Waiblingen Was tun, damit der Kaminofen nicht stinkt?

So gemütlich kann’s am Kaminofen sein. Foto: adobe stock / Patrizia Tilly

Waiblingen.
Was könnte schöner sein, als nach einem Spaziergang in der Kälte die Knochen am knisternden Feuer zu wärmen? Für die einen sind Kaminöfen der Inbegriff von Romantik, andere – oft sind’s die Nachbarn – rümpfen die Nase. Holzfeuer sorgen für Wohlfühl-Atmosphäre, aber auch für Ruß und Feinstaub. Zur allgemeinen Feinstaubbelastung tragen sie einen erheblichen Teil bei. Unterschiedliche Gutachter kommen, je nach Auftraggeber, zu unterschiedlichen Ergebnissen. Schornsteinfegermeister und Gebäudeenergieberater Falk Nienaber aus Beinstein orientiert sich am Mittel und schätzt den Anteil auf rund 30 Prozent. Wobei der Wert von Standort zu Standort stark variiert: In Stuttgart am Neckartor fallen Autoabgase besonders ins Gewicht, in guter Wohnlage im ländlichen Raum sind die Kaminöfen weit verbreitet. Ganz egal wo – die Nutzer haben es in der Hand, wie viel Schadstoffe in die Luft geblasen werden. Und wenn dicke Luft durch die Siedlung wabert, müssen die Nachbarn nicht hilflos zusehen.

Schadstoffarmes Heizen beginnt mit der Wahl der Feuerstätte. Alte Bolleröfen sind nicht mehr zugelassen. Das Jahr 2020 markiert einen Einschnitt insofern, dass alle Kaminöfen, die älter als 25 Jahre sind, stillgelegt werden müssen. Das bedeutet, sie müssen vom Kamin getrennt werden. Die Bezirksschornsteinfeger kontrollieren und fordern gegebenenfalls einen Nachweis über die Stilllegung ein. Zu kaufen sind nur noch Kaminöfen der Schadstoffstufe zwei und besser, wobei die Preisspanne von 200 bis 2000 Euro reichen kann. Falk Nienaber weist darauf hin, dass alle Öfen die Grenzwerte auf dem Prüfstand einhalten – in der Praxis sieht’s anders aus. Wer umweltschonend heizen will, ist mit teureren Modellen tendenziell besser beraten. Wichtig sind die mehrstufige Luftzufuhr und die Drosselklappe, mit welcher der Luftzug abhängig vom Wetter reguliert werden kann. Bei besonders modernen Öfen wird der Zug sogar automatisch gesteuert. Wer sich damit nicht auseinandersetzen möchte, sagt Falk Nienaber, sollte besser ein virtuelles Kaminfeuer am Bildschirm flackern lassen.

Das Holz sollte gut trocknen

Trocken muss das Holz sein. Am besten eignet sich das klassische, dreikantige Holzscheit mit etwa zehn Zentimetern Kantenlänge. Rundhölzer sind eher ungeeignet, Abfall ist tabu. Bei der regelmäßigen Besichtigung prüft der Schornsteinfeger auch die Lagerung des Brennholzes. Ideal sind Lagerorte, die Sonnenschein abbekommen, um gut trocknen zu können, aber keinen Regen. Werden Hölzer unterlegt, bekommt der Brennstoff auch von unten Luft. Den Vorrat unter einem schmalen Vordach an der Hausseite zu stapeln und eine Plastikplane darüberzuhängen ergibt wenig Sinn, weil die Scheite so keine Luft bekommen. Bei optimalen Bedingungen trocknet das Holz in einem bis anderthalb Jahren. In Baumärkten gibt es für wenig Geld Messgeräte zur Ermittlung der Holzfeuchtigkeit zu kaufen. Zehn bis 20 Prozent Feuchtigkeit sind ideal. Auf fertig gespaltenes Holz aus dem Baumarkt ist dabei kein Verlass, sagt der 56-jährige Fachmann. „Da haben wir schon Werte von 30 bis 40 Prozent gemessen.“ Besonders, wenn trockenes Holz allgemein knapp ist, kommen die Scheite auch recht frisch auf den Markt.

