Was war nochmal... Pfingsten

Eine Pfingstrose. Foto: Pixabay/CC0 Public Domain

Waiblingen. Mehr als die Hälfte der Deutschen weiß nicht, was sich hinter Pfingsten verbirgt: Der Tag, an dem aus dem Häuflein Elend der Jünger nach Ostern furchtlose und selbstbewusste Künder der christlichen Botschaft wurden.

Der Waiblinger Pfarrer Franz Klappenecker ist ein Meister, wenn es darum geht, christliche Aussagen zu erklären. Doch auch er empfindet Pfingsten als das Fest, das am schwierigsten zu vermitteln ist. „Weil der Inhalt am schwersten zu greifen ist. Oder andersrum: Weil der Inhalt so selbstverständlich ist.“

Die Kraft, die einen Christen trägt und leitet

Schwer begreifbar und selbstverständlich zugleich: Das ist Klappenecker zufolge die Kraft, die einen Christen trägt und leitet. Und genau die haben die Jünger der Apostelgeschichte an Pfingsten mit aller Macht erfahren. Als der biblischen Überlieferung zufolge das verängstigte Häuflein der Jünger am Pfingsttag zusammensaß und ein Sturm das Haus erzittern ließ. „Und es erschienen ihnen Zungen wie Feuer, die sich verteilten; auf jede von ihnen ließ sich eine nieder“, heißt es in der Apostelgeschichte. „Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Heilige Geist eingab.“

„Ohne Luft geht nichts“

Dass im Pfingstbericht von Wind, also Luft, die Rede ist, ist für Pfarrer Klappenecker ein stimmiges Bild. „Die Luft umgibt uns total, ohne Luft geht nichts.“ Und wie die Luft existenziell sei, sei es auch der Geist Gottes: Die Kraft, die den Menschen leben lässt, der seine Existenz Gott verdankt.

Eine ungeheuerliche Kraft

Glaubt man der Pfingstgeschichte, muss diese Kraft ungeheuerlich gewesen sein. Die bis dahin verängstigten Jünger standen plötzlich auf und predigten, und das nicht nur in ihrer Stadt, sondern in der ganzen Welt. Und Petrus, der Jesus kurz zuvor noch verleugnet hatte, wurde zu ihrem furchtlosen Anführer.

Barrieren hinter sich lassen

Dabei wurden an Pfingsten nicht nur Sprachgrenzen überwunden. Nach Ansicht Pfarrer Franz Klappeneckers gab und gibt der Geist Gottes Menschen die Kraft, alle Grenzen und Hindernisse hinter sich zu lassen. Auch solche Barrieren übrigens, die tagtäglich zwischen Menschen stehen können. So ist für den Pfarrer klar: „Immer dort, wo sich zwei Menschen verstehen - womöglich gegen alle Erwartungen -, ist der Geist Gottes am Werk.“

Das Überwinden von Grenzen

Und damit eine Kraft, die Streit und Feindschaft, Vorurteile und Ängste überwindet. „Für mich ist Pfingsten das Überwinden von sprachlichen, politischen und anderen Grenzen“, sagt der Pfarrer. „Wenn zwei Streit haben und einer einen Schritt zur Versöhnung tut, ist das für mich Pfingsten. Hier ist die Kraft Gottes am Werk.“

Frieden und Versöhnung

Mit dem Wind und dem Sturm, ist Franz Klappenecker überzeugt, hat Gott den Jüngern das Lebensnotwendige geschickt. Die Feuerzungen symbolisierten darüber hinaus, dass die Jünger buchstäblich „Feuer gefangen“ hätten. „Dieses neue Selbstbewusstsein ist für mich faszinierend“, sagt der Pfarrer. Und wirke fort bis heute: „Immer dort, wo einer entgegen aller Erwartungen und entgegen der allgemeinen Meinung aufsteht und Position für Frieden und Versöhnung bezieht, ist das die Auswirkung des Geistes Gottes.“

Mut, auf Wegen zu gehen, die noch niemand gegangen ist

Der Geist Gottes, sinniert der Pfarrer, gibt den Menschen Mut, auf Wegen zu gehen, die noch niemand gegangen ist und aller Erfahrung nach zum Scheitern führen. „Er lässt die Menschen den ersten Schritt zur Versöhnung tun und jemandem vertrauen, obwohl der einen schon oft enttäuscht hat. Er lässt Undenkbares für möglich halten. Und er lässt sie auf den Geist vertrauen und mit einer Kraft rechnen, die über die Kraft der Menschen hinausgeht.“

Kein Fest

In diesem Sinn ist das Pfingstfest auch kein Fest, das nur an was erinnert, das einmal geschehen ist: „Pfingsten“, ist Franz Klappenecker überzeugt, „ereignet sich jeden Tag.“

Pfingsten kommt von Pentekoste

  • Der Name „Pfingsten“ leitet sich vom griechischen „Pentekoste“ ab und bedeutet fünfzig.
  • Das Pfingstfest zählt zu den höchsten Feiertagen im Kirchenjahr. 50 Tage nach Ostern ist es der feierliche Abschluss der Osterfestzeit.
  • In Deutschland bekam das Fest wie auch Ostern und Weihnachten einen zweiten Feiertag hinzu.
  • Bei den Juden wurde am 50. Tag nach dem Passahfest ein Erntedankfest gefeiert.
  • Einige alte Bräuche werden in manchen Gegenden noch immer gepflegt. So werden Kirchen mit Birkengrün geschmückt und Pfingstfeuer entzündet.
  • Auf dem Land führte man an Pfingsten zum ersten Mal das Vieh auf die Weide oder trieb es auf die Almen.
  • Als Pfingstochsen führten die Metzger einen mit Blumen geschmückten Ochsen durch das Dorf. Am nächsten Tag wurde er dann geschlachtet.
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