Wegen geplantem Tierkrematorium Korber Gemeinderäte laufen Sturm

Die Alte Kelter war am Dienstagabend bis auf den letzten Platz besetzt – überwiegend von Anwohnern, die ihrer Ablehnung gegen ein Tierkrematorium im Gewerbegebiet Unteres Gewässer erneut Ausdruck verleihen wollten. Foto: ZVW/Sebastian Striebich

Korb. Der Gemeinderat schließt sich dem Bürgerprotest von Anwohnern und Gewerbetreibenden gegen ein geplantes Tierkrematorium in der Boschstraße an. Bürgermeister Jochen Müller wird nun versuchen, die Betreiberin von ihrem Vorhaben abzubringen und ihren Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung beim Landratsamt zurückzuziehen. In der voll besetzten Alten Kelter hatten zuvor Dutzende Bürger ihrem Widerstand Nachdruck verliehen.

Von den Befürchtungen, die vor 14 Tagen die Bürgerfragestunde des Gemeinderats dominiert hatten, war kaum noch etwas zu hören: Rauch, Geruchsbelästigung, Lkw-Ladungen toter Tiere – dass damit nicht zu rechnen sei, hatten der Remsecker Krematoriumsbetreiber Walter Rupff und Daniela Seiz, die das Krematorium in Korb führen soll, bereits im Vorfeld der Sitzung betont. Auch die Maximalmenge von zehn Tonnen verbrannter Haustiere am Tag werde bei weitem nicht erreicht – die Verbrennungsanlage schaffe maximal 120 Kilogramm pro Stunde (siehe Artikel „Sie werden absolut nichts riechen“).

Bürgermeister Müller: Es wird schwierig für das Unternehmen

Nichtsdestotrotz haben sich die Gemeinderäte am Dienstagabend bei nur einer Stimmenthaltung hinter den Protest der Anwohner und Gewerbetreibenden gestellt. Sie beauftragten die Verwaltung geschlossen, das Gespräch mit den Betreibern des Tierkrematoriums zu suchen und diese davon abzubringen in Korb anzusiedeln. Den entsprechenden Antrag hatte die Fraktion CDU/Freie Wähler auf den Weg gebracht.

Bürgermeister Jochen Müller verwies zwar mehrfach auf die Zuständigkeit des Landratsamts, ist aber wegen des heftigen Widerstands in Korb ebenfalls der Meinung, „dass es für das Unternehmen wohl sehr schwierig sein wird, den Betrieb langfristig erfolgreich zu führen“. Zumal sich laut Müller mittlerweile mehrere Anwaltsbüros mit dem Fall beschäftigten. Darüber hinaus will der Gemeinderat dem Landratsamt in einer Stellungnahme seine Haltung deutlich machen.

Was die zuständige Tieba AG im Detail plant, ist für die Bürgerinitiative und die Korber Gemeinderäte nicht entscheidend: Sie lehnen ein Tierkrematorium in dem Gebiet, in dem auch mehrere Gastronomiebetriebe angesiedelt sind, ganz grundsätzlich ab. Zwar befürchtete etwa Anwohnerin Ruth Messer, das Tierkrematorium sei im Artikel der WKZ vom Dienstag „zu harmlos dargestellt“ worden und Martin Zerrer (CDU/FW) warnte vor einer möglichen „Salamitaktik“ der Betreiber, die „ganz klein anfangen und dann langsam erweitern“ könnten. Die allgemeine Gefühlslage brachte aber eher Susanne Bloching (CDU/FW) auf den Punkt, die feststellte: „Es hat etwas Schauriges. Das will keiner neben sich haben.“ Ihr Fraktionskollege Martin Schwegler betonte den „fundamentalen Widerspruch“ des Krematoriums zu Korb als überregional beachteter Weingemeinde, die bekannt sei für Kunst und Kulinarik.

Der Bauantrag wurde dem Gemeinderat  nichtöffentlich vorgestellt

Die Wortbeiträge der Bürgerfragestunde hatten sich zuvor größtenteils um die Fragen gedreht, ob ein Tierkrematorium in dem Gebiet, in dem auch viele Unternehmer wohnen, überhaupt zulässig sei. Die Antwort lautet: Ja, es handelt sich trotz zahlreicher Ausnahmegenehmigungen für Wohnungen noch immer um ein Gewerbegebiet.