Fast ohne Rauch anfeuern - das ist möglich und geht so: Rost freimachen und Aschekasten leeren, Drosselklappe im Rohr ganz öffnen. Zwei Holzscheite längs so hinlegen, dass die Rinde außen ist und die Schnittflächen nach innen geneigt sind. So ergibt sich zwischen den Scheiten ein Spalt, durch den die Luft gezielt hindurchströmt. In gleicher Ausrichtung die Mulde mit zwei bis fünf Zentimeter starken Scheiten auffüllen, bevorzugt gespaltenes Nadelholz. Darauf kommen ein bis zwei wachsgetränkte Anzünder, daran werden in gleicher Ausrichtung vier bis sechs fingerdicke Anzündhölzer dicht gestapelt. Primärluft unter dem Rost ganz öffnen, Sekundärluft schließen. Dann Anzünder anbrennen, Ofentür nur anlehnen, nach drei Minuten schließen. Das Feuer brennt nun nahezu rauchfrei nach unten in der Mulde zwischen den beiden Holzscheiten. Sobald die Flammen ganz hochschlagen, Sekundärluft öffnen, Primärluft halbieren. Wenn die Flammen ganz klein werden, einen größeren Scheit in die Mulde nachlegen und damit nochmals den Brennraum aufheizen. So immer ein bis zwei Scheite mit der gespaltenen Seite zur Glut nachlegen. Braunkohlebrikett mit nebengelegtem Holzscheit kräftig anfeuern und komplett durchglühen lassen, das vermeidet teerigen Belag an Ofenscheibe, Rohr und Schornstein. Die Abbrandgeschwindigkeit mit Schließen der Drosselklappe im Rohr regulieren, nicht über die Luftschieber. Drosselklappe vor dem Nachlegen ganz öffnen. Die Wärme über die aufgelegte Holzmenge regulieren. Schwelbrand unbedingt vermeiden. Wird es zu warm, lassen Sie das Feuer lieber ausgehen und nutzen Sie die Nachwärme.

Was tun, wenn der Ofen des Nachbarn stinkt?

Kohlenmonoxid ist eine tödliche Gefahr. Wenn das Feuer nicht genug belüftet ist, zieht es Sauerstoff aus der Atemluft, und die Verbrennung bleibt unvollständig. Statt Kohlendioxid entsteht Kohlenmonoxid. Der Nutzer bemerkt davon nichts. Je besser das Haus gedämmt und die Fenster abgedichtet sind, desto schlechter kann das Feuer sich Luft verschaffen. In manchen Fällen bringt der Schornsteinfeger nachträglich Undichtigkeiten an den Fenstern an.

Was tun, wenn der Komfortofen des Nachbarn stinkt? Wenn das Gespräch unter Nachbarn nicht hilft, dann eine formlose Beschwerde beim Landratsamt, Abteilung Umweltschutz und Schornsteinfegerwesen. Gegebenenfalls beauftragt die Behörde den Bezirksschornsteinfeger. Der Verursacher bekommt Auflagen oder gilt dann als „nochmals belehrt“. Wer’s nicht so hoch hängen möchte, kann direkt den Bezirksschornsteinfeger kontaktieren. Dieser kann, wenn er möchte, beim nächsten Termin beim Beklagten indirekt vorstellig werden und auf „weichem Weg“ Verbesserungen empfehlen. Handlungsrechte hat er ohne Auftrag der Behörde aber nicht. Grundsätzlich kann Information helfen. Denn: „Im Prinzip liegt jeder Beschwerde über Belästigungen meist nur eine Fehlbedienung durch den Betreiber zugrunde.“

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