Wehrpflicht Guttenberg schafft eine neue Armee

Auf Besuch bei der Truppe: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Foto: dpa

Berlin - Die Armee: kleiner. Die Wehrpflicht: ausgesetzt. Die Musterungen: ausmustern. Die Kasernen: einige schließen. Jahrhundertreform nennt das Verteidigungsminister zu Guttenberg. Der CSU-Politiker plant den großen Wurf.

Der Minister lernt schnell. Noch im Frühsommer war Karl-Theodor zu Guttenberg verspottet worden. Er drohe allzu oft mit seinem Rücktritt, wenn er sich nicht ausreichend beachtet oder ernstgenommen oder sich gar übergangen fühle. Dreimal hatte er in seinen jeweils kurzen Amtszeiten als Bundeswirtschafts- und darauf folgend als Verteidigungsminister die Brocken hinwerfen wollen.

Guttenberg revolutionäres Vorhaben

Heute, am Ende eines kurzen und arbeitsreichen Sommers, steht der 38-jährige Franke kurz vor dem Ziel - kurz vor dem von ihm so apostrophierten großen Wurf, der Jahrhundertreform der Bundeswehr. Die Parteitage von CDU und CSU im Herbst werden zwar noch über die Aussetzung der Wehrpflicht und die Verkleinerung der Truppenstärke abstimmen müssen - der Widerstand gegen die Reform-Offensive des Ministers ist jedoch gebrochen. Weniger kämpferisch gesagt: Die Zivilisten in den oberen wie den niederen Parteirängen sind überzeugt, dass die Wehrpflicht vorerst nicht mehr gebraucht wird. Anfangs noch hatte Guttenberg die falsche Strategie gewählt und die Reform mit dem reinen Sparzwang begründet: Die Konservativen empörten sich leidenschaftlich. Erst als er die Wehrpflicht auch sicherheitspolitisch für überholt erklärte, wurde Guttenberg für alle hoffähig.

Denn der Grundwehrdienst war einer der bedeutendsten Markenkerne der CDU/CSU - und noch jeder wurde verteufelt, der die Notwendigkeit infrage zu stellen wagte. Die Wehrpflicht nun auszusetzen ist in etwa so revolutionär, als würde die Katholische Kirche beschließen, künftig auf Weihwasser zu verzichten.

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