Waiblingen Waiblinger Rapper Blades will den Durchbruch

Eigentlich ist er Kaufmann für Büromanagement: Maxim Nyamsi. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Waiblingen.
„Um Musik zu machen, braucht man einen klaren Kopf“, sagt Maxim Nyamsi. Der Waiblinger ist eigentlich Kaufmann für Büromanagement, doch seit mehr als acht Jahren beschäftigt er sich mit Rap-Musik. Mittlerweile ist sie zum Hauptberuf des 22-Jährigen geworden: Nyamsi ist kein Hobby-Rapper mehr, sondern bei dem Berliner Musiklabel „Zero Legal“ unter Vertrag.

Zum Aufstieg in die Profi-Liga kam es dadurch, dass Nyamsi dem Berliner Rapper Sentino eines seiner Lieder zuschickte – in der Hoffnung, dass das Idol es anhören würde. Das tat er. Der Berliner meldete sich nach wenigen Wochen bei Nyamsi und machte auch „Zero Legal“ auf den Waiblinger aufmerksam.

Für Maxim Nyamsi war das Timing perfekt. Er hatte gerade erst eine zweijährige Auszeit vom Musikmachen beendet. Im Sommer vergangenen Jahres feierte er sein Comeback. Und zwar nicht unter seinem vorherigen Künstlernamen „Ahoue“, der aus seiner Sicht zu einem Zeitabschnitt gehört, mit dem er bereits abgeschlossen hatte. Sein neuer Alias lautet „Blades“. Mit dem neuen Lied „Dla“ startete er auch eine neue Rap-Karriere. Hinter der Abkürzung „Dla“ verbirgt sich seine Geburtsstadt Douala, die größte Stadt Kameruns.

Um sich neue Inspiration zu holen, war Nyamsi zuvor für vier Wochen nach Kamerun gefahren. Mit Erfolg: Dort sind das Lied „Dla“ und vier weitere Songs entstanden. Das Lied wurde auch im kamerunischen Fernsehen gespielt, sagt Nyamsi. „Das war mir eine Ehre“, sagt er. Aber besonders stolz darauf seien seine Eltern gewesen. Darüber freut er sich noch mehr und sagt: „Das war auch mein Ziel.“

„Am meisten hat mich inspiriert, zu sehen, wo ich herkomme“

Als er nach Kamerun fuhr, hatte er nur die Beats, also die Rhythmen, im Kopf, sagt er. Die Texte seien dann dort entstanden. „Am meisten hat mich inspiriert, zu sehen, wo ich herkomme.“ Alte Erinnerungen, neue Eindrücke und neue Erkenntnisse – in Kamerun sei ihm besonders klar geworden, dass er in den vergangenen Jahren, als er in Deutschland war, vieles aus der Heimat seiner Eltern vergessen hatte.

Vor Ort habe er „die Armut und die Verhältnisse im Vergleich zu Deutschland“ realisiert, sagt er. Das alles habe ihn auch zu neuen Liedtexten inspiriert. „Jeder Song hat eine andere Geschichte.“

So kehrte er aus seiner Geburtsstadt Douala mit einer EP zurück. Die Abkürzung steht für Extended Play und meint CDs oder Platten, auf denen mehr als ein Lied zu hören ist, die aber noch kein ganzes Album darstellen. „Entre deux cieux“, heißt seine EP, auf Deutsch: „Zwischen zwei Himmeln“. „Eine Metapher“, sagt Maxim Nyamsi, die dafür stehe, dass er sich sowohl Deutschland als auch Kamerun zugehörig fühle.

„Wenn das kein Sommerhit wird, weiß ich auch nicht“

Anhand der Resonanz der Hörer werde das weitere Vorgehen entschieden, erklärt der 22-Jährige. Aus den beliebtesten Liedern soll ein Mixtape erstellt werden. Laut aktuellem Plan spätestens im September, sagt Nyamsi.

Doch davor fährt er zunächst wieder nach Kamerun, um zwölf Lieder zu produzieren. „Was für Lieder es sind, kann ich nicht sagen“, sagt er. Aber die Rhythmen stehen bereits fest – sie stammen von Nymasis Kooperationspartner „Capo Beatz“. Mit diesem arbeitet er zusammen, seitdem er bei dem Berliner Musiklabel unter Vertrag ist. Gemeinsam suchen sie die Beats für die einzelnen Songs aus.

Einer gefällt ihm jetzt schon besonders gut, er ist davon überzeugt: „Wenn das kein Sommerhit wird, weiß ich auch nicht.“

Bei seinem kommenden Kamerun-Aufenthalt wird er von Christian Beham, einem gelernten Medienassistenten, und von seinem Manager Tim Eitel besucht. Vor Ort soll dann ein Musikvideo gedreht werden. Christian Beham sagt, dass sie jedes Mal eine verbesserte Qualität in den Videos anstrebten. Obwohl für ein Musikvideo in der Regel mehrere Hilfskräfte nötig sind, mache Beham oft alles alleine.

Doch in Westafrika soll es anders laufen: „In Kamerun ist das Budget ausreichend, um ein Kamera-Team auf die Beine zu stellen.“ Damit sie dieses Vorhaben realisieren können, werden sie von seinem Vater Andreas Beham finanziell unterstützt.

Rap soll nicht mit Kriminalität in Verbindung gebracht werden

Das Ziel von Maxim Nyamsi ist es, mit seinem Mixtape das Publikum zu überzeugen. „Mit überzeugen meine ich nicht regional“, erklärt er, „sondern überregional.“ Selbstsicher sagt der 22-Jährige: „Das ist ein realistisches Ziel, meiner Meinung nach.“

Anders als manche andere Rapper, die von ihrem zweifelhaften Ruf zehren und das Genre des Gangsta-Rap populär gemacht haben, will der Waiblinger Rapper weder mit Kriminalität, Gewalt noch anderen negativen Eigenschaften in Verbindung gebracht werden. Maxim Nyamsi folgt in der Hinsicht seinem Idol, dem französischen Rapper Kaaris. „Ich respektiere seine Kunst und wünsche mir, auf sein Level zu kommen.“


Auftritt und Fellbach

Wer den 22-Jährigen live erleben möchte, der hat dazu Gelegenheit am Samstag, 29. Februar, im Sneaker-Laden Marosa in Fellbach (Stuttgarter Straße 106, Gebäude B1a). Dort tritt der Waiblinger Rapper mit DJ Balance auf.

Beginn ist um 20 Uhr, zunächst wird die Bekleidung einer Marke vorgestellt, mit der Nyamsi kooperiert. Im Anschluss gibt es ein kleines Konzert.

Darüber hinaus ist Maxim Nyamsi auf der Foto-Plattform Instagram unter dem Namen „blades_zl“ zu finden.

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