Walkersbach Theater ums Bürgerhaus

Das Walkersbacher Bürgerhaus steht im Zentrum eines schon länger schwelenden Streits, der zuletzt mehrfach eskaliert ist. Foto: Habermann / ZVW / Archiv

Plüderhausen. Seit ein paar Jahren hat sich in Walkersbach rund ums Bürgerhaus ein Konflikt hochgeschaukelt, der zunehmend eskaliert ist. Es geht um den Lärm, den unter anderem die Besucher des Walkersbacher Bauerntheaters verursachen. Angeheizt wurde die Geschichte frisch durch das neueste Stück des Theaters, in dem sich der Anwohner selbst als Figur dargestellt wiederfand.

Jan-Michael Kübelböck heißt die Figur im Stück des Walkersbacher Bauerntheaters. Er kommt als Urlauber, hat es aber auf einen Bauplatz im Ort abgesehen. Dabei macht er sich keine Freunde, weil er versucht, gegen die Trinkgewohnheiten der Eingeborenen vorzugehen, die diese in der örtlichen Kneipe zu seinem Missfallen ausleben. Am Ende verhindert der Fund einer seltenen Minze-Art das Bauprojekt. Titel des Stücks: „Gega alles isch a Kraut gwachsa“. Eine unterhaltsame, harmlose Komödie, so scheint es – die leider einen weniger amüsanten Rahmen hat. Denn in Walkersbach liegt rund um das Bürgerhaus, dem Aufführungsort des Theaterstücks, einiges im Argen. Es schwelt seit Jahren ein Konflikt zwischen einem Anwohner und verschiedenen Nutzergruppen des Bürgerhauses. Ein Konflikt, der sich an der Figur des Jan-Michael Kübelböck neu entzündet hat.

Anwohner klagte vor Gericht

Denn: Besagter Anwohner erkannte sich selbst in dieser Figur wieder – und war darüber wenig erfreut. Er versuchte vor Gericht, eine einstweilige Verfügung durchzusetzen, um die Aufführung zu stoppen. Zuerst das Amtsgericht, dann im Dezember 2017 das Landgericht Stuttgart in der Berufung entschieden jedoch: Die Darstellung ist durch die Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt, die mögliche Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts wiegt nicht so schwer, um sie auszuhebeln.

Schuppert: Es geht nicht speziell um eine reale Person

Geschrieben hat das Stück Nick Schuppert, der Vorsitzende des Walkersbacher Bauerntheaters. Er greife immer lokale Begebenheiten auf, sagt er. In „Gega alles isch a Kraut gwachsa“ sei es ihm darum gegangen, das Spannungsverhältnis darzustellen, das entstehe, „wenn fremde Leute in eine gewachsene Dorfgemeinschaft ziehen“. Es gehe um die Problematik allgemein und nicht speziell um eine reale Person, auch wenn man natürlich manches mit dieser Person aus der Nachbarschaft in Verbindung bringen könne.

Diese reale Person, der Bürgerhaus-Nachbar, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, äußert sich auf Anfrage: Es gehe ihm weniger um seine Person als um „die aufgeheizte Stimmung während den Pausen und nach dem Bauerntheater“. Er habe „durch lautstarke Unterhaltungen“ mitbekommen, „dass bei so einigen Veranstaltungen kräftig über uns abgelästert wurde“.

„Schlagende Autotüren und Motorengeräusche“

Der Inhalt des Stücks war jedoch nur das Eine, die Auswirkungen des Besucherverkehrs das Andere. Der Bürgerhaus-Nachbar spricht von Ruhestörungen, die bis weit nach 24 Uhr gedauert hätten, mit zuschlagenden Autotüren und aufheulenden Motoren. Veranstaltungsbesucher würden ihm in den Garten urinieren. Er habe sich bemüht, mit den Verantwortlichen zu reden, bevor er sich an die Behörden wandte.

