Wasserschaden mit langer Vorgeschichte Kaisersbacher enttäuscht von Gemeinde

Nach dem Starkregen Anfang Januar waren großen Mengen Oberflächen- und Schmelzwasser auf das Grundstück gedrungen. Die Feuerwehr musste ausrücken und entwässern. Drei Tage lang sei das Wasser noch aus dem Rohr nachgeflossen. Foto: Privat

Kaisersbach. Winfried Küsel ist ein geduldiger Mensch. Doch allmählich ist der Kaisersbacher mit seiner Geduld am Ende. Denn über sein Grundstück in der Sonnenhalde läuft Wasser der Gemeinde. Beim Starkregen im Januar kam es zu einem Wasserschaden. Auch dem Gemeinderat hat er nun sein Anliegen in der Bürgerfragestunde vorgetragen.

Als „GAU mit langer Vorgeschichte“ bezeichnet Küsel die Auswirkungen des Starkregens auf sein Grundstück. Es war der 13. Januar, als die Lage sich in der Sonnenhalde zuspitzte. Denn zu den starken Regenfällen gesellte sich noch Schmelzwasser – und eine Entwässerung, die, seit er nach Kaisersbach kam und an dem Hang einen Neubau errichten ließ, nie richtig funktionierte.

Nach dem Starkregen floss drei Tage Wasser aus dem Grundstück ab

Irgendwann waren Sickergrube, Zisterne und der Filter für den Teich bis oben hin voll. Und das Wasser schließlich so massiv über das Grundstück geflossen, dass die Feuerwehr habe ausrücken müssen. Drei Tage lang sei danach noch Wasser aus dem Rohr, das die insgesamt 18 Einsatzkräfte zur Entwässerung nutzten, nachgeflossen. Regelrechte Fluten aus Grund- und Oberflächenwasser hätten sich auf den Feldweg unterhalb seines Hauses ergossen.

An dem Neubau ist heute nichts mehr von dem Schaden zu sehen

Was Küsel erst im Nachhinein bemerkte: Auch unter die Fenster und Teile der Küche war Flüssigkeit gedrungen. „Das, was kam, hätte nicht kommen dürfen“, sagt Küsel. „Gegen Druckwasser ist das Haus nicht gefeit. Dafür ist es nicht gebaut.

“ Im Nachgang zu dem Starkregen habe er deshalb die Außenplatten entfernen und auf Stelzen stellen müssen. Auch das Haus selbst habe inzwischen eine Abdichtung bekommen. An dem Neubau am Ortsrand ist heute nichts mehr von dem Schaden im Januar zu sehen.

Mit den von ihm selbst durchgeführten Maßnahmen könne er zumindest künftigen Wasserschäden auf seinem Grundstück vorbeugen – eine Lösung, wie das Wasser von der Straße korrekt auf den Feldweg unterhalb des Wohngebiets abgeleitet werden kann, sei das allerdings noch nicht.

Auch die Nachbar-Grundstücke sind von den planerischen Fehlern betroffen

Inzwischen sei mit Beteiligung der Gemeinde zwar eine Drainage als Notfallmaßnahme gelegt worden, die das Wasser direkt auf den Feldweg abführt. Doch diese sei, so die Auskunft der Baubehörde, gar nicht zulässig. Außerdem sei nicht nur sein Grundstück, sondern auch die seiner Nachbarn von dem planerischen Fehler betroffen.

Das Problem ist der Verwaltung bekannt

Aus Küsels Sicht wäre dieser Schaden, dessen Behebung er aus eigener Tasche bezahlen musste, vermeidbar gewesen. Denn bereits Anfang 2016 habe er auf die Wasserproblematik an der Sonnenhalde hingewiesen. Zum einen habe die Straße einen Niederbordstein. Wenn es regnet, könne das Wasser diese Hürde problemlos überwinden. Viel schlimmer als das sei jedoch die fehlende Abdichtung der alten Entwässerung. „Das wurde einfach vergessen.“ 

Das Problem ist der Verwaltung bekannt, wie auch Bürgermeisterin Katja Müller in der Sitzung bestätigt. Küsel berichtete dort von mindestens fünf Vor-Ort-Terminen, von Gesprächen im Rathaus und E-Mails an die Verwaltung. Auch der Planer für das Baugebiet sei beteiligt.

Passiert sei in der Zwischenzeit vor Ort nichts

Bereits vor drei Jahren habe er den Vorschlag gemacht, am Feldweg unterhalb der Grundstücke eine Drainage einzurichten. Doch das sei bislang stets abgelehnt worden. Auch der Wunsch, statt des planenden Ingenieurbüros doch einen unabhängigen Gutachter zu befragen, sei bislang nicht erfüllt worden.

Passiert sei in der Zwischenzeit vor Ort nichts. Enttäuscht zeigte sich Küsel insbesondere vom Planer, der stets neue Argumente gefunden habe, um nicht handeln zu müssen. Aber auch Bürgermeisterin Müller kritisierte er. E-Mails seien längere Zeit unbeantwortet geblieben. Und einmal habe er erst androhen müssen, mit der Sache in die Gemeinderatssitzung zu gehen, bevor er eine Antwort bekommen habe. „Es wäre schön, wenn solche Dinge zeitnah geschehen.“

Bürgermeisterin Müller setzt Teillösung in Aussicht

In der Sitzung stellte Müller nun eine Lösung in Aussicht: Ende September solle ein Lehmpfropfen für erste Abhilfe sorgen. Für eine Drainage, auch aus ihrer heutigen Sicht die einzige Lösung, bräuchte es jedoch einen Beschluss des Gemeinderats. Müller betonte, selbst keine Expertin zu sein und sich daher auf die Aussagen des planenden Ingenieurbüros verlassen zu haben. „Es hat sich letzten Endes als falsch erwiesen. Für mich und das Gremium ist das unbefriedigend.“

Sie könne nicht verstehen, warum man nicht gleich gehandelt habe, sagte Gemeinderätin Birgitta Braun-Calka. „Es darf nicht sein, dass man als Bürger so lange warten muss.“ Nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für die Gemeinde habe das Folgen. „Jetzt haben wir ein Vielfaches an Kosten. Ich bitte, da zügig zu handeln.“

Angesichts der bisherigen Erfahrungen bleibt Küsel skeptisch

Gemeinderat Bernd Basler fand es „schade, dass es so weit kommen musste“. Von der Verwaltung hätte er sich da früher eine Information gewünscht. „Wir müssen das zeitnah machen, aber mit Hand und Fuß.“

Für die Fehler in Planung und Ausführung könne Bürgermeisterin Müller nichts, findet Winfried Küsel. Angesichts der bisherigen Erfahrungen ist er aber skeptisch, dass die versprochene Abhilfe tatsächlich zeitnah kommt. Falls bis Oktober nichts passiert sei, werde er die Sache daher erneut im Gemeinderat zur Sprache bringen.

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