Waiblingen Wohnungsbesichtigungen weiter möglich

Symbolbild. Foto: Pexels

Waiblingen. In der Coronavirus-Krise gilt: Wir bleiben zu Hause und verlassen unsere Wohnungen nur dann, wenn es notwendig ist. Vermieden werden dabei auch Besuche und jegliche Menschenansammlungen. Wie aber gehen die Menschen mit dieser Situation um, die derzeit eine Immobilie verkaufen oder kaufen wollen? Haben sie noch die Chance, das Objekt zu besichtigen? Warten verkaufswillige Eigentümer vergeblich auf Interessenten?

„Wir richten uns nach den Wünschen unserer Kunden. Wenn ein Eigentümer derzeit aus verständlichen Gründen aktuell keine Besichtigungen seiner Immobilie durch Suchkunden wünscht, führen wir eine Warteliste“, sagt Wolfgang Langer, Geschäftsführer des Waiblinger Maklerbüros Engel & Völkers.

Um auf der Warteliste auf einem möglichst prominenten Platz zu landen, würden „die wirklich interessierten Kunden vorab einen Finanznachweis zur Bestätigung ihrer Kaufkraft einreichen“, sagt Langer. Und zwar mit folgendem Ziel: „Damit, wenn die Tore wieder aufgehen, sie als Allererste das Objekt besichtigen können.“ Doch über das Vorgehen entscheide im Endeffekt der Eigentümer. Es hängt also auch davon ab, wie dringend der Eigentümer verkaufen will.

Auch bei der Waiblinger Kreissparkasse finden Besichtigungen nur dann statt, wenn beide Seiten damit einverstanden sind. „Wir vertreten zum einen den Käufer und zum anderen den Verkäufer“, sagt Herbert Zäpf, Abteilungsdirektor für Immobilien. Dabei müssen die Vorsichtsmaßnahmen gegen die Verbreitung des neuartigen Coronavirus natürlich beachtet werden. Das heißt: kein Handschlag, kein Körperkontakt. In der Immobilie selbst soll möglichst nichts angefasst werden. Auch der Mindestabstand muss eingehalten werden, sagt Zäpf.

Daneben gehöre es zu den Aufgaben des Immobilienmaklers, vorher genau zu klären, wer an einem solchen Rundgang durch das Haus oder die Wohnung teilnehmen darf. So soll beispielsweise nur ein Vertreter der Verkäuferseite dabei sein und auf Käuferseite maximal zwei Leute – beispielsweise, wenn es sich um ein Paar handelt. Aber auf keinen Fall die Großeltern oder die Kinder mitbringen, sagt Zäpf.

Auch in leerstehenden Objekten müssten alle Regelungen eingehalten werden, so Wolfgang Langer. Sammeltermine, an denen mehrere Interessenten teilnehmen, gibt es nicht.

Obwohl eine Besichtigung vor einem Immobilienkauf kaum wegzudenken ist, habe Langer neulich diese Anfrage erreicht: Der Interessent wollte kaufen, ohne die Immobilie zuvor gesehen zu haben. „Davon kann auch in der aktuellen Situation nur ausdrücklich abgeraten werden“, sagt er. Ein solcher Kauf berge unkalkulierbare Risiken, auch für den Verkäufer – hinsichtlich der Haftungsfragen.

Doch die Arbeit besteht derzeit nicht hauptsächlich in Besichtigungen, sondern darin, Anfragen und Aufträge abzuarbeiten. Negative Auswirkungen auf sein Geschäft hat er bislang nicht festgestellt. „Wir haben in den letzten Tagen neue Vermarktungsaufträge von Eigentümern erhalten und verzeichnen aktuell auch weiterhin eine lebhafte Nachfrage von kaufinteressierten Suchkunden“, sagt Langer. Dabei kommunizieren die Makler mit ihren Kunden per E-Mail, telefonisch oder via Internet-Chat und senden ihnen Exposés und weitere zusätzliche Informationen. „Gegebenenfalls auch außerhalb der üblichen Arbeitszeiten vom Home-Office aus“, sagt Langer.

Auch die Kreissparkasse verzeichnet weiterhin Anfragen. „Auf der Käuferseite ist immer noch Interesse. Der Wunsch, eine Immobilie zu erwerben, ist bei vielen da“, sagt Immobiliendirektor Zäpf. Aber andererseits gebe es auch welche, die sich aufgrund der unsicheren Lage erst mal nicht mehr damit beschäftigen wollen. „Viele sagen: Klar, das geht vorüber“, meint Zäpf.

Und was sagen die beiden Immobilienexperten zu der Annahme, dass die Preise für Wohnungen oder Häuser aufgrund der Pandemie sinken könnten? „Einen Preisrückgang haben wir bis jetzt nicht festgestellt, jeden Tag haben wir Notartermine“, sagt Herbert Zäpf. Dennoch versuchten Käufer zu feilschen. „Der eine oder andere hat es zum Anlass genommen, zu fragen, ob man an dem Preis noch etwas machen kann.“ Doch ohne Erfolg, betont Zäpf.

Auch Wolfgang Langer wird mit ähnlichen Fragen konfrontiert. Er sagt: „Es ist zu früh, hier schon eine Prognose abzugeben. Die Preise werden reagieren, wenn die langfristigen Folgen der Corona-Krise sichtbar werden.“

Besonders die Entwicklung in der Automobilbranche spielt seiner Meinung nach eine große Rolle. „Sollte sich die Konjunktur in der Automobilindustrie und bei den Zulieferbetrieben nachhaltig eintrüben, wird sich das logischerweise gerade im Raum Stuttgart überdurchschnittlich stark auswirken. Weniger neue Jobs oder gar der Abbau bestehender Arbeitsplätze bedeutet weniger Nachfrage.“

Einfach nur den Schlüssel einwerfen?

Von der Corona-Pandemie sind mancherorts auch die Übergaben von Mietwohnungen beim Auszug betroffen. In der Regel treffen sich der Eigentümer oder ein Vertreter der Hausverwaltung mit dem Mieter. Sie begutachten gemeinsam den Zustand der jeweiligen Wohnung, dann übergibt der Mieter dem Vermieter die Schlüssel. Ein Leser unserer Zeitung ist davon betroffen: Er muss Ende März die Wohnung seiner Mutter an die Hausverwaltung übergeben. Allerdings teilte diese ihm mit, dass keine offizielle Wohnungsübergabe stattfinden werde. Den Schlüssel solle er einfach in den Briefkasten des Verwaltungsbüros werfen. Der Verantwortliche werde später alleine durch die Wohnung gehen und sie auf Schäden prüfen. Der Leser findet: „Dadurch entsteht ein Rechtsnachteil.“


Wichtige Hinweise und die aktuellsten Entwicklungen zur Corona-Krise finden Sie auf zvw.de/corona und auf unserer Themenseite zvw.de/thema/coronavirus

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