Das Amt für Umweltschutz des Landkreises entschied schließlich, eine Lärmmessung durchzuführen. Am 4. November 2017, nach der Aufführung des Bauerntheaters, wurde eine Stunde lang der Geräuschpegel gemessen. Dabei, so teilt das Landratsamt auf Anfrage unserer Zeitung mit, sei festgestellt worden, dass der für die Nachtstunden zulässige Lärmpegel um 2,3 Dezibel und der Spitzenpegel um fünf Dezibel überschritten wurde, durch „schlagende Autotüren und die Motorengeräusche der anfahrenden Pkw.“

Schuppert hielt sich nicht an Vereinbarung

Konsequenz war, dass das Landratsamt die Gemeinde Plüderhausen anhielt, Maßnahmen zu treffen, um Überschreitungen bei den zukünftigen Veranstaltungen im Bürgerhaus zu vermeiden. Die Gemeinde wiederum ging auf Nick Schuppert zu und vereinbarte mit ihm, dass er Parkanweiser abstellt, die in der Sonnenhalde am Bürgerhaus den Verkehr so leiten, dass dort kein Theaterbesucher parkt. Nur: Schuppert – der brisanterweise Leiter des Vollzugsdienstes der Stadt Weinstadt ist – und sein Bauerntheater hielten sich nicht daran. Nachdem er die Sache geprüft habe, sagt er, sei er zu dem Schluss gekommen, dass es „unrechtmäßig“ sei, wenn Vereinsmitglieder „in den Verkehr eingreifen“.

Halteverbot am letzten Aufführungstag 

Woraufhin Landratsamt und Gemeinde in erneuter Absprache zum, wie Bürgermeister Andreas Schaffer sagt, „letzten Mittel“ griffen. Für das letzte Aufführungswochenende des aktuellen Theaterstücks am 12. Januar ordnete das Landratsamt kurzfristig ein Halteverbot für die Sonnenhalde an, das ab 22 Uhr gelten sollte. Die Gemeinde stellte die entsprechenden Schilder am Tag der Aufführung auf. Dazu kamen Warnbaken und Absperrband. Damit zog Bürgermeister Andreas Schaffer nun endgültig den Zorn mancher Walkersbacher auf sich. Nick Schuppert spricht von einer „Hauruckaktion“, die so kurzfristig – und damit auch nicht mit ausreichend Vorlauf aufgestellt rechtlich unwirksam – für das letzte Aufführungswochenende übertrieben gewesen sei, wo man doch danach alles in Ruhe hätte regeln können.

Eine Lösung muss her

Schuppert sagt: Es müsse einen runden Tisch geben, an dem sich alle Beteiligten für eine Lösung zusammensetzen, das habe er schon länger gefordert. „Mir geht es darum: Wie können wir das Bürgerhaus weiter nutzen als Veranstaltungsort für das Traditionstheater, das es seit den 50er-Jahren gibt?“ Doch die Lage ist schwierig, die Stimmung aufgeheizt bis aggressiv. Nach dem letzten Hobbykünstlermarkt schmierte jemand in großen Buchstaben eine Beschimpfung an das Garagentor des Nachbarn. Weitere schwere Sachbeschädigungen sind bei der Polizei aktenkundig. Die Verursacher konnten nie ermittelt werden. Auch Morddrohungen hat es gegeben.

Schaffer: "Ich sitze zwischen allen Stühlen"

Bürgermeister Andreas Schaffer sieht sich mit üblen persönlichen Angriffen konfrontiert. „Ich sitze zwischen allen Stühlen“, sagt er. Mangels Kooperation der Veranstalter habe es keine andere Möglichkeit gegeben, als das Halteverbot durchzusetzen. „Mit gutem Willen hätte man das anders hingekriegt,“ meint er. Mit anderen Veranstaltern in Plüderhausen funktioniere es ja auch. Er will sich nun zeitnah mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen, um für die Zukunft eine friedliche Lösung zu finden.


Traditionen und Gesetze

Das Walkersbacher Bauerntheater ist eine Institution, die es seit 30 Jahren gibt. Doch schon in den 50er-Jahren wurde im Plüderhauser Teilort, der heute rund 330 Einwohner hat, Theater gespielt.

Dass die Tradition kein Argument ist, wenn es um gesetzliche Vorschriften geht, ist aber klar – sogar, wenn sich nur ein Einzelner gestört fühlt. Das zeigen Beispiele wie Grunbach, wo die Evangelische Kirchengemeinde ihre Kirchenglocken – mehr Institution und Tradition geht wohl kaum – in der Nacht leiser stellen musste, weil ein Anwohner sich beschwerte.

  • Bewertung
    28
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!