Was Tim Walter sehen will Das neue VfB-Motto: No risk, no fun!

Tim Walter will den VfB in der 2. Liga mit einer offensiven und mutigen Ausrichtung spielen lassen. Foto: ZVW/Danny Galm

St. Gallen. Der VfB Stuttgart soll künftig wieder begeisternden Fußball spielen, aber die Mannschaft hat die Philosophie von Trainer Tim Walter noch nicht komplett verinnerlicht. Zwei Wochen vor dem Start in die Runde stecken Gomez und Co. weiter in einem Lernprozess. „Die Beine und der Kopf arbeiten“, sagt Walter, „und dann bekomme ich vielleicht nicht immer alles umgesetzt.“

Es ist gut möglich, dass bald noch ein Zusatz auf die Eintritts- und Dauerkarten des VfB Stuttgart hinzugefügt werden muss. Menschen mit Herzproblemen oder einem flattrigen Nervenkostüm sollten die Spiele der Stuttgarter meiden oder sich dementsprechend mit Beruhigungspillen wappnen. Der Grund ist das neue VfB-Motto unter Tim Walter: No risk, no fun! 

Mut zum Risiko ist das Gebot der Stunde

Wer die Mannschaft bei der Arbeit im Trainingslager beobachtet, der hört gedanklich fast schon das Raunen, das durch das weite Rund gehen wird, wenn die VfB-Profis künftig ihr Spiel von hinten heraus aufbauen oder die gegnerische Mannschaft tief in deren Hälfte attackieren. Das Spielsystem von Cheftrainer Walter beinhaltet eine gehörige Portion Mumm. Mut zum Risiko ist unter dem 43-Jährigen das Gebot der Stunde. Egal ob Torhüter, Sechser oder Mittelstürmer. 

Hat Keeper Gregor Kobel den Ball am Fuß, so wird das Leder nicht mehr stumpf nach vorne gebolzt, sondern flach von hinten herausgespielt. Sein Konkurrent um den Platz im Tor, Fabian Bredlow, beschreibt das Anforderungsprofil an die Schlussmänner so: „Er will einen mitspielenden Keeper, der immer anspielbar ist.“ „Seid mutig!“, habe Walter ihm und Kobel mit auf den Weg gegeben.

Diese Spielweise birgt natürlich Risiken. Wird der Ball im Aufbauspiel vertändelt, hat die gegnerische Mannschaft fast schon freie Bahn in Richtung Tor. „Es ist nicht ganz so einfach“, sagt Torhüter Bredlow, „wenn wir Torhüter den Ball am Fuß haben, sind wir natürlich auch auf unsere Mitspieler angewiesen und wie sie sich in den Räumen bewegen.“ Feste Positionierungen gibt es nicht. „Es werden Räume gesucht“, erläutert Bredlow, „unsere Innenverteidiger, Außenverteidiger und Sechser bewegen sich viel.“

Aber auch im Spiel mit dem Ball ändert sich im Vergleich zur letzten Saison einiges. Vorbei sind die Zeiten, da die Stuttgarter unter Tayfun Korkut und später unter Markus Weinzierl auf Konter lauerten und sich tief in der eigenen Hälfte einigelten Die Abwehrkette steht jetzt extrem hoch, die Innenverteidiger positionieren sich phasenweise in des Gegners Hälfte. Nach einem Ballgewinn soll es schnell, schnörkellos und über die Außenbahnen in die Tiefe gehen. Auch hier spielen die Attribute Mut, Tempo und Zielstrebigkeit eine zentrale Rolle. „Es braucht eine gewisse Zeit, aber es wird funktionieren“, verspricht Stürmer Sasa Kalajdzic. „Fußballerisch ist richtig viel drin in der Mannschaft. Mit dem System werde ich sehr viel Spaß haben.“

„Die Beine und der Kopf arbeiten“

Was Walter von seiner Mannschaft sehen will, ist eine ständige Bereitschaft zur Attacke, zur Verteidigung - und vor allem einen unbändigen Siegeswillen. „Mir ist es wichtig, dass wir agieren, dass meine Mannschaft verteidigen will und Bälle zurückerobert. Ein zielgerichtetes Ballbesitzspiel“, skizzierte Walter seine Idee bei seiner Vorstellung Mitte Juni. Fehlt ihm diese Grundeinstellung, kann er ruppig und laut werden. So war der Coach beispielsweise mit dem schwachen Testspiel-Auftritt bei Zweitligisten FC Winterthur (1:3) ganz und gar nicht zufrieden: „Ich kann solche Testspiele auch verlieren, aber es geht mir um die Bereitschaft eines jeden Einzelnen.“

Der Test gegen Winterthur, aber auch die Einheiten auf dem Trainingsplatz zeigen: Noch hat die Mannschaft die Philosophie ihres Trainers nicht komplett verinnerlicht. Immer wieder greift der Chef korrigierend ein, erklärt Laufwege und Positionierungen auf dem Platz. „Dass in den ersten Wochen noch nicht alles rund läuft, ist doch klar“, meint Torhüter Bredlow. „Die Beine und der Kopf arbeiten“, sagt Walter, „und dann bekomme ich vielleicht nicht immer alles umgesetzt.“ Doch die Zeit rennt. In zwei Wochen kommt Mitabsteiger Hannover 96 zum Zweitliga-Eröffnungsspiel in die Stuttgarter Arena. 

Am Samstagabend (20.15 Uhr/ZVW-Liveticker) folgt zum Abschluss des Trainingslagers beim FC Basel ein echter Härtetest. Das Resultat ist dabei für Tim Walter zweitrangig, es geht ihm um die Einstellung seiner Truppe: „Klar wollen wir immer gewinnen, aber die Ergebnisse in der Vorbereitung sind mir eigentlich scheißegal.“


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