Waiblingen VfL-Schwimmer wollen nur noch mit Sport ins Gerede kommen

Wollen beim VfL Waiblingen weiterhin an einem Strang ziehen: Abteilungsleiter Rolf Breyer (links) und Cheftrainer Olaf Schulze. Foto: Steinemann / ZVW

Über ein halbes Jahr nach dem Skandal um das alte Führungsteam wollen sich die Schwimmer des VfL Waiblingen wieder aufs Sportliche konzentrieren. „Wir haben jetzt die erste Saison, so wie wir sie uns vorstellen“, sagt Cheftrainer Olaf Schulze. Die Abteilung plant bereits weiter. Es ist sogar absehbar, dass sich der Streit um die Wasserzeiten in Waiblingen noch zuspitzen wird.

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Es war ein großer Aderlass, den die VfL-Abteilung im vergangenen Jahr verkraften musste. Im Zuge der Ermittlungen gegen den ehemaligen Coach und Sportlichen Leiter wegen des Verdachts der Untreue verließen rund 50 Schwimmer den Verein. Viele, auch Leistungsträger, folgten dem Coach zum neu gegründeten SV Waiblingen.

Beim VfL begannen die Aufräumarbeiten. Viel Vertrauen war bei Schwimmern und Eltern verloren gegangen, es galt, die komplette Abteilung neu zu strukturieren. Mit Olaf Schulze vom TV Bad Mergentheim wurde im Frühjahr 2013 ein erfahrener neuer Chefcoach verpflichtet, mit Rolf Breyer fand sich ein Abteilungsleiter. Die ehrenamtliche sportliche Leitung übernahm der ebenfalls neue Stellvertreter Marco Kraus.

Das Team sei während der restlichen Saison vor allem damit beschäftigt gewesen, Ruhe in die Abteilung zu bringen, sagt der 57-jährige Breyer. „Ich war erstaunt, was wir aus sportlicher Sicht trotzdem noch erreicht haben.“ Marco Kraus wurde Deutscher Mastersmeister über 50 Meter Freistil in der Altersklasse 20. Lena Kirchner, mit Coach Schulze aus Bad Mergentheim zum VfL gewechselt, holte unter anderem Silber in der offenen Klasse bei der Freiwasser-DM über 15 Kilometer.

In der Abteilung zögen endlich alle wieder an einem Strang, sagt Breyer. Ein Beleg dafür sei, dass sich wieder vermehrt Eltern ehrenamtlich etwa als Kampfrichter engagierten, ergänzt Pressewartin und Schriftführerin Juliane Markner. Chefcoach Schulze freut sich besonders darüber, dass die Kleinsten wieder in die Schwimmschule des VfL kommen.

Nun hat die neue Saison begonnen. Es ist die erste, die von dieser Führungsriege komplett durchgeplant worden ist. Was ist sportlich drin für den VfL? „Unser Anspruchsniveau sind die Landes- und süddeutschen Meisterschaften“, sagt der 50 Jahre alte Trainer. Das bedeute für die Schwimmer deutlich höhere Trainingsumfänge und Wettkampfbelastung. Zu kurz gekommen im chaotischen Herbst und Winter 2012 sei insbesondere die grundathletische Ausbildung, zu der Krafteinheiten gehören. „Das ist die Grundvoraussetzung für höhere Schwimmgeschwindigkeit.“

Aufhorchen werden die anderen schwimmsporttreibenden Vereine in Waiblingen, wenn sie von den weitergehenden Plänen des VfL erfahren. „Wenn wir eine kontinuierliche Entwicklung voraussetzen, brauchen wir mehr Training.“

Als Beispiel nennt Olaf Schulze den jüngst aus Karlsruhe gekommenen VfL-Neuzugang Benjamin Konschak. Der 27-Jährige ist Deutscher Meister im Freiwasserschwimmen über 25 Kilometer, Weltmeister im Winterschwimmen und nahm 2011 an der WM in Shanghai teil. Sein Saisonziel ist die EM-Teilnahme im August 2014 in Berlin. Schulze: „Wenn man mit solchen Aktiven arbeiten will, reicht das Pensum nicht.“ Trainiert werden müsse elfmal die Woche.

Der VfL wird auf Dauer nicht mit den Wasserflächen auskommen

Heißt: Auf Dauer werden dem VfL die mit den weiteren Nutzern ausgehandelten Wasserflächen nicht reichen. Dass mit dem SV Waiblingen ein weiterer eingetragener Schwimmverein hinzugekommen ist, der ein Anrecht auf Trainingszeiten in den Waiblinger Bädern hat, macht die Sache noch brisanter.

Zumal der VfL diesmal trotz Aderlass genau jene Zeiten bekommen hat wie in der Vorsaison, während sich der neu gegründete Verein hinten anstellen musste und nur über magere Trainingsmöglichkeiten in Waiblingen verfügt. Der SV weicht deshalb unter anderem ins Wunnebad nach Winnenden aus. Klar, dass das nicht zur Harmonie zwischen den beiden ohnehin nicht gerade befreundeten Clubs beiträgt. Auch wenn VfL-Abteilungsleiter Breyer sagt: „Wir werden behandelt wie alle anderen Vereine auch.“

Schulze sieht die Sache betont nüchtern. Der VfL habe begründete Interessen, sonst würde er nicht so viel Geld für Wasserflächen bezahlen. Der Trainer denkt schon weiter: „Die Stadt Waiblingen als Schwimmzentrum muss sich auch gegenüber Stuttgart positionieren. Das sind ganz langfristige Überlegungen.“ Soll das heißen, Waiblinger Vereine sollen fusionieren? So weit will Schulze nicht gehen. Sein Abteilungsleiter Breyer kann sich dafür bei der Verteilung der Wasserflächen Kooperationen mit anderen Vereinen vorstellen. Ausgereifte Ideen gibt es aber laut beiden noch nicht. Wie gesagt: Zukunftsmusik.

Das vorrangige Ziel des VfL ist ohnehin ein internes. „Wir müssen jetzt unbedingt den Kinderleistungsbereich deutlich ausbauen.“ Zuständig für diese umfangreiche Aufgabe sind die Trainerinnen Eike Mark-ner und Evgenia Litvinenko. Es gehe darum, die Trainingseinheiten zu erhöhen und die Kinder an den Wettkampfbereich heranzuführen, so Olaf Schulze. „Wenn uns das gelingt, haben wir im Hinblick auf die nächsten fünf, sechs, sieben Jahre viel geschafft.“

Das beweist doch, dass der Trainer beim VfL Waiblingen kein kurzfristiges Engagement plant, oder? Schulze lacht. Und sagt: „Es gibt genug zu tun hier.“

Verhandlungstermin ist angesetzt

Wie mehrmals berichtet, hat das Amtsgericht Waiblingen einen Strafbefehl gegen den Cheftrainer des SV Waiblingen erlassen. Wie zu hören ist, geht es um eine Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro. Dem Mann wird vorgeworfen, in seiner früheren Funktion als Chefcoach und Sportlicher Leiter des VfL Waiblingen Gelder veruntreut zu haben.

Der Waiblinger Anwalt Matthias Fischer und sein Mandant haben Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Der Termin für die Hauptverhandlung ist auf Mittwoch, 16. Oktober, angesetzt worden.

Wenn der Einspruch bis zum Verhandlungstag zurückgezogen wird, kommt es nicht zur Verhandlung. Möglich ist es auch, den Sachverhalt im Grundsatz zu akzeptieren, aber die Höhe der Geldstrafe anzufechten.

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