Weil sie Rentnerin beklaute Altenpflegehelferin aus Kaisersbach verurteilt

Symbolbild. Foto: Schneider / ZVW

Schorndorf. Unter einem Vorwand hat eine 48-jährige Altenpflegehelferin eine Rentnerin in ihre Wohnung gebeten, ihre Hilfe vorgetäuscht und der 85-Jährigen Geld gestohlen. Das Gericht hat die vorbestrafte Frau nun zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Eine alte Dame streitet sich im Sommer vergangenen Jahres mit ihrem Sohn, sie ist aufgelöst und verzweifelt, da bittet sie die Nachbarin und Mieterin des Sohnes herein und lädt sie auf ein belegtes Brot und etwas zu trinken ein. Eine freundliche Geste, denkt die Dame, die das Angebot gerne annimmt. Die 85-Jährige und die Frau unterhalten sich freundlich. Schließlich braucht die Rentnerin etwas aus ihrer Handtasche, die sie im Auto liegenlassen hat. Die 48-jährige Frau bietet ihr an, diese zu holen. Die ältere Dame ist froh über das Angebot, sie ist nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs und gibt ihr den Autoschlüssel bereitwillig. Das wird sie bereuen, denn wenig später stellt sie im Supermarkt fest: Das Geld in ihrem Portemonnaie fehlt – insgesamt 140 Euro. Die Rentnerin zeigt den Diebstahl an.

Angeklagte leugnet die Straftaten

Über diesen Fall hat nun das Amtsgericht verhandelt. Neben diesem wurden der polizeibekannten Altenpflegehelferin und Mutter zweier Töchter aus Kaisersbach auch andere Vergehen vorgeworfen: Fahren ohne Fahrerlaubnis, Vortäuschung einer Straftat und ein weiterer Fall von Diebstahl. Die Frau leugnet die Straftaten, sie sei unschuldig. Bis zum Ende hält sie daran fest.

Handy des ehemaligen Lebensgefährten geklaut?

Der ehemalige Lebensgefährte der Angeklagten wirft ihr vor, sie habe sein neues Handy geklaut. Er sagt vor Gericht aus, es bei einem Besuch in ihrer Küche abgelegt und sich dann im Wohnzimmer der Angeklagten aufgehalten zu haben. Als er später nach seinem Handy sehen wollte, sei dieses verschwunden gewesen. Die 48-Jährige leugnet den Diebstahl und behauptet vor Gericht, dass ihr Lebensgefährte kein Handy dabei gehabt hätte. Ob noch andere Personen, etwa eine ihrer beiden Töchter, sich während der Zeit im Haus aufgehalten haben, kann das Gericht nicht abschließend klären, und so wird die Altenpflegehelferin in diesem Punkt freigesprochen.

48-Jährige soll ohne Führerschein gefahren sein

Die Beziehung mit der Beschuldigten beendete der Lebensgefährte nach dem angeblichen Diebstahl. Er spricht vor Gericht außerdem davon, dass die Angeklagte Alkoholikerin sei. Wegen Trunkenheit am Steuer wurde der 48-Jährigen in der Vergangenheit der Führerschein entzogen. Damals hat sie laut Gutachter 2,8 Promille Alkohol im Blut gehabt. Der Vermieter und Nachbar der Frau sowie der Sohn der 85-jährigen geschädigten Rentnerin sagten ebenfalls vor Gericht aus und erklärten, die Angeklagte fahre trotzdem regelmäßig mit ihrem Auto. Doch wann genau sie gefahren sein soll, bleibt unklar, und so kommt die 48-Jährige auch in diesem Fall noch mal davon.

Vortäuschung einer Straftat - Verfahren eingestellt

Vor Gericht steht die Frau aus Kaisersbach außerdem wegen der Vortäuschung einer Straftat. Sie soll, so der Vorwurf, den Notruf gewählt haben und im Telefonat ausgesagt haben, der Freund ihrer Tochter habe diese entführt und ihr selber einen Schlag auf den Kopf versetzt. Richterin Doris Greiner lässt das Telefonat mit der Rettungs-Leitstelle abspielen. Der Freund der Tochter war vom Gericht zwar als Zeuge geladen, ist aber krankheitsbedingt nicht erschienen. Schließlich wird zu diesem Anklagepunkt das Verfahren eingestellt.

Verteidiger verlässt Verhandlung vorzeitig

Am Ende der Verhandlung fordert der Staatsanwalt, eine viermonatige Freiheitsstrafe zu verhängen. Schließlich sei die Angeklagte erst kurz vor dem Diebstahl zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden und es sei nicht die erste Straftat, die die Frau begangen habe. Noch bevor die Angeklagte das letzte Wort erteilt bekommt, verlässt ihr Verteidiger den Raum – er müsse noch auf einen Termin. Die Richterin ist verwundert, führt die Verhandlung aber fort.

Dreimonatige Bewährungsstrafe

Die Urteilsfindung sei ihr nicht leicht gefallen, sagt Doris Greiner in der Begründung. Sie hält die 85-jährige Rentnerin für eine glaubwürdige Zeugin und ist der Meinung, dass die vorbestrafte Angeklagte „gerne Geschichten erzählt“. Doch weil die Altenpflegehelferin wegen Diebstahls bisher noch nicht verurteilt worden ist, kommt diese nochmals mit einer dreimonatigen Bewährungsstrafe davon. Es ist ein weiterer Punkt in ihrer Liste an Vorstrafen.

Bei nächster Straftat droht Freiheitsstrafe

Bei der nächsten Straftat müsse die Angeklagte mit einer Freiheitsstrafe rechnen, sagt die Richterin. Die 48-Jährige muss sich laut der Bewährungsauflage um eine ambulante Psychotherapie bemühen. In den nächsten zwei Jahren darf sie sich nichts mehr zu Schulden kommen lassen, sagt Richterin Greiner abschließend.

  • Bewertung
    5
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!