"Weinfly" aus Weinstadt Junges Startup macht müde Weintrinker munter

Start-Up-Gründer Max Plessing, 27 (links im Bild), und Maximilian Koch, 26, mit ihrem Getränk "Weinfly". Foto: Christoph Schmidt

Weinstadt/Fellbach. Ausgerechnet im Remstal. Wo das Viertele zum Gewohnheitsrecht zählt, Weinberge die charakteristische Skyline bilden und jedes Jahr Wengerter Sterne und Punkte der Weinführer einsammeln. Hier, in Weinstadt, vertreibt ein junges Unternehmen seit gut einem Jahr ein Szenegetränk, bei dem sich manchem Weinkenner vor Empörung vermutlich die Zehennägel aufrollen. Weinfly heißt es, sozusagen Wein, der Flügel verleiht. Dank den Muntermachern Guarana, Taurin und Koffein soll Weinfly bekämpfen, was man eigentlich von zu viel Weingenuss bisher kannte: Bleierne Müdigkeit.

Kein Mischgetränk, sondern Wein

Weinfly ist kein Mischgetränk, darauf legen die beiden Gründer, Max Plessing, 27, aus Beutelsbach, und Maximilian Koch aus Fellbach, 26, viel Wert. „Es ist ein Naturprodukt, es ist Wein, es schmeckt ganz klar nach Wein“ sagt Koch. Der Wein stammt von einem befreundeten Winzer aus Heilbronn. Er füllt für sie die spezielle Rezeptur in 0,2-Liter-Flaschen ab. Für die Spritzigkeit wird das Getränk im Sektkeller geperlt. Taurin und Koffein schmecke man nicht, höchstens eine leicht bittere Note von Guarana im Abgang. „Es schmeckt im Grunde wie ein fruchtiger Rosé-Sekt“ sagt Plessing.

Schnapsidee oder geniale Marktlücke?

Wie aber kommt man auf eine solche Idee? „Weil wir herkömmliche Energy-Drinks nicht mögen. Aber wir mögen Wein. Und die Kombination gab es noch nicht“ erzählt Koch. Er und sein Freund Max  kennen sich seit der Schul-Zeit am Friedrich-Schiller-Gmynasium in Fellbach. Und ihnen war schon immer klar, dass sie sich gemeinsam etwas aufbauen wollten. Plessing hat BWL mit Schwerpunkt Marekting studiert, Koch studiert noch Jura. Von der Schnaps- oder eher Weinidee bis zur Marktreife vergingen gut eineinhalb Jahre.

Das Coca-Cola des Weines

Im Mittelpunkt ihrer Business-Strategie steht ganz klar die Marke. „Wenn jemand an Wein denkt, soll er an Weinfly denken. Wir wollen das Coca-Cola des Weines werden“ sagt Plessing selbstbewusst. Bei unternehmerischen Vorbildern wie Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz oder Technik-Genie Elon Musk ist Stiefstapeln nicht angebracht. Deswegen überlassen sie rein gar nichts dem Zufall. Vom schwarz-goldenen Logo bis hin zum Marketing ist alles durchdacht, selbst entworfen und konzipiert. Die Zwei-Mann-Show kümmert sich um alles, von der Homepage bis zu den Messeauftritten, wo sie in der eigenen Merchandising-Uniform auftreten.

Auch die Fotos stellen sie lieber selbst. „In der Messesaison sehen wir nicht so repräsentativ aus“ sagt Koch. Die beiden Jungunternehmer sind von Oktober bis Ende Februar fast durchgängig auf Spirituosen- und Barkultur-Messen unterwegs, um ihr Szenegetränk an den Mann zu bringen. Oder an die Frau? „Wir dachten zuerst auch, dass unsere Zielgruppe eher jung und weiblich sein würde“, sagt Plessing. „Aber wir haben auch einen ziemlich großen Männeranteil. Und durchaus auch ältere Kunden, sogar Ü70, die mit einem Karton unter dem Arm den Stand verlassen“.

Propheten im eigenen Land

Erst kürzlich in Hamburg auf der Messe habe man ihnen quasi die Bude eingerannt. In der Heimat kämpfe man dagegen gegen deutlicheren Widerstand und Vorurteile. „Hier ist jeder ein vermeintlicher Weinkenner und erstmal skeptisch“ sagt Koch. Auch sei es schwer, bei lokalen Events wie dem Leuchtenden Weinberg in Weinstadt dabei sein zu können. „Wie haben es frühzeitig versucht, wurden dann von Abteilung zu Abteilung weitergereicht, bis es schließlich zu spät war.“

In der Getränke-Branche sei generell eine Ellbogen-Taktik gefragt. Freunde mache man sich eher weniger. Deswegen sei der Vergleich mit Tesla-Gründer Elon Musk nicht so weit hergeholt. wie Plessing findet. "Er musste sich auch gegen eine Branche durchsetzen, die Neuerungen eher angreift. Und jetzt machen alle Elektro-Autos“.

Wo gibt es Weinfly?

Den Szenedrink gibt es im Remstal Mack in Endersbach zu kaufen. Auch im Traumpalast Schorndorf kann man ihn erwerben. Und natürlich online im Shop

Wie schmeckt es?

Der Geschmackstest in der Online-Redaktion führte zu Verblüffung. Der Geruch erinnert stark an die Süße von Red Bull & Co, oder "wie ein Kindersekt", so ein Kollege. Der Geschmack aber erinnert tatsächlich eher an einen fruchtigen Sekt, mit einer ganz leichten bitteren Note im Abgang. Dass das ein Energy-Drink sein soll, darauf käme man im Blindtest auf gar keinen Fall, da sind sich die Tester einig. Wer nichts von den üblichen süßen Wachmachern, gemischt mit Wodka & Co., hält, könnte tatsächlich in Weinfly eine echte Alternative finden. 

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