Waiblingen Was haben die Blitzersäulen gebracht?

Jeweils mehr als 40 000 Fahrzeuge passieren täglich die Blitzersäulen im Bereich des Teilers von B 14 und B 29. Foto: Foto/Montage: Habermann / ZVW

Waiblingen. Die Tage des Blitzlichtgewitters an den Bundesstraßen rund um Waiblingen sind zwar längst vorbei, aber noch immer schlagen allein die Blitzersäulen am Teiler von B 14 und B 29 in mehr als 22 000 Fällen pro Jahr zu. Vor sieben Jahren wurden die beiden ersten Poliscan-Türmchen im Rems-Murr-Kreis installiert – was haben sie gebracht?

Januar 2012, wir erinnern uns: Im Bereich der Bahnbrücke beim Bundesstraßen-Teiler lässt die Stadt Waiblingen zwei moderne Blitzersäulen der Marke Vitronic, Modell Poliscan, aufstellen, um die Geschwindigkeit zu überwachen. Nach Einschätzung der Polizei handelte es sich um einen Unfallschwerpunkt. Häufigste Ursache war, bei zulässigem Tempo 100, zu schnelles Fahren. In den ersten 14 Tagen nach Installation der Säulenblitzer geht ein wahres Blitzlichtgewitter über den Autofahrern nieder. 827-mal täglich schlägt der rote Blitz zu. Unter anderem bei einem Raser, der die Geräte mit 207 Stundenkilometern passiert. Weitere Blitzer-Standorte folgten, dazu später mehr.

Weniger Unfälle mit Toten und Schwerverletzten

Heute gehören die Blitzer am Straßenrand zum gewohnten Bild, das sich Pendlern auf dem Weg nach Stuttgart zur Arbeit bietet, ganz wie der Stau am Kappelberg und die Baustellen für S 21. Man steht sozusagen auf Du und Du, und ortskundige Bleifüße lassen rechtzeitig vom Gas – um nach ein paar 100 Metern wieder zu beschleunigen. Die Statistik zeigt: Die Zahl der Tempoverstöße nimmt Jahr für Jahr ab, inzwischen liegt sie nur noch bei einem Fünftel des Vergleichswerts von 2012.

 


Aus Sicht des zuständigen Fachbereichs Bürgerdienste der Stadt Waiblingen ist das ein Beleg, dass sich die Aufstellung der Blitzer gelohnt hat. Nicht etwa finanziell, wie der stellvertretende Fachbereichsleiter Oliver Conradt betont, sondern um die gewünschte „Verstetigung des Verkehrsflusses“ zu erreichen. Da die tempomäßigen Ausreißer immer mehr entfallen, könnten die Autofahrer eher die für das Ein- und Auffädeln auf den Teilerspuren erforderliche Aufmerksamkeit aufbringen. 94 Unfälle höchst unterschiedlicher Art und Schwere ereigneten sich zwischen 2012 und 2018 am Teiler. Ihre Zahl ist leicht rückläufig. 2012 zum Beispiel waren es 17, im vergangenen Jahr zwölf. Besonders wichtig dabei: Die Unfälle mit Toten und Schwerverletzten sind weniger geworden.

Blitzersäulen an B 14 waren Wunsch der Bürgeraktion Korber Höhe

Zwei Jahre später folgten die Blitzersäulen an der B 14. Im Gegensatz zu denen am Teiler wurden sie nicht in erster Linie aufgestellt, um Unfällen vorzubeugen, sondern wegen des Lärmschutzes. In diesem Sinne waren die Blitzer ein Wunsch der Bürgeraktion Korber Höhe. Anderer Standort, gleiches Bild: Die Verstöße nehmen ab. Dass sie im Vergleich von 2014 auf 2015 zunahmen, liegt schlicht daran, dass die Säulen 2014 erst im Oktober installiert wurden. „Verstetigung des Verkehrsflusses“ also auch hier. Das ist denn auch der akustische Eindruck von Winfried Koch, dem Vorsitzenden der Bürgeraktion: „Es ist nicht ruhig geworden, aber ruhiger.“ Ins mehr oder weniger gleichmäßige Rauschen von der B 14 mischt sich weniger Röhren einzelner Raser. Getrübt wird die Bilanz jedoch davon, dass nach dem Blitzer bergauf weiter Tempo 120 erlaubt ist. Was viele dazu verleitet, auf die Tube zu drücken und entsprechend Lärm zu machen. Einen Vorstoß für Tempo 100 auf den Straßen im Rems-Murr-Kreis hat die SPD im Kreisrat neulich unternommen – vergeblich.

Am häufigsten blitzen die Säulen in Hegnach

Mögen die automatischen Tempowächter an den Bundesstraßen am prominentesten platziert sein, am aktivsten sind ihre Kollegen an der Neckarstraße in Hegnach. 2017, im ersten Jahr nach Installation, blitzten sie mehr als 52 000-mal. Das für den Lärmschutz geforderte Tempolimit von 30 einzuhalten, fällt den Autofahrern noch schwer. Für Freude der besonderen Art sorgt die Säule am Ortsausgang in Richtung Remseck: Wer glaubt, nach dem Kreisverkehr auf 50 beschleunigen zu dürfen, läuft Gefahr, sich ein unvorteilhaftes Foto einzuhandeln. Der Gewöhnungseffekt, der hier noch aussteht, hat sich an der Westumfahrung schon eingestellt. Ebenso an der Klinglestalstraße, wo es ohnehin nie so oft blitzte wie an anderen Standorten. Nur rund ein Tempoverstoß pro Tag wurde 2018 registriert.

 


Wie der stellvertretende Fachbereichsleiter Oliver Conradt unterstreicht, dienen die Blitzer entgegen einer weit verbreiteten Meinung nicht als Einnahmequelle, sondern zur Verkehrsberuhigung und Unfallvorbeugung, und haben in diesem Sinne Denkzettel-Funktion.


Das Blitzer-Konzept

Bei den Autofahrern erfreuen sich die Blitzersäulen keiner großen Beliebtheit. Doch die Stadt Waiblingen baut bei der Überwachung des fließenden Verkehrs voll auf sie.

Die Tage der klassischen „Starenkästen“ sind gezählt. Sie werden aus Kostengründen weder gewartet noch erneuert – allenfalls durch Säulen ersetzt. So geschehen in der Klinglestalstraße in Neustadt.

Wo das nicht angebracht erscheint, bleiben die Starenkästen als Attrappen stehen. Die Mehrheit davon hat längst den Geist aufgegeben. Aber Vorsicht: Manche funktionieren noch.

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