So sei es früh gelungen, einen umfangreichen Kundenstamm aufzubauen. Ebenso können zukunftsweisende Projekte verzeichnet werden in der Region Mittlerer Osten und Afrika – sowohl mit der Ausstattung zahlreicher pharmazeutischer Fertigungseinrichtungen als auch mit der Erweiterung bestehender Produktionsstätten. Der Auftragseingang verdoppelte sich im Vergleich zum vergangenen Jahr.

Lösungen zur Vernetzung spielen große Rolle

Die Robert Bosch Packaging Technology GmbH hat eigenen Angaben zufolge eine stabile Geschäftsentwicklung für das abgelaufene Geschäftsjahr verzeichnet. Mit 1,3 Milliarden Euro und 6300 Mitarbeitern belaufen sich die wichtigsten Unternehmenskennzahlen auf Vorjahresniveau. Das gab Uwe Harbauer, Geschäftsführer der Bosch-Tochtergesellschaft, anlässlich der weltweiten Leitmesse für Prozessindustrie Achema 2018, bekannt. Insbesondere der Bereich Pharma konnte eine deutliche Auftragssteigerung verzeichnen. „Der Markt entwickelt sich weiter positiv und wir konnten in zahlreichen Segmenten Marktanteile gewinnen“, sagte Harbauer, der auch die Pharmasparte verantwortet. Für 2018 rechnet der Pharmabereich mit einer guten Umsatzentwicklung. Im Vergleich dazu konnte der Bereich Food nicht ganz an die Ergebnisse aus 2016 anknüpfen. „Hier haben wir einzelne Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet, um unsere Aktivitäten zu konzentrieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern“, so Harbauer, ohne konkret auf den Stellenabbau in Waiblingen einzugehen.

Bosch unterstütze seine Kunden aus der Pharmabranche dabei, die hohen Anforderungen in puncto Sicherheit, Schnelligkeit, Flexibilität, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu erfüllen. „Dabei setzen wir auf unsere Stärke, den gesamten Lebenszyklus eines Kunden-Produktes zu verstehen und zu begleiten“, erläuterte Harbauer: „Denn es geht um weit mehr, als eine exzellente Anlage oder ein Komplettsystem zu liefern. Wir helfen unseren Kunden bereits bei der Planung und Entwicklung und stehen ihnen über die Inbetriebnahme und den laufenden Betrieb hinaus auch bei der Wartung oder Modernisierung zur Seite.“ Dafür kombiniert Bosch seine Expertise im Bereich Maschinenbau und Pharmazeutik mit umfangreicher Service- und Softwarekompetenz.

Hochsichere Prozesse bei der Verarbeitung von toxischen Produkten

Einen wichtigen Anteil am Gesamtportfolio nehmen Industrie-4.0-Lösungen ein. Sie tragen zur Vernetzung von Einzelanlagen, Linien oder anderen Dienstleistungen bei. So zeigt Bosch beispielsweise, wie die Maschinendaten des neuen Ansatzsystems SVP und der ALF-Füllmaschine in einem System zusammenlaufen und dadurch eine optimale Produktionsplanung ermöglichen. Für eine bessere Transparenz und Übersicht in der Fertigung bietet die neue Pharma i 4.0 Starter Edition einfache Speicherung, Visualisierung und Analyse von Maschinenzuständen, Prozessparametern, Anlagenverfügbarkeit und Events.

Sicherheit steht bei den Lösungen von Bosch im Zentrum: So sorgt die neue, in Waiblingen gefertigte Kapselfüllmaschine GKF 720 mit ihrem waschbaren Containment für hochsichere Prozesse bei der Verarbeitung von toxischen Produkten. Der neue Gefriertrockner stellt die zuverlässige Stabilisierung thermolabiler Pharmazeutika sicher. „Auf der Achema erwarten Besucher zahlreiche weitere neue Entwicklungen, mit denen wir sie begeistern werden. Allen gemeinsam ist das Ziel, unseren Kunden effiziente, produktive und sichere Prozesse zu bieten, die schnelle Markeinführungszeiten ihrer Produkte ermöglichen“, sagte Harbauer.

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