Was sich Radfahrer wünschen Radwege in Waiblingen im Test

Andreas Schwager, politischer Sprecher des ADFC im Rems-Murr-Kreis (links), und „Pro Velo“-Mitglied Klaus-Dieter Przybyl (rechts) setzen sich für eine fahrradfreundliche Infrastruktur in Waiblingen ein. Auf einer Tour machen sie auf Probleme aufmerksam, nennen aber auch Positiv-Beispiele. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. Mit ihrem Verein „Pro Velo“ setzen sich Andreas Schwager und Klaus-Dieter Przybyl für eine sichere Radwegeinfrastruktur in Waiblingen ein. Auf einer Tour durch die Stadt stellen sie Mängel fest: Einige Radwege sind an unsicheren Stellen nicht farblich gekennzeichnet und sie enden an Kreuzungen abrupt. Ihre Einschätzung: Die Konzepte in Waiblingen sind nicht zu Ende gedacht.

Die Radfahrer Andreas Schwager und Klaus-Dieter Przybyl wissen, wovon sie reden, wenn sie die Waiblinger Infrastruktur kommentieren. Andreas Schwager ist politischer Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) im Rems-Murr-Kreis und Vorsitzender des Vereins „Pro Velo“, der sich für die Verbesserung der Radwegeinfrastruktur einsetzt. Klaus-Dieter Przybyl ist „Pro Velo“-Mitglied und fährt seit 20 Jahren in Waiblingen mit dem Fahrrad, da er kein Auto besitzt.

Treffpunkt ist am Zeitungsverlag Waiblingen im Gewerbegebiet Ameisenbühl. Von dort aus geht es mit dem Rad durch die Bahnunterführung auf die Dammstraße. Schwager und Przybyl fahren in Richtung Bahnhof. „Vor fünf Jahren war das die letzte Großtat der Stadt“, sagt Przybyl. Danach sei im Hinblick auf Radwege nichts mehr geschehen, bemängelt er. Zwar sei der Weg gut ausgebaut, doch von der Abbiegung zum Bahnhof an gebe es keine Führung mehr. „Ich werde alleingelassen“, sagt Przybyl. Damit will er das Gefühl widerspiegeln, das viele Radfahrer an dieser Stelle empfinden müssen.

Pro Velo bemängelt: „Es wird nicht zu Ende gedacht“

Hier sei bereits ein Grundproblem in Waiblingen zu erkennen, geben die Radfahrer zu bedenken: „Es wird nicht zu Ende gedacht.“ Etliche Stellen, an denen sie etwas verbessern würden, fallen Schwager und Przybyl ein. Baubürgermeister Dieter Schienmann verweist darauf, dass die Stadtverwaltung mit dem Verein bereits im Mai eine Radtour gemacht hat, bei der einige Probleme angesprochen wurden. Der Dialog bestehe außerdem am Runden Tisch Radverkehr.

Schwager und Przybyl fahren von der Dammstraße weiter auf die Devizesstraße. Am Lidl erklären sie, dass Radfahrer hier auf einem sogenannten Radschutzstreifen fahren können. Auch Angebotsstreifen wird dieser Bereich benannt, schließlich müssen ihn Radfahrer nicht benutzen. Und auch Autofahrer können die gestrichelte Linie bei Bedarf überfahren. Das sei gut, sagen die beiden, denn wenn ein Auto sich auf die Straße vortaste, könne der Radfahrer – solange kein Auto hinter ihm fährt – auf die Straße ausweichen.

„Achtung, hier haben Fahrradfahrer ihren Platz.“

Sie weisen darauf hin, dass – auch wenn viele der Meinung seien – der Gehweg für Radfahrer nicht sicherer ist als die Straße. „Sobald ich an die Einfahrt komme, ist die Sicherheit vorbei“, sagt Klaus-Dieter Przybyl. Denn dort steht oftmals ein Auto auf dem Gehweg, weil der Fahrer in die Straße einbiegen will.

Von der Devizesstraße aus geht die Tour weiter über die Mayenner Straße hin zum Alten Postplatz. An der Ampelkreuzung weisen die Radler auf die rot gefärbten Radwege hin. Sie erklären, dass diese „roten Teppiche“ Autofahrern zeigen sollen: „Achtung, hier haben Fahrradfahrer ihren Platz.“ Das sei positiv. Doch auch hier sei das Konzept nicht zu Ende gedacht worden, denn auf der Kreuzung hört die Radwegeführung abermals einfach auf.

„Eine Infrastruktur muss so sein, dass sich der Radfahrer sicher fühlt“

Zu loben sei aber, dass in der Mayenner Straße ein Angebotsstreifen vorhanden ist. Wichtiger als der Schutzstreifen bergab wäre allerdings einer, der die Radfahrer den Hügel hinaufleitet, sagt Schwager. Da Radler bergab in der Stadt oft genauso schnell sind wie Autos, werden sie nicht so oft überholt, bergauf aufgrund der niedrigen Geschwindigkeit allerdings schon. Ein Radschutzstreifen würde die gefühlte Sicherheit stärken, meint Schwager. „Eine Infrastruktur muss so sein, dass sich der Radfahrer sicher fühlt.“

Die meisten Menschen haben ein mulmiges Gefühl, wenn sie von Bussen und Lkw überholt werden. „Das tun sich die meisten Menschen nicht an“, sind Schwager und Przybyl überzeugt. Mit einer besseren Infrastruktur wollen sie mehr Menschen zum Umsteigen bewegen.


Zweispurig

Vor der Einfahrt zur Tiefgarage des Bürgerzentrums kreuzt ein Radweg, der in beide Richtungen befahrbar ist. Nach den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen, die Kommunen Hinweise für Radwege gibt, sollten diese zweispurigen Wege angehoben und rot markiert sein. Denn gefährlich wird es hier, wenn Autofahrer abbiegen und nur auf Fahrräder aus einer Richtung achten. Ein auffälliger Überweg könne Abhilfe schaffen.

Die Schwierigkeit sieht Baubürgermeister Dieter Schienmann hier darin, dass zu bestimmten Zeiten viele Autos und Lieferverkehr den Radweg queren. Durch eine rote Markierung könne dem Radfahrer möglicherweise eine nicht gegebene Sicherheit suggeriert werden, sagt Schienmann.

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