Waiblinger Martinimarkt Volle Gassen in der Innenstadt

Waiblingen. Die Straße ist voller Menschen, die Wurst ist heiß und die Geschäfte durchlaufen ihre erste Generalprobe fürs Weihnachtsgeschäft: Der Martinimarkt war mal wieder ein Magnet für Buden-Bummler und Sonntags-Shopper.

Familie Kohnle aus Urbach bewegt sich durchs Gewühle. Im Wagen die neun Monate alte Tochter, auf Papas Schultern der dreijährige Sohn. „Wir haben Gummibärle und Luftballons, was wollen wir mehr“, sagt Monique Kohnle. Ein Schieben und Geschobenwerden. Die Menschen sind zum Bummeln da und genießen es, vom Pappteller, aus der Papiertüte oder von der Serviette im Stehen und Gehen zu essen. Einige nehmen Platz an Tischen im Freien. Mit der Nase orientiert man sich am besten und weiß, an welcher Stelle man aus der Menschenmenge auszuscheren hat: Die süße Geruchswolke weist den Weg zu gebrannten Mandeln und das Räucheraroma kündigt die Wurst vom Grill an.

Bei Katrin und Frank Hahn duftet es nach Leder. „Wir kaufen die Taschen aus Naturleder alle selbst ein, dadurch können wir gezielt auswählen, was uns gefällt“, sagt sie. Zwei Frauen nehmen verschiedene Taschen und einen Geldbeutel in die Hand, befühlen und betasten genau. Dann der Blick aufs Preisschild: „Da kannst du nichts sagen, das ist ja auch Büffelleder“, meinen sie. Die Verkäufer kommen aus dem Beraten kaum heraus. „Ich mag die Kommunikation und schaffe gern an der frischen Luft“, sagt Katrin Hahn. Einer Frau aus Rudersberg gibt sie eine Kunstledertasche zum Befühlen. „Ich habe im vergangenen Jahr hier eine Tasche gekauft, nun ist die nächste dran, Taschen kann ich nie genug haben.“ Über Märkte laufen sei immer wieder schön, den Martinimarkt picke sie sich jedes Jahr heraus. „Weil ich gern gucke und der Markt immer schöne Sachen hat.“

Weihnachtliche Vorboten zeigen sich an den Ständen

„Der Martinimarkt hat nach über 40 Jahren unverändert seine Relevanz und zieht die Massen an“, sagt Marc Funk, der Wirtschaftsförderer der Stadt. Damit sei der Markt „eine Messe und ein Schaufenster für den Einzelhandel“, so Funk. Die Stände und Geschäfte verzeichnen Besucher aus der Region und dem Umland, weiß er von Standbetreibern. Sieben Wochen vor Weihnachten ist der Martinimarkt traditionell das erste Glöcklein, das für den Weihnachtseinkauf bimmelt. So begegnen einem Weihnachtsmänner und Nikolausstiefel aus Bienenwachs ebenso wie weihnachtliche Gewürze, Teemischungen und – ein Klassiker unter den Geschenken – Socken. Am Stand mit den Bambus- und Wollsocken bildet sich eine Schlange. „In den 20 Jahren, seit wir dabei sind, haben wir viele Stammkunden bekommen“, sagt der Verkäufer. 100 Marktstände bieten Kunsthandwerk, Kulinarisches und Krimskrams der nützlichen Art für den gesamten Haushalt: Glühbirnen, Schuhbürste, Pulswärmer und Besen, Gute-Laune-Dip und Gute-Laune-Socken. Teilweise haben die Standbetreiber Dinge an Bord, zu denen einem Jugendlichen beim Vorbeilaufen der Vergleich mit „voll Achtzigerjahre“ einfällt.

„Damit schneidest du auch noch mit drei Promille“

Der Krämermarkt ist beliebt wie eh und je, mitsamt Leierkastenmann und Luftballonkünstler. Ein Marktschreier darf nicht fehlen. „Da, schau her, das schneidest du mit drei Promille noch“, demonstriert er in breitestem Schwäbisch beim Kleinmachen eines Weißkrautkopfs die doppelte Klinge des Gemüsehobels. „Der schneidet, schält und tut alles, wofür sich sonst die Frauen die Fingerle verbiegen.“ Seine Verkaufsargumente haben beinahe kabarettistischen Schliff wie die Klingen, die er über die grüne Gurke und Zucchini „sauen“ lässt: Weder Mundwerk noch Werkzeug stehen still, als er mit der „Julia“, wie er schwäbisch zur Schneideart Julienne sagt, feine Karottenstifte von der Klinge spritzen lässt. Nachdem ein Rettich „durchgesaut“ ist, hält er hauchdünne Scheiben in die Menschentraube. „Durch die kannst du deine Zeitung noch gut lesen“. Vor seinem Stand bildet sich eine Menschentraube, auch in die Geschäfte zieht es die Besucher.

Stellenweise geht es nur in kleinen Schritten vorwärts. Das bietet Zeit, die Schilder und Tafeln an den Ständen zu lesen, die Glühbirnen, Eselsalami und Magnetschmuck anpreisen, Trockenfrüchte und Trockenblumen. Feste gearbeitet haben Ilona und Thomas Voigt, bis sie ihre Silberdisteln, gelben und roten Strohblumen und Strandflieder gebunden hatten. „Wir bauen alle Blumen selbst an und trocknen sie im dunklen Gewächshaus“, erzählen sie. „Dieses Jahr standen sie vier Monate lang in der Hitze, wir mussten nicht gießen, und sie sind nicht frühzeitig vertrocknet.“ Vor 20 Jahren hätten sie ausschließlich mit den haltbaren Blumen gehandelt, irgendwann sei die Nachfrage nach getrockneten Gebinden rückläufig gewesen. In der Zeit haben sie die Reisig-Gestecke für den Totensonntag dazugenommen. „In den letzten Jahren ziehen die Blumen wieder an, wir haben hier schon unsere Stammkundschaft“, sagt die Gärtnerin.

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