Waiblingen Waiblingen, eine "Mafia-Hochburg"?

Die kalabrische Mafia habe Stuttgart und umliegende Städte wie Waiblingen oder Fellbach „zu ihren Hochburgen ausgebaut“, sagt die Journalistin Petra Reski. Foto: ZVW

Waiblingen. Die Mafia betrachte Städte wie Waiblingen und Fellbach als ihr „ureigenstes Terrain“ – die Frau, die diese drastische These aufstellt, gilt nicht als recherche-unfähige Hysterikerin: Die preisgekrönte Journalistin Petra Reski berichtet am Dienstag, 5. Juni, im Waiblinger Kulturhaus Schwanen über „das Netz der Mafia in Deutschland“

Petra Reski

Petra Reski, Jahrgang 1958, wurde in Kamen, Nordrhein-Westfalen, geboren und lebt heute in Venedig. Für ihre journalistischen Arbeiten (sie veröffentlichte unter anderem in Stern, Geo und Zeit) wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem vom Journalisten-Fachblatt Medium Magazin als Reporterin des Jahres.

Für ihr publizistisches Engagement gegen die Mafia erhielt sie den „Amalfi Coast Media Award“ – in der Jury saßen fast alle wichtigen italienischen Chefredakteure.

Reski hat bislang zehn Bücher veröffentlicht, darunter „Von Kamen nach Corleone – Die Mafia in Deutschland“ (Verlag Hoffmann und Campe) und „Mafia – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ (Verlag Droemer)

Die Provinz Catanzaro mit ihren malerischen, von Weinbergen umflossenen Dörfchen, kaum 150 Kilometer entfernt von der Stiefelspitze Italiens, gilt als Stammland der ‘Ndrangheta-Clans Farao und Greco. Die ‘Ndrangheta ist die kalabrische Ausgeburt der Mafia – weniger legendär als die im Film „Der Pate“ unsterblich gemachte sizilianische Cosa Nostra oder die neapolitanische Camorra; aber nach Experteneinschätzungen wohl die mächtigste der großen, von Italien aus in die Welt wuchernden Verbrechensorganisationen. Vermuteter Aktionsradius: ganz Europa, Nord- und Südamerika, Russland, Australien. Geschätzter Jahresumsatz: mehr als 40 Milliarden Euro.

Bereits in den 60er-Jahren, mit den ersten Gastarbeitern, habe der Krake seine Arme nach Baden-Württemberg hinein ausgerollt, sagt die Mafia-Expertin Petra Reski – und heute gebe es in Stuttgart und Umgebung vor allem zwei Platzhirsch-Clans: eben jene Familien der Farao und der Greco. „Sie haben“, schrieb Reski im vergangenen Jahr in einem Beitrag für die taz, „Orte wie Stuttgart, Waiblingen, Ludwigsburg, Esslingen und Fellbach zu ihren Hochburgen ausgebaut.“

Reski hat diese Einschätzung nicht exklusiv: „Im süddeutschen Raum ist die Region Stuttgart in fester Hand kalabrischer Gruppierungen“ – so zitierte 2010 die Stuttgarter Zeitung den Oberstaatsanwalt Roberto Scarpinato aus Palermo. Er gilt als einer der entschlossensten Mafiajäger Italiens; und steht deshalb seit mehr als 20 Jahren unter ständigem Personenschutz.

Die Integrierten: Die Mafia und die Legalwirtschaft

Längst sei die Mafia hierzulande „bestens integriert“, glaubt Reski – familiär über deutsche Ehefrauen, wirtschaftlich über Kontakte zu Bankern und Geschäftspartnern, juristisch über Steuerberater und Anwälte, politisch über Beziehungen zu Wichtigen. Vielumraunt war vor Jahren ein kalabrischer Gastronom in Weilimdorf – seine „damalige Freundschaft“ zum ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger sei „umfangreich dokumentiert“, argumentiert Reski.

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