Weinstadt Ärger um Zuschuss für Tageseltern

Tageseltern bekommen vom Kreisjugendamt statt 5,50 Euro pro Stunde für jedes betreute Kind nun 6,50 Euro – und genau deshalb wollte Weinstadt den vor Jahren gewährten städtischen Zuschuss um genau diese Summe streichen. Das würde bedeuten, dass die Tageseltern weiter nur so viel verdienen wie schon vor zehn Jahren. Aufgrund des öffentlichen Drucks überlegt sich die Stadt nun bis Herbst, eventuell nachzubessern. Foto: Robert Kneschke / Fotolia.com

Weinstadt. Einen Euro mehr erhalten Tageseltern vom Kreisjugendamt pro Stunde für jedes betreute Kind – und genau deshalb wollte Weinstadt seinen eigenen Zuschuss um jene Summe zurückfahren. Das hat indes bei den Tageseltern zu heftigem Protest geführt. Sie hatten sich schon so sehr auf die Gehaltserhöhung gefreut: Es wäre die erste seit zehn Jahren.

„Wir fühlen uns im Ungewissen“: Die Weinstädter Tagesmütter, die am Donnerstagabend die Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses verfolgt haben, verstehen nicht, warum Weinstadt nicht einfach den aktuellen Zuschuss beibehält. Dann hätten sie sofort mehr Geld in der Tasche. Stattdessen folgte eine Mehrheit der Ausschussmitglieder dem Vorschlag der Stadtverwaltung, erst mal den kommunalen Anteil um jene Summe einzukürzen, die das Kreisjugendamt künftig mehr zahlt. Das sind genau ein Euro pro Stunde für jedes betreute Kind. Heißt: Niemand wird schlechtergestellt, aber es verbessert sich auch für keinen etwas. Nur wenn Weinstadt nach den Gesprächen mit Korb und Waiblingen im Herbst beschließt, den Tageseltern mehr zu zahlen, gibt es auch rückwirkend mehr.

Im Gegensatz zu Beamten und Angestellten keine Lohnzuwächse

Für diese Marschroute stimmten Rolf Weller, Armin Zimmerle (beide Freie Wähler), Doris Groß, Annette Rebmann (GOL), Theo Bachteler, Petra Klöpfer (SPD) und OB Michael Scharmann. Dagegen waren nur Karin Gaiser, Ulrich Witzlinger, Bernhard Dippon (alle CDU) und Sabine Dippon (Freie Wähler). CDU-Fraktionschef Ulrich Witzlinger warb vor der Abstimmung noch dafür, doch einfach weiter den städtischen Zuschuss zu zahlen und so den Tageseltern die erste Gehaltserhöhung seit zehn Jahren zu gönnen. Er empfindet dies nur als fair, gerade mit Blick auf die im Vergleichszeitraum gestiegenen Bezüge der Beamten und städtischen Angestellten.

„Glaubt denn irgendwer im Gremium, dass die Tageseltern im Geld schwimmen?“, ärgerte sich Witzlinger und verwies darauf, dass diese als Selbstständige auch noch ihre Krankenversicherung und Altersvorsorge stemmen müssen. Dazu kommt laut dem Richter, dass es eigentlich im Interesse der Stadt sein müsse, die Tagespflege attraktiver zu machen – schließlich kostet diese deutlich weniger als Kitaplätze. OB Scharmann verteidigte sich und betonte, dass der Gemeinderat im Oktober immer noch beschließen könne, den Tageseltern auch rückwirkend mehr zu zahlen. „Wir haben immer noch die Hoheit, selbst darüber zu entscheiden.“

So geht es weiter

Aufgrund des Drucks der Tageseltern hat die Stadtverwaltung einen Kompromiss vorgelegt. Der besagt, dass die Tageseltern erst mal nicht mehr Geld erhalten und im Herbst mit Waiblingen und Korb (wie Weinstadt im selben Tageselternverein) über eine gemeinsame Regelung beim kommunalen Zuschuss gesprochen wird.

Dabei will Weinstadt laut OB Scharmann dafür eintreten, dass die Tageseltern insgesamt mehr Geld als früher erhalten. Würde dies beschlossen, könnten die Tageseltern auch rückwirkend besser bezahlt werden.


Schlechter Stil der Stadt

Ein Kommentar von unserem Redakteur Bernd Klopfer

Es ist unverschämt, wie mit den Tageseltern umgegangen wird. Da bekommen sie nach zehn Jahren vom Kreisjugendamt endlich etwas mehr Geld für ihre wertvolle Arbeit – und prompt will ihnen die Stadt Weinstadt den Zuschuss kürzen. Die Verantwortlichen sollten wissen, dass Wertschätzung nicht nur aus warmen Worten besteht.

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