Waiblingen Was wird aus der Polizeidirektion Waiblingen?

Die PD Waiblingen, sagt Halder, sei ein „toller Apparat“, die Belegschaft glänze mit „ungeheurem Engagement“, und ein Einsatz- und Lagezentrum wie das beim Alten Postplatz „werden Sie im ganzen Großraum Stuttgart nicht oft haben“. Die Waiblinger Pluspunkte habe er in einem Brief an Kretschmann „noch mal beschrieben“.

Ludwigsburg hat Schmiedel – aber eine wichtige Spielerin im Reform-Monopoly hat auch Waiblingen: Sozialministerin Katrin Altpeter. Sie beginnt das Gespräch diplomatisch, staatstragend, mit regierungsamtlichem Blick fürs große Ganze: Egal, wer einen Präsidiumsstandort gewinne oder seinen Direktionsstatus verliere – „dass dann keine Polizei mehr da wäre, ist ja weit entfernt von der Realität“. Die Reviere, die Posten, all das bleibt. Präsenz am Flecken: Das sei den Leuten viel wichtiger als die Frage, wo der Führungsstab tagt.

So viel zum Grundsätzlichen. Und dann bricht es doch aus ihr heraus: „Im Zweifelsfall bin ich natürlich für Waiblingen, das ist doch klar.“ Sie stehe mit dem Innenministerium in „intensivem Gespräch“.

„Wir wehren uns vehement“ - Gisela Mayer zur Reform

Winnenden. Am Morgen des 11. März 2009 hat in Winnenden die Polizei durch ihr rasches Eingreifen Leben gerettet, „in der Nachbearbeitung“ hat sie sich als vorbildlich einfühlsam und verständig erwiesen, durch ihre gründliche Ermittlungsarbeit hat sie den Weg dafür bereitet, dass im Amokprozess die Opfer-Angehörigen ihre Sehnsucht nach Aufklärung gestillt sehen durften, weit über Baden-Württemberg hinaus wird seither die Waiblinger Expertise angefragt – und jetzt „soll eine Einrichtung, die beispielhaft gearbeitet hat, geschlossen werden“ wegen einer Reform? „Dagegen“, sagt Gisela Mayer vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden, „wehren wir uns vehement.“

Wie wichtig eine gute Polizeiarbeit ist, lehrt auch ein Vergleich zwischen Winnenden und Erfurt: Hier lief der Einsatz vorbildlich, dort herrschte Überforderung, gefolgt von Pannen-Enthüllungen, Dementis, Streit und Ungewissheit. Hier konnten die Opfer-Angehörigen irgendwann sagen: So war es, damit muss ich leben. Dort ringen manche Opfer-Angehörigen bis heute mit dem quälenden Gefühl, man habe ihnen nicht die ganze Wahrheit über den Verlauf des Einsatzes offenbart.

Anstatt die PD Waiblingen dichtzumachen, sollte man sie ausbauen, findet Gisela Mayer, zu einem Zentrum der Prävention, in dem all die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Amoklauf gebündelt und an andere weitergegeben werden können.

Die Polizeidirektion Waiblingen „ist nicht irgendeine. Sie steht für vorbildliche Arbeit“ in einer erschütternden Notsituation. Würde all das bei der Reform ignoriert, müsste das nicht nur die Bevölkerung im Rems-Murr-Kreis tief befremden – es wäre auch „demotivierend“ und ganz und gar kein Zeichen der „Wertschätzung“ für die Arbeit dieser Polizei.

Deshalb: Der starke Polizeistandort Waiblingen „muss einfach bleiben“.

Interessant: Wenn’s um die Polizeireform geht, klingt bei Halder, Pröfrock und auch Altpeter grün-schwarz-rote Einigkeit an – „ich halt’s nicht für sehr sinnvoll“, ausgerechnet Waiblingen und Ludwigsburg zusammenzubacken, sagt die Ministerin. Ludwigsburg sei „gut aufgestellt“, sagt Halder, Waiblingen sowieso – „was macht es da für einen Sinn“, ausgerechnet die beiden zu fusionieren? Und Pröfrock: Ludwigsburg und Waiblingen sind sich „von der Ausstattung, Aufstellung und Struktur her furchtbar ähnlich“ – jeweils ein städtisch geprägter Kern mit beschaulichem Hinterland. Da schlummern kaum Synergie-Effekte.

Besser, so Halder und Pröfrock unisono, wäre es, eine städtische und eine ländliche Direktion zusammenzuführen, zum Beispiel Waiblingen und Schwäbisch Hall (gut 300 Beschäftigte, 8000 Straftaten im Jahr) oder Aalen (gut 500 Beschäftigte, 11 000 Straftaten im Jahr). Der Juniorpartner würde von Ausstattung und Know-how des großen Bruders profitieren.

Wer mit wem? Da sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, beschwört Katrin Altpeter. „Man sollte ausloten, welche anderen Möglichkeiten es da gibt.“

Nächste Woche ist Showdown. Für die kommenden Tage gilt: Argumentiermuskel anspannen, das Einflussklavier behämmern, für Waiblingen kämpfen.

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