Waiblingen Amtsgericht: 15-Jährige missbraucht

Symbolbild. Foto: Habermann / ZVW

Waiblingen. Ein 40-jähriger Mann aus Baden muss sich vor dem Amtsgericht Waiblingen verantworten, weil er eine 15-Jährige aus dem Rems-Murr-Kreis sexuell missbraucht haben soll. Er hatte das geistig leicht behinderte Mädchen übers Internet kennengelernt.

Zu einem Urteil kommt es wohl am Freitag kommender Woche, denn nach viereinhalbstündiger Verhandlung einigten sich alle Beteiligten auf diesen Fortsetzungstermin. Wobei der Verteidiger – der Angeklagte selbst äußerte sich fast nur zur Person, nicht nur zur Sache – nicht in Zweifel zog, dass es am 21. April vorigen Jahres auf einem Parkplatz bei Rudersberg im Auto des Mannes zu sexuellen Handlungen kam. Bestritten wurde der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, der Angeklagte habe bewusst den Umstand ausgenutzt, dass die sexuelle Selbstbestimmtheit des Mädchens eingeschränkt war. Von einer geistigen Retardierung bei dem Mädchen, das auf einen Intelligenzquotienten von 65 getestet worden war, will er nichts bemerkt haben.

Über das Chatportal „Knuddels“ hatten sich der heute 40-Jährige und die heute 16-Jährige kennengelernt. Wobei zunächst offenbar der Zwillingsbruder des Angeklagten den Kontakt aufgenommen und sich dabei als 16-Jähriger ausgegeben hatte. Als das Mädchen anrief, meldete sich jedoch der Angeklagte. Nichtsdestotrotz entwickelte sich die Verbindung weiter, und in der Folge gab es 290 Kontakte in Form von Nachrichten und Telefonaten, die teilweise bis zu einer Stunde dauerten. Am besagten Tag im April 2015 kam’s dann zu einem Treffen, wobei der Angeklagte das Mädchen zum Oralverkehr aufforderte, was dieses auch gewährte.

Zweifelhafte Therapie des Missbrauchstäters

Die Verbindung flog auf, weil auf dem Handy der Minderjährigen ein Video entdeckt wurde, welches das Mädchen beim Masturbieren gefilmt und an mehrere Männer verschickt hatte. Nach Aussage des vor Gericht als Zeuge auftretenden Vernehmungspolizisten gab es in dieser Angelegenheit schon Verfahren gegen Männer aus anderen Bundesländern. Als der Badener im Mai zu einem weiteren Treffen anreiste, wurde er an Ort und Stelle von der Polizei in Empfang genommen.

Es war nicht das erste Mal, dass der 40-Jährige auffällig wurde. Neben Diebstahl und Fahrerflucht in einem nicht versicherten Auto wurde er bereits wegen Verbreitung kinderpornografischer Schriften und sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen verurteilt. Unter anderem hatte er eine 13-Jährige in einem Chat sexuell behelligt, obwohl diese ihn aufforderte, sich eine Ältere zu suchen. Außerdem hatte er kinderpornografische Bilder und Videos auf eine einschlägige Plattform hochgeladen und besaß selbst solches Material auf dem Computer. Die Richter verhängten damals eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und setzten sie zur Bewährung aus. Die Frist läuft noch bis Mai. Als Auflage bekam er, sich einer Therapie bezüglich seiner sexuellen Präferenzen zu unterziehen. Diese kam mit Verzögerungen und Unterbrechungen zustande und wurde vorzeitig einvernehmlich beendet, wobei die Bewährungshilfe die Kompetenz des behandelnden Arztes in Zweifel zog. Eine Therapie bei einer auf solche Fälle spezialisierten Forensischen Ambulanz scheiterte an einer Kostenübernahme von 170 Euro monatlich. Unverständlich aus Sicht des Waiblinger Amtsrichters Martin Luippold: „Ich hätte das sofort gewährt.“ Die Bewährungshilfe wirft dem Badener vor, seine Taten zu bagatellisieren.

Von Kindheit an gehbehindert, sei er viel gehänselt worden und habe ein starkes Opfergefühl, berichtet die Bewährungshilfe außerdem. Als Christ und Mitglied einer Pfingstgemeinde betrachte er Missbrauch Minderjähriger als „Todsünde“. Er wolle auf das Alter seiner Kontakte achten. In der Verhandlung formulierte er wiederum bagatellisierend, „wieder ins Fettnäpfchen getreten“ zu sein. Richter Luippold wies den Angeklagten darauf hin, dass sich ein Geständnis, das dem Mädchen die Vernehmung erspart hätte, klar strafmildernd auswirken würde. Die Verteidigung jedoch fuhr eine andere Linie: Die Verteidigung stellte Anträge zur Glaubwürdigkeit des Mädchens und zur damaligen Urteilskraft seines Mandanten, deren Erkenntniswert das Gericht jedoch bezweifelt oder für nicht relevant hält.

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