Waiblingen Was wird aus dem Restaurant im Alten Rathaus?

Der Eingang zum Restaurant Altes Rathaus: Die Stadt will hier wieder regionale Küche ansiedeln. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen.
Seit mehr als zwei Jahren steht das einstmals beliebte Restaurant im Alten Rathaus leer. Die Treppen zum Lokal, in dem das elsässische Geschwisterpaar Bertrand und Marie-Laure Lentz 17 Jahre lang Baeckeoffe, Schneckenrahmsuppe und Miesmuscheln, aber auch schwäbische Spezialitäten servierte, sind durch ein Rollgitter versperrt. Ein Schild weist auf die Schließung hin und nennt 2020 als Jahr der Wiedereröffnung. Das wird sicher nicht reichen. Bis hier Rostbraten auf den Tisch kommt, müssen sich die Waiblinger noch länger gedulden. Nach einer durch die Remstal-Gartenschau bedingten Pause arbeitet die Stadt aber weiter am Ziel, wieder ein Restaurant mit regionaler Küche zu etablieren. Im Haushaltsplan ist eine Planungsrate von 80 000 Euro verankert, die fällige Sanierung wird ungleich teurer werden und einen siebenstelligen Betrag kosten. Die gute Nachricht: Es gibt geeignete, gastronomisch erfahrene Interessenten, wie Oberbürgermeister Andreas Hesky versichert.

Außen Schmuckstück, innen sanierungsbedürftig

Von außen gereicht das Alte Rathaus mit seiner Fachwerkfassade und den Arkaden zum Schmuckstück und Postkarten-Motiv, innen ist es stark sanierungsbedürftig. Die Küche ist unpraktisch und entspricht nicht mehr dem neuesten Stand. Klar ist auch, dass ein neuer, barrierefreier Eingangsbereich mit Aufzug geschaffen werden muss. Ein Zugang zu den Arkaden müsste her, um dort sinnvoll Außenbewirtschaftung zu ermöglichen. Die alten Pächter hatten dazu nur stark beschränkte Möglichkeiten. Insgesamt soll der Gastrobereich größer werden, die Wohnung im zweiten Stock, in welcher die Pächter wohnten, kann dafür integriert werden. Elektrotechnik, Sanitärtechnik und Lüftung bedürfen der Erneuerung. Auch der Brandschutz muss verbessert werden – alles unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes. Wie zum Beweis der Dringlichkeit einer Sanierung kam es vor einem Jahr zu einem Wasserschaden. „Regelrechte Wasserschwalle“ ergossen sich laut Feuerwehr-Abteilungskommandant Nick Bley auf den Marktplatz.

Bevor die Sanierung startet, gilt es in Verwaltung und Gemeinderat noch grundlegende Entscheidungen zu treffen. Etwa über das künftige Betreibermodell: Saniert die Stadt das Gebäude komplett durch, baut Küche und Restaurant ein und sucht dann einen neuen Pächter. Oder sie saniert „nur“ bis zum Standard eines veredelten Rohbaus und überlässt das Weitere einem Investor, der einen Koch mitbringt und die Innenausstattung ganz nach seinem Konzept verwirklicht? Die Pacht fiele in dem Fall, da die Stadt ja nur den veredelten Rohbau zur Verfügung stellt, geringer aus. Das wäre das Modell „Public Private Partnership“, das den Vorteil hätte, dass der Betreiber in einem Gebäude agieren könnte, dass seinen gastronomischen Vorstellungen entspricht. Ein Vertrauensverhältnis zwischen Stadt und Investor wäre hierfür Voraussetzung. Theoretisch geben die Fachwerkkulisse außen und der historische Ratssaal innen die perfekte Kulisse für Maultaschen, Linsen und handgeschabte Spätzle. Ein Verkauf des stadtbildprägenden, fast 300 Jahre alten historisch wertvollen Gebäudes an einen Investor kommt nach Meinung von Oberbürgermeister Andreas Hesky nicht in Betracht.

Gespräche mit Interessenten gab es bereits

Gespräche mit Interessenten gab es bereits, 2020 sollen sie intensiviert werden. Für das erste Halbjahr stellt der Rathauschef eine Entscheidung über die Richtung – mit Investor oder ohne – in Aussicht. Ein Beginn der Sanierungsarbeiten wäre dann 2021 möglich. Eine andere Richtungsentscheidung ist schon längst getroffen: Restaurant soll das Alte Rathaus bleiben. Andere Nutzungen – etwa ein Trauzimmer für das Standesamt – wurden nach dem Abschied der Elsässer kurzfristig andiskutiert, jedoch schnell wieder verworfen.

Viele Waiblinger beklagen den Mangel an schwäbisch-bodenständiger Gastronomie in der Stadt. Innerhalb weniger Jahre sind mit dem Staufer-Kastell und dem Hotel Koch zwei Institutionen dieses Genres weggebrochen. Das CBC an der Querspange hingegen setzt seit Herbst auf Schwäbisch. Einen Verlust stellt außerdem die Schließung der beliebten italienischen Trattoria „Bellini“ dar. Geschlossen hat nun auch die Tapasbar Teneria - allerdings nur für eine kreative Pause bis Ende März.

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