Waiblingen Wohnbaugebiete: Wo gibt es noch Platz?

Ortssschild Waiblingen Foto: ZVW/Joachim Mogck

Waiblingen.
In rasender Geschwindigkeit ist Berg-Bürg in Bittenfeld zu einem fast fertigen Wohngebiet geworden, auf dem Krankenhaus-Areal werden die ersten Häuser gebaut. Trotzdem: Der Wohnungsmarkt bleibt angespannt. Also sucht die Stadt nach den letzten Flächen – im Ballungsraum um Stuttgart eine schwierige Aufgabe. In einem bald schon vier Jahre währenden Verfahren wurden mögliche Baugebiete auf ihre Eignung geprüft. Nun liegt das Ergebnis vor. Kurz zusammengefasst lautet es so: In der Kernstadt geht fast nichts mehr, in den Ortschaften schon eher.

In der ersten Stufe der Untersuchungen wurden etwa die Faktoren Umwelt, Baurecht und Eigentumsverhältnisse abgeklopft. In der zweiten Stufe ging es um praktische Dinge wie die Entfernung zu Kitas und Schulen oder den Aufwand für die Erschließung mit Wasser und Strom. Alle Flächen wurden einer der drei Kategorien zugeordnet: „gute“, „mittlere“ und „schlechte Eignung“. Danach wurden Prioritäten für die anstehenden Verhandlungen mit den Eigentümern der Flächen gesetzt. Die Verwaltung wird zunächst über Areale mit Priorität eins verhandeln. Scheitert das, sind als „Plan B“ Verhandlungen über Flächen mit Priorität zwei denkbar.

Bittenfeld: Der Bereich Kappelhalden steht im Flächennutzungsplan der Region schon als Wohnbaufläche, sie wird als „gut geeignet“ eingestuft. Potenzial für weitere Flächen ist am Ort vorhanden. Allerdings gesteht der Flächennutzungsplan der Ortschaft nur „Eigenentwicklung“ zu. Alles Weitere kann aus Sicht der Stadt nur Grundlage für eine langfristige Entwicklung sein – nichts im Kampf gegen die aktuelle Wohnungsnot.

Hohenacker: Drei Flächen stehen theoretisch zur Verfügung. Die Rechbergstraße bekommt die Priorität eins, hier befindet sich die Stadt schon in aussichtsreichen Verhandlungen mit der katholischen Kirchengemeinde. Die Heckenrosenstraße hat Priorität zwei, die Beetlesäcker wären ebenfalls geeignet.

Hegnach: Im Gebiet Langäcker/Hartweinbergstraße sieht die Stadt die Möglichkeit zur kurzfristigen Entwicklung (Priorität eins). Anders als etwa an der Hainbuchenstraße, die ausscheidet, weil die Eigentümer nicht verkaufen wollen.

Neustadt: Zwischen dem Sörenbergweg und der Bühlstraße könnte sich einiges tun. Priorität eins hat eine Teilfläche neben den Gewächshäusern, wo die Stadt teilweise schon Grundstücke gekauft hat. Die Wiesen daneben, am Fuß des Sörenbergs, haben Priorität zwei. Gut geeignet scheinen auch die Schneiderbäumlesäcker südlich der Bangertstraße und des „Liedvögele“.

Waiblingen-Kernstadt: Nur zwei kleine Areale haben das Prädikat „gute Eignung“. Das sind eine Minifläche an der Schorndorfer Straße und der Staufer-Parkplatz. Früher kontrovers diskutierte Flächen wie etwa am Galgenberg werden wegen der „zu erwartenden höheren Planungshindernisse“ nicht weiterverfolgt. In den vergangenen Jahren fand Wohnbau stets in Form klassischer Nachverdichtung statt.

Beinstein: Nach den Remstal-Quellen richtet sich das Augenmerk wieder auf die höher gelegenen Teile. Priorität eins haben die Stahläcker, Priorität zwei der Hausweinberg. Letzteres überrascht, zumal er nach der ersten Untersuchungsstufe aus den weiteren Betrachtungen herausgenommen wurde. Untersucht wurde aber nochmals eine bloß „straßenbegleitende Bebauung“. Die Stadtplaner stellten fest, dass sie aus Sicht des Artenschutzes durchaus vertretbar wären. Bei den restlichen, nördlichen Flächen handele es sich „weiterhin um ökologisch wertvolle Bereiche“.

Die Wohnungsnot könne nur durch Neubau gelindert werden

Die Prioritäten segnete die Mehrheit des Gemeinderats ab. Alfonso Fazio, Chef der „Agtif“-Fraktion im Gemeinderat, forderte aber eine Grundsatzdiskussion darüber, wie groß Waiblingen noch werden will. Insbesondere die Pläne für den Beinsteiner Hausweinberg erregten seinen Unmut.

Anders CDU-Chef Peter Abele: „Weitere Verzögerungen halten wir für nicht vertretbar.“ Über Details könne man immer noch diskutieren. Ins gleiche Horn stieß Roland Wied von der SPD: „Wir brauchen Baugebiete und sollten jetzt Verhandlungen führen.“ OB Andreas Hesky sagte, die Wohnungsnot könne nur durch Neubau gelindert werden. Er betonte aber auch: Kein Baugebiet sei jetzt schon beschlossen.

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