Was tun gegen Verpackungsmüll? Der Selbstversuch zeigt Erfolge

Vieles, aber nicht alles aus der gelben Tonne wird recycelt. Übrigens: Dies ist nicht die gelbe Tonne unserer Redakteurin! Foto: Schneider / ZVW

Waiblingen. Die gute Nachricht zuerst: Unser Einsatz beim Verpackungsmüll-Sparen lohnt sich tatsächlich. Zwar sind wir von null Plastikmüll noch weit entfernt, den Verpackungsmüll in unserer gelben Tonne haben wir aber glatt halbiert. Was jetzt noch anfällt, nehmen wir genau unter die Lupe. Haushaltsreiniger gibt es zum Beispiel in zu 100 Prozent recycelten Flaschen – beim Einkauf genau hinzusehen, lohnt sich.

Es ist ein Selbstversuch mit großer Wirkung. Nicht unbedingt für die ganz großen Plastikmüllberge und die verschmutzten Weltmeere, ganz bestimmt aber für uns als Familie. Seit wir auf Blisterverpackungen, Tetrapacks und Duschgel verzichten, Obst und Gemüse offen kaufen und verpackte Wurst und Käse weiträumig umgehen, hat sich unser Verpackungsmüll halbiert – und unser Problembewusstsein verdoppelt.

Wir haben praktische Produkte wie Seife und Waschpulver wiederentdeckt und neue Angebote kennengelernt, die wir richtig gut finden: Auf die Shampoostücke aus dem Unverpacktladen zum Beispiel würden wir nicht mehr verzichten.

Die Recyclingsquote muss steigen

Trotzdem oder gerade deshalb treibt mich die Frage um, was mit Rest in der gelben Tonne geschieht. Nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums werden Metalle wie Weißblech und Aluminium zu 90,1 Prozent recycelt. Flüssigbehälter wandern zu 77,6 Prozent zurück in den Kreislauf, Kunststoffe zu 53 Prozent. 37,8 Prozent der Leichtverpackungen werden verbrannt und zu Strom und Wärme weiterverarbeitet. Wenn 2019 das neue Verpackungsgesetz in Deutschland in Kraft tritt, muss die Quote beim Kunststoffrecycling auf 58,5 Prozent gesteigert werden. 2022 soll sie bei 63 Prozent liegen.

„Kunststoff ist ja nicht generell schlecht“, betont Gerald Balthasar, Vorstandsvorsitzender der Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM). Einfache Reinigerflaschen und Dosen seien leicht zu recyceln, ganz schwer oder gar nicht möglich ist dies bei Verbundstoffen wie Tetrapacks. Generell sei die Trenntechnik besser geworden, sagt Balthasar. Wo früher Menschen von Hand Abfälle aussortierten, sind an den Sortieranlagen heute Maschinen im Einsatz. Der Mensch korrigiert nur noch bei Fehlwürfen.

Die Verpackungsabfälle werden in die verschiedenen Wertstoffe getrennt. Diese werden möglichst sortenrein aufbereitet, eingeschmolzen und wiederverwendet. Verbundpackungen und Getränkekartons werden laut Umweltministerium zerkleinert und aufgeweicht. Papierteile gehen in die Kartonagenherstellung. Alu- und Kunststoffbestandteile werden bei der Zementherstellung eingesetzt. Was sich nicht trennen lässt, wird zum Großteil zu Ersatzbrennstoffen aufgearbeitet.

Seit Anfang der 90er Jahre werden die Verpackungsabfälle im Auftrag der dualen Systeme eingesammelt. Der Begriff ist verwirrend, weil es sich dabei nicht um „Systeme“ handelt, sondern um Unternehmen, die sich im Auftrag der Hersteller und Vertreiber um die Rücknahme und das Management der Verkaufsverpackungen kümmern. „Die Entsorgung der Verpackungen liegt damit nicht bei den öffentlich-rechtlichen Entsorgern, sondern in der Verantwortung der Industrie“, erklärt Balthasar. Hinter den Dualen System stehen die großen Handelsunternehmen wie Metro, Lidl und Schwarz, Aldi, Rewe und Edeka.

Von acht auf 35 Kilo Verpackungsmüll im Jahr

„Ziel des Dualen Systems war damals die Reduzierung des Verpackungsmülls“, sagt Gerald Balthasar. Angesichts der Tatsachen, dass die Bundesbürger 1992 im Schnitt acht Kilo, heute aber 35 Kilo Verpackungsmüll produzieren, scheint das System krachend gescheitert zu sein. Anfang habe es durchaus Reduzierungen gegeben, räumt Balthasar ein. So seien etwa die Umverpackungen bei der Zahnpasta weggefallen. Doch dann stiegen die Verpackungsmüll-Zahlen wieder – bis sich das Aufkommen der unliebsamen Verpackungsreste im Land mehr als vervierfacht hatte.

Das Problem waren nach Meinung Balthasars nicht zuletzt die fehlenden Anreize für die Produzenten, die den Müll in Umlauf bringen. Ob die Verpackung leicht oder gar nicht zu recyceln war, spielte bisher keine Rolle: Die Lizenzgebühren waren dieselben. Ab 2019 schreibt das neue Verpackungsgesetz den Dualen Systemen nicht nur höhere Recyclingquoten vor. Die Lizenzgebühr, die Hersteller für die Rücknahme ihrer Verpackungen zahlen müssen, muss sich dann auch danach richten, wie leicht oder schwer diese recycelt werden können. Es wird teurer für umweltschädliche Verpackungen, und das ist gut so.

Umdenken müssen aber auch die Verbraucher. „Die Industrie bietet an, was der Bürger gerne annimmt“, sagt AWRM-Prokurist Marcus Siegel. Bevor sie Glasflaschen in den dritten Stock tragen, greifen eben viele zu PET-Flaschen. Mit Fertiggerichten und Mini- statt Großverpackungen wird unnötig Müll produziert, ganz zu schweigen von To-go-Getränken und -Gerichten. Dosierhilfen und aufwendige Verschlüsse machen das Recycling schwieriger. Für mich steht inzwischen fest: So können wir nicht weiter machen. Es sei denn, wir wollen irgendwann im Müll versinken.


Duale Systeme

Im Rems-Murr-Kreis ist das Recycling Kontor Köln (RKD) der Ausschreibungsführer, der die Entsorgung und Verwertung des Verpackungsmülls an Subunternehmer, unter anderem an den Entsorger Remondis, vergibt.

„Remondis ist mit der Sammlung und dem Umschlag der Verkaufsverpackungen vom Dualen System RKD für den Rems-Murr-Kreis beauftragt“, erklärt Klaus Thielmann, Koordination Duale Systeme bei Remondis. Die von Remondis erfassten Verpackungsabfälle werden nach der Sammlung zu zwei Umschlaganlagen gebracht.

Die neun Dualen Systeme holen nach ihrem jeweiligen Marktanteil das Leichtverpackungsmaterial ab und lassen es wiederum zu den von ihnen beauftragten Sortieranlagen fahren.

Die dualen Systeme finanzieren sich über die Lizenzgebühren, die die Hersteller und Betreiber dafür zahlen, dass sie den Verpackungsmüll nicht zurücknehmen müssen.

Aber auch mit dem Recycling selbst sind inzwischen gute Geschäfte zu machen.

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