Die ehemalige Werkstatt, die zu einem Tierkrematorium umgebaut werden soll, liegt laut Gemeinde in einem „Teilbereich ohne Einschränkungen“. Der Bauantrag der Tieba AG beim Rathaus wurde dem Gemeinderat im Oktober 2018 nichtöffentlich vorgestellt. Da hatte eine vorläufige baurechtliche Prüfung der Verwaltung bereits ergeben, dass „keine nachbarschützenden Belange verletzt werden und das Vorhaben die planungsrechtlichen Vorgaben des Bebauungsplans einhält“.

Doch der Antrag wurde obsolet, als die Korber feststellten, dass das Krematorium immissionsschutzrechtlich vom Landratsamt genehmigt werden muss. Die Tieba reichte abermals einen Antrag ein, nun beim Kreis, der seither Herr des Verfahrens ist.

„Das ist nicht der Teufel, der da nach Korb kommen will“

Was die nun beschlossene, ablehnende Position der Korber schwächen dürfte: In einer Stellungnahme an den Landkreis im März hatte das Rathaus keine Bedenken gegen das Vorhaben erhoben. Diese Stellungnahme sei auch unter dem Aspekt verfasst worden, dass die Gemeinde „als untere Baurechtsbehörde innerhalb eines rechtskräftigen Gewerbegebiets vorrangig die berechtigten Interessen der Gewerbetreibenden zu berücksichtigen und die Betriebe gegen die im Gewerbegebiet unzulässige Wohnnutzung zu schützen hat“.

Zu schützen habe der Gemeinderat vor allem die Korber Bürger, betonte Martin Zerrer, der sich auf seinen geleisteten Eid berief und den Betreibern des Tierkrematoriums „keinerlei Fingerspitzengefühl“ vorwarf. Gerhard Brenner (Grüne) und Nicola De Vitis (FB) schlossen sich dem Antrag zwar an, baten aber um einen „fairen Umgang“ mit den Betreibern.

De Vitis sagte, er habe in Remseck selbst schon einen Hund einäschern lassen. Mit dem Standort sei auch er nicht glücklich, aber: „Das ist nicht der Teufel, der da nach Korb kommen will.“


Eröterungstermin

  • Die Bürger hatten rund eineinhalb Monate Zeit, ihre Einwendungen gegen das Vorhaben beim Landratsamt vorzubringen. Diese Chance haben offenbar einige Bürger auch genutzt. Bei Bedarf soll ein Erörterungstermin am Dienstag, 16. Juli, von 10 Uhr an in der Alten Kelter veranstaltet werden.
  • Dazu sei das Landratsamt allerdings nicht verpflichtet, sagte Bürgermeister Jochen Müller am Donnerstagabend. Wegen der vielen Beschwerden, die bei der Gemeinde zum Bauvorhaben eingegangen seien, will die Verwaltung den Kreis allerdings von der Dringlichkeit einer solchen Veranstaltung überzeugen.

"Unsachlich"

Ein Kommentar von WKZ-Redakteur Sebastian Striebich

Der Bau eines Kleintierkrematoriums stößt bei den Nachbarn auf Ablehnung. Das ist auf emotionaler Ebene verständlich – hier werden schließlich Tausende toter Haustiere verbrannt. „Es hat etwas Schauriges“, da hat Susanne Bloching schon recht. Allerdings tut die Tieba AG nichts Illegales, unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben und Kontrollen. In Deutschland herrscht Gewerbefreiheit. Sofern das Landratsamt grünes Licht gibt, ist es das gute Recht der Betreiber, im Gewerbegebiet anzusiedeln. Anders sieht das aus, wenn die Behörden zum Schluss kommen, eine Ansiedlung sei – womöglich aufgrund der Einwendungen von Anwohnern – nicht zulässig.

Bemerkenswert ist es, wie vorbehaltlos sich der Gemeinderat, der ja gar nicht über die Ansiedlung zu entscheiden hat, dem Protest der Anwohner anschließt. Da werden die Betreiber unter dem Applaus der Bürger als „unsensibel“ angegriffen, ihnen wird zugerufen, sie seien „hier nicht willkommen“, würden in Korb „nicht glücklich werden“. Ob von dem Krematorium eine tatsächliche Beeinträchtigung der Bürger ausgehen wird? Geschenkt. Eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema sieht anders aus.

Aber am Sonntag sind ja auch Wahlen.

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