Rems-Murr-Kreis Unser Wald verdurstet

Forstamtsleiter Martin Röhrs vor „Schadholz“. Sind die Bäume durch die Trockenheit oder Borkenkäfer zu sehr geschädigt, müssen sie gefällt werden. Röhrs fürchtet, dass in Zukunft noch viel mehr Bäume absterben werden. Foto: Edgar Layher

Waiblingen/Backnang. Es gibt so viel „Schadholz“ wie noch nie. „Schadholz“, das sind die Bäume, die gefällt werden müssen, weil sie nicht überleben würden. Oft ist auch das Holz zu nichts mehr zu gebrauchen. Vor allem die großen, alten Bäume sterben zurzeit den Tod durch Verdursten. Forstamtsleiter Martin Röhrs hofft auf weiteren Regen. Der aber würde die Probleme nur „reduzieren“. Gerettet ist der Wald noch lange nicht.

Es sterben vor allem die großen, alten, die wunderschönen Bäume. Jene Bäume, die womöglich schon mehrere Hundert Jahre alt sind, die durch ihre tief ins Erdreich wachsenden Wurzeln in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten im großen Vorteil waren. Denn sie konnten in früheren Trockenperioden die tief gelegenen Wasservorräte für sich erschließen, an die die jüngeren Bäume noch nicht heranreichten. Besonders die Buchen sind betroffen, jene saftig grünen Riesen, die unseren Wald so herrlich machen, wie er ist.

Wenn es weiterhin „so schön regnerisch“ bleibe, sagt Forstamtsleiter Martin Röhrs, dann sei er „hoffnungsvoll“ – nicht dass die Bäume gerettet sind. „Der Wald ist nicht gerettet!“ Er hofft, dass sich das Problem dann „reduziere“. Doch für die nächsten zwei Wochen ist erst mal wieder hauptsächlich Sonne vorhergesagt.

Doch selbst wenn es kräftig schütten würde – das wären nur Tropfen auf die trockene Erde. Das Problem liegt viel tiefer. „Nach meiner Einschätzung ist der Bodenwasserhaushalt in unseren Wäldern seit 2003 gestört“, sagt Röhrs. Verschiedene Kommunen bestätigen ihm das: Deren im Wald gelegene Trinkwasserquellen bringen immer weniger hervor.

Bäume können nicht mehr auf Wasservorräte zurückgreifen

Der Grundwasserspiegel sinkt also, und damit können die Bäume in Trockenperioden auf keinen Vorrat mehr zurückgreifen. Wenn dann wie im letzten Jahr über vier Monate lang kein Regen fällt, gleichzeitig aber wegen hoher Temperaturen die Bäume über Blätter und Nadeln viel Wasser verdunsten, sieht’s schlecht aus. Ganz schlecht. Das letzte Wasser aus der Tiefe werde abgesaugt. Im Erdreich herrscht Wassermangel.

Im August – und der Monat ist noch nicht abgelaufen – haben Röhrs und sein Team bereits 55 667 Festmeter Schadholz fürs laufende Jahr 2019 verbucht. Das ist bereits mehr, als sie Ende Dezember 2018 aufgelistet haben: 52 280 Festmeter. Im Jahr 2017 fielen im Vergleich dazu nur insgesamt 20 840 Festmeter an. Das heißt: Erst jetzt kommt richtig raus, was in den vergangenen Jahren schon schiefgegangen ist. Die vergangenen Dürreperioden konnten „weder durch die Winterniederschläge“ noch durch den Regen „in der laufenden Vegetationsperiode ausgeglichen werden“.

Borkenkäfer fressen sich durch das Holz

Doch nicht nur die Buche leidet – auch Fichte, Tanne und Lärche sind in tödlicher Gefahr. Der Borkenkäfer frisst sich durch das Holz der durch die Trockenheit geschwächten Bäume. Die können nicht mit Harzfluss reagieren, weil ihnen das Wasser dafür fehlt. Röhrs Team muss regelmäßig kontrollieren und die kranken Bäume fällen.

Noch, sagt Martin Röhrs, kann er das Holz verkaufen. Noch ist der Markt nicht übersättigt. Doch Röhrs geht davon aus, dass sich der Wettertrend fortsetzt: Hohe Temperaturen gekoppelt mit nicht ausreichendem Niederschlag – die Bäume werden auch in Zukunft leiden.


Festmeter?

  • Der Festmeter ist die Einheit, in der die Holzmenge gemessen wird 
  • Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter fester Holzmasse
  • Das heißt: Sind Baumstämme aufeinandergeschichtet, ist ein Festmeter natürlich mehr als der gemessene Kubikmeter, da zwischen den Stämmen noch Raum ist
  • Für eine präzise Messung muss also jeder Stamm genau vermessen werden
  • Misst man den Holzstapel aus, spricht man von Raummeter
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