Waiblingen Volksbank: Es wird weitere Fusionen geben

Hans Rudolf Zeisl. Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Er ist der Kopf der größten baden-württembergischen Volksbank: Ein Gespräch mit Hans Rudolf Zeisl, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Stuttgart, über den Sinn von Fusionen, Zumutungen des Regulierungswesens und Wirtschaften in Niedrigzins-Zeiten.

Herr Zeisl, eigentlich wollten wir nur über Geschäftsentwicklungen reden – aber ein aktueller Anlass gibt uns die erste Frage vor: Zweimal binnen 14 Monaten wurde die Volksbank in Winnenden überfallen – ein Schock für die Belegschaft.

Das ist in der Tat eine bitterböse Geschichte, die auch mich sehr umtreibt. Ich war am Dienstag kurz nach dem Überfall in Winnenden und konnte die Schockstarre, das Entsetzen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter förmlich spüren. Gott sei Dank erlitt niemand körperlichen Schaden. Mein Mitgefühl gilt vor allem den Kolleginnen und Kollegen, die während des Überfalls in den Schalterräumen waren. Wir werden alles Menschenmögliche tun, damit diese kriminelle Tat nicht zum Trauma wird.

Als Sie in Waiblingen gestartet sind, gab es noch die Volksbanken Waiblingen, Winnenden, Schorndorf und und und. Heute sind Sie Chef der Volksbank Stuttgart, nach einer massiven Fusionswelle.

Ich bin 1998 in den Vorstand der Volksbank Waiblingen gekommen. Die Bilanzsumme lag damals bei 685 Millionen Euro. Heute weist die Volksbank Stuttgart eine Bilanzsumme von 6,7 Milliarden aus. Wir sind damit mit Abstand die größte Volksbank in Baden-Württemberg. Die Entwicklung der letzten 20 Jahre war enorm. Aber das geschah nicht aus dem Drang zur Größe, sondern weil die Märkte uns das vorgaben.

Was meinen Sie damit?

Wir haben 1998 Existenzgründungen begleitet, da haben zwei, drei Leute in einer Garage begonnen, Drehteile für Daimler herzustellen – dieselben Firmen sitzen heute entlang der B 14 und B 29 mit 500, 600 oder 700 Beschäftigten. Deren Partner sind wir immer noch – nur, dass sie jetzt nicht mehr 50 000 Euro Kontokorrentkredit brauchen, sondern mit Millionen einen großen Auftrag vorfinanzieren müssen. Einen Kredit über zehn Millionen Euro hätte aber die frühere Volksbank Waiblingen kaum darstellen können, die heutige Volksbank Stuttgart hingegen schon. Bei Fusionen geht es also um nichts anderes als um eine Bündelung der Kräfte.

Dennoch wird bei jeder Fusion zuverlässig Kritik laut.

Die Volksbank lebt von Regionalität und Kundennähe. Das ist schon seit 150 Jahren so. Ein nachhaltigeres Geschäftsmodell gibt es eigentlich nicht. Natürlich besteht bei Fusionen die Angst: Ihr verliert die Nähe zu uns, hier gibt’s bald keine Filialen und keine Berater mehr. Das Gegenteil ist der Fall! Wir brauchen eine entsprechende Größe, um leistungsstark bleiben zu können. Das wiederum ist die Voraussetzung, um Kundennähe leben zu können. In unseren neun Regionaldirektionen wird heute die Nähe zum Mitglied, zum Kunden mindestens genauso praktiziert wie vor 20 Jahren. Und das soll auch in Zukunft so sein.

Die Zweifler fressen Ihnen die Argumente nicht gerade aus der Hand.

Ich habe jetzt acht Fusionen mitgemacht und noch nie erlebt, dass beim Fusionspartner alle sofort Hurra geschrien haben. Da geht es nicht nur um betriebswirtschaftliche Sachverhalte, da kommen Emotionen ins Spiel. Aber genau diese Emotionen machen unsere Volksbank aus – sie unterscheiden uns von anderen Bankengruppen.

Da fällt uns die Fusion mit der Kerner Volksbank ein – es gab lauten Widerstand, fast erfolgreich.

Das stimmt. Da mussten wir schon sehr intensiv Überzeugungsarbeit leisten. Die stärksten Bedenken mussten wir allerdings 2010 bei der Fusion der Volksbank Rems mit der Stuttgarter Volksbank aus der Welt räumen. Damals haben wir an unzähligen Abenden, in vielen Gesprächen versucht, unsere Mitglieder von der Sinnhaftigkeit des Vorhabens zu überzeugen. Ich war in der Zeit selten zu Hause. Ich erinnere mich gut an die Vertreterversammlung in Schorndorf. Damals war der entscheidende Moment: Ein Vertreter, der gegen die Fusion war – wir hatten im Vorfeld schon mehrmals die Argumente ausgetauscht –, stand auf und brachte wieder die gleichen Einwände vor. Ich sagte: „Ich habe mehrfach versucht, Sie zu überzeugen, ich schaffe es nicht. Sie müssen dagegen stimmen!“ Das war der Durchbruch: „Jawohl“, riefen die Vertreter, „abstimmen!“ Wir haben damals eine klare Mehrheit bekommen – die Geburtsstunde der Volksbank Stuttgart.

Aber zu Fusionen gehört Personalabbau. Es ergibt ja keinen Sinn, fünf, zehn Buchhaltungen nebeneinander zu bewahren.

Richtig. Aber in all den Jahren gab es nicht ein einziges Mal einen Aufschrei der Mitarbeiter und keine Kündigungswelle. Wir haben das immer sehr behutsam gehandhabt und die biologische Fluktuation genutzt. Das werden wir auch in Zukunft so praktizieren. Alleine 2017 wurde über hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Jahrgang 1957 und älter sind, eine faire Altersteilzeitregelung angeboten. 86 haben unterschrieben.

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