Waiblingen/Winnenden Keine Chance für Direktbus zum Klinikum

Seit Anfang 2018 haben rund 160 Fahrgäste das Angebot genutzt. Wie viele davon zur Klinik gefahren sind, wurde nach Angaben von Ortsvorsteherin Anja Wenninger allerdings nicht dokumentiert. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Waiblingen. Das Kreiskrankenhaus ist weg, die Notfallpraxis geschlossen und noch nicht einmal eine direkte Buslinie an die Klinik in Winnenden ist vorhanden: Ingo von Pollern ist sauer. In Sachen Direktbus zum Krankenhaus hat der soeben wiedergewählte Stadt- und Kreisrat beim Landrat Sigel wieder einen Vorstoß gemacht. Doch der Landrat winkt ab. Immerhin soll sich ab Herbst die Busanbindung verbessern.

Der Direktbus zum Klinikum ist immer wieder ein Thema im Gemeinderat. Besonders aber haben sich die Busverbindung SPD-Rätin Christel Unger und CDU-Rat Ingo von Pollern auf ihre Fahnen geschrieben. Im Kommunalwahlkampf sei er immer wieder darauf angesprochen worden, wie wichtig ein Bus von Waiblingen und seinen Ortschaften zur Klinik sei, schrieb von Pollern jüngst an den Landrat. „Wir haben das Kreiskrankenhaus verloren, es gibt keine Notfallpraxis und der von der Bürgerschaft gewünschte Klinikbus steht auch nicht vor der Türe“, erinnert er. Und weiter: „Wir haben nun das Jahr 2019 und keine klare Botschaft des Landkreises.“

Sigel verweist auf den 15-Minuten-Takt bei der S-Bahn

Letztere liegt nun vor, und zwar in einer klaren Abfuhr für den Direktbus. Angesichts der Zusatzkosten von mindestens 100 000 Euro pro Jahr werde die Linie nicht weiterverfolgt, schreibt Landrat Richard Sigel in seiner Antwort. Zudem seien Wünsche nach Direktverbindungen zum Klinikum Winnenden nicht nur aus dem Bereich Waiblingen gekommen, sondern auch aus vielen anderen Bereichen des Kreisgebietes.

„Bei allen Bestrebungen, gute und bürgernahe Lösungen zu finden, sollten wir daher mit Blick auf die Kreisfinanzen Parallelverkehre zum gut ausgebauten S-Bahn- und Regionalbahnnetz vermeiden“, schreibt Sigel und verweist auf den durchgehenden 15-Minuten-Takt bei der S-Bahn und den 30-Minuten-Takt im Regionalbahnverkehr, der ab 2021 gelten soll.

Der Bittenfelder Bürgerbus fährt dreimal in der Woche

Immerhin steht den Busnutzern eine Verbesserung in Aussicht: Ab Mitte Dezember dieses Jahres gibt es über die Linie 209 (Waiblingen – Korber Höhe – Korb – Kleinheppach – Endersbach) und die Linie 210 (Korb – Schwaikheim – Winnenden ZOB – Rems-Murr-Klinikum) ab Waiblingen mit einem Umstieg am Korber Seeplatz eine Busverbindung mit direktem Halt am Rems-Murr-Klinikum. Wochentags fährt der Bus dann neunmal hin und zurück, samstags und sonn-/feiertags jeweils sechsmal mit Umstieg am Korber Seeplatz. Die Umsteigezeit soll nicht länger als vier bis neun Minuten dauern.

Bequemer geht das in Bittenfeld. Zwar nicht täglich, aber an drei Tagen in der Woche steht mit dem kleinen Bürgerbus dort eine direkte Busverbindung zur Verfügung: „Egal, ob Sie jemand im Klinikum besuchen möchten, einen Arzttermin in Schwaikheim haben, in der Winnender Innenstadt bummeln oder Kaffee trinken gehen möchten“, wirbt Bittenfeld für das Angebot. Der Bürgerbus fährt dienstags und donnerstags mit Anmeldung und mittwochs ohne Anmeldung. Start ist um 11 Uhr, 13 Uhr und 14:30 Uhr ab dem Alten Rathaus zum Winnender Klinikum.

Zurück geht es um 11.45 Uhr, 13.45 Uhr und 15.15 Uhr nach Bittenfeld. Der Bürgerbus, der von Ehrenamtlichen gesteuert wird, geht auf eine Idee der Bürgerliste Bittenfeld zurück. Ein Fahrzeug war bereits vorhanden, weil das Haus Elim gegen eine Kilometerentschädigung seinen Tagespflege-Bus zur Verfügung stellte. Mit diesem Bus werden ansonsten Patienten morgens zur Tagespflege abgeholt und abends nach Hause gebracht, dazwischen steht das Fahrzeug zur Verfügung. Wer mitfahren will, zahlt zwei Euro für eine Fahrt.


OB Hesky: "Man muss realistisch sein"

Für Ingo von Pollern ist die Busverbindung mit Umstieg in Korb noch nicht die erstrebte Klinikanbindung. „Aber vielleicht kann dies als Einstieg in eine Klinikbusverbindung angesehen werden“, meint Pollern. Das hänge natürlich auch davon ab, wie die neue Verbindung über Korb angenommen wird. „Wir werden an der für Waiblingen wichtigen Angelegenheit, die wir auch ins Kommunalwahlprogramm aufgenommen haben, weiter arbeiten und dranbleiben“, kündigt er an.

„Wir würden natürlich einen Direktbus begrüßen“, sagt auch Oberbürgermeister Andreas Hesky. Gleichwohl hat er Verständnis für das Dilemma des Landrats. „Eine Linie für Waiblingen würde auch zu Begehrlichkeiten in anderen Städten führen.“

Die Lösung mit den kurzen Umsteigezeiten am Korber Seeplatz findet er gut, die Situation vertretbar. Immerhin habe es zu Zeiten des Waiblinger Kreiskrankenhauses auch keine Linie von Winnenden zum Krankenhaus gegeben, erinnert er. „Man muss realistisch sein. Ich bin froh, dass es aus dem Landratsamt jetzt ein klares Statement gibt.“

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