Waiblingen Zirkushunde in der Manege

Waiblingen. Die Hunde von Willi Lauenburger sind wahre Tausendsassas. Die quirligen Artisten springen in der Manege des 10. Waiblinger Weihnachtscircus durch Reifen, machen Hindernisläufe und tanzen mit ihrem Herrchen die Ränge entlang. Bei ihrem Training ist für Lauenburger das Wichtigste, dass es seinen Hunden Spaß macht: Spielerisch und angstfrei muss es sein.

Video: Training der Zirkushunde im Waiblinger Weihnachtszirkus.

Sie springen durch Ringe, über Hürden und Ziegen. Sie tänzeln seitwärts oder gehen auf zwei Beinen. Sie schlüpfen zwischen Beinen hindurch und jagen den Manegenrand entlang: Willi Lauenburgers Artistenhunde.

Gemeinsam mit Tierkollegen vom Schaf bis zur Kuh sind die Hunde Teil der Dressurnummer „Bauernhoftiere“, die Willi Lauenburger noch bis Sonntag, 8. Januar, beim 10. Waiblinger Weihnachtscircus an der Rundsporthalle aufführt.

Geübt wird dafür jeden Tag – allerdings in kleinen Einheiten, zum Teil ganz nebenbei beim Spaziergang. Es darf die Hunde weder langweilen noch überanstrengen, erklärt Lauenburger bei einem Trainingsbesuch auf dem Festgelände. „Das sind immer Spielereien. Das gehört dazu.“ Wenn die Hunde mit Spaß und Vertrauen bei der Sache sind, geht die Dressur fast von selbst.

Vierzehn Hunde zwischen ein und neun Jahren

Das Zutrauen ist sichtlich vorhanden: Wenn Lauenburger bei seinen Hunden ist, fällt sofort auf, wie begeistert sie auf ihn reagieren. Insgesamt 14 Hunde toben um ihn herum, springen schwanzwedelnd an ihm hoch, machen Männchen oder betteln um Leckerli. Die beiden Jüngsten, je ein Jahr alt, sind noch merklich aufgedreht. Die Profihunde zwischen eineinhalb und neun Jahren stehen ihnen darin aber kaum nach – sie sind ebenso quirlig.

Zehn der Hunde machen bei der Dressurnummer mit, neun Profis mit schwierigeren Tricks, dazu ein Junghund mit leichten Einsteigerübungen. So soll sich der Nachwuchs an die Vorstellungsatmosphäre gewöhnen.

Grundübung Nummer eins: Hinter der Manege auf einem Podest warten, bis Lauenburger seinen vierbeinigen Artisten das Zeichen zum Sprint in die Manege gibt.

Grundübung Nummer zwei: Brav auf die zehn Postamente springen und auf den eigenen Einsatz warten, während die anderen ihre Kunststücke üben. So ganz klappt das nicht, die Neugierde treibt doch den einen oder anderen vor seiner Zeit ins Zirkusrund. Dann schickt Lauenburger den Ausbrecher mit einem Fingerzeig geduldig, aber bestimmt auf seinen Platz zurück.

Das Training für die Hunde richtet sich nach Alter und Talent

Was zusätzlich trainiert und aufgeführt wird, richtet sich nach Alter und Talent. Alle Hunde müssen zwar Grundregeln lernen: Kommandos wie Sitz und Platz, oder nach der Vorführung im Gehege zu bleiben, selbst wenn das Tor offen steht. Bei allem, was darüber hinausgeht, kommt es darauf an, wer was kann.

Auf den Hinterbeinen zu laufen beispielsweise dürfen Lauenburgers Schützlinge erst lernen, wenn sie mindestens zweieinhalb Jahre alt sind. Vorher ist der Knochenbau noch nicht stabil genug. Wenn sie alt genug sind, hält er sie vorsichtig fest, wenn sie an ihm hochspringen. So geht er zwei, drei Schritte mit ihnen und lässt sie wieder ab. Sobald sie zweibeinig laufen können, bringt er ihnen bei, eine Strecke zu hüpfen oder ein Hindernis zu überspringen.

Je nachdem, ob ein Hund eine schnelle Auffassungsgabe besitzt oder ob er bereits ähnliche Kunststücke beherrscht, lernt er Tricks schnell oder langsam. Geübt werden muss in jedem Fall: „Bis die perfekt sind, das dauert ein Jahr“, sagt Lauenburger.

Eine Prise Talent gehört natürlich dazu. Der eine Hund kann gut Reifen anpeilen und gezielt hindurchspringen, der andere hat einen kräftigen Sprung, der nächste kann sich rasend schnell um die eigene Achse drehen, und manch einer begnügt sich damit, die Hürde für die anderen zu spielen.

Aber immer gilt: Die Hunde müssen Spaß an den Nummern und Vertrauen zu ihrem Umfeld haben, die Kunststücke als Spiel und die Manege als ihren Spielplatz empfinden. Denn wenn ein Hund Angst hat, weiß Lauenburger, ob vor dem Publikum oder einem Hindernis, dann wird sein Trick nicht klappen. Also spielt er mit den Hunden – im Welpenalter, in der Manege, bis sie bei ihm ihr Gnadenbrot bekommen.

Lauenburger ist mit Zirkusbetrieb und Tieren aufgewachsen

„Dressieren ist einfach – wenn man’s kann“, sagt Lauenburger, halb im Ernst, halb neckisch. Er selbst trainiert seit 25 Jahren Hunde, seit einigen Jahren auch Bauernhoftiere – Ziegen, Schafe, Kühe, Gänse. Die Nähe zu Zirkus und Tieren wurde Lauenburger in die Wiege gelegt: In der siebten Generation sind er und seine Geschwister im Zirkusgewerbe tätig. Wie er berichtet, ist er mit Tieren wie Hunden und Pferden aufgewachsen. Wenn er nicht gerade im Weihnachtscircus auftritt, arbeitet er in einem Zirkusbetrieb, der mit der größten Kamelherde Deutschlands und einem Bestand von etwa hundert Tieren vom Zebra bis zum Hängebauchschwein wirbt. Die daraus erwachsene Begeisterung für Tiere gibt er bereits an seinen zweijährigen Sohn weiter: mit Spielzeugpferden, Mini-Bauernhof und natürlich seinen Hunden.

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