Weinstadt Ärger wegen zugeparkten Park-and-ride-Plätzen

An der S-Bahn-Haltestelle Beutelsbach parken nach Beobachtung des Weinstädter Kreisrats Stephan Kober gerne Mitarbeiter von Firmen. Folge: Pendler bekommen unter der Woche keinen Stellplatz mehr. Foto: Gabriel Habermann / ZVW

Weinstadt. Wer morgens an den Weinstädter Bahnhaltestellen einen Stellplatz will, muss schnell sein: Die Gratis-Parkplätze sind rasch belegt – denn nicht nur Pendler nutzen sie, sondern auch Anwohner und Firmenmitarbeiter. Ein Ärgernis für den Weinstädter Stephan Kober: Er fordert mehr Kontrollen vom Ordnungsamt – und auch die Bahn sieht die Stadt in der Pflicht.

„Dafür sind die Parkplätze nicht gedacht. Es sollen ausschließlich Personen parken, die mit dem ÖPNV unterwegs sind“: Stephan Kober, Kreisrat der Partei „Die Linke“ aus Weinstadt, ärgert sich sehr darüber, dass die 500 Park-and-ride-Stellplätze an den drei Weinstädter Bahnhaltestellen werktags immer schon sehr früh voll belegt sind. Nach seiner Beobachtung ist meist schon von 7.30 Uhr an nichts mehr frei – und zwar deswegen, weil an der S-Bahn-Haltestelle in Beutelsbach auch Personen parken, die in den umliegenden Firmen arbeiten. Und in Endersbach, hat Stephan Kober festgestellt, seien die Plätze oft deshalb so früh voll, weil Anwohner dort ihre Autos abstellen, obwohl sie die S-Bahn nicht nutzen.

„Die Stadtverwaltung schreibt zwar Strafzettel für all jene aus, die dort auf nicht vorgesehenen Flächen parken. Dabei nimmt sie sicherlich auch ein hübsches Sümmchen ein. Aber das oben genannte Problem bleibt dabei unbeachtet“, ärgert sich der Kreisrat. An den Weinstädter Ordnungsamtsleiter Jürgen Leibing hat er deshalb bereits Ende November eine Mail geschickt. Eine Antwort, schreibt er an unsere Zeitung, habe er bis heute nicht erhalten. Dabei ist für ihn klar, wie die Stadt reagieren sollte: Sie müsste versuchen, die Anwohner und die Firmenangehörigen zu belangen.

Bahn: Stadt ist in der Pflicht, den ruhenden Verkehr zu überwachen

Stephan Kober schlägt vor, dass das Weinstädter Ordnungsamt ein- oder zweimal in der Woche die Parkplatzsituation an den drei örtlichen Park-and-ride-Plätzen zwischen 5.30 und 7 Uhr kontrolliert. Die Deutsche Bahn ist übrigens in dem Fall nicht zuständig, wie eine Nachfrage bei Werner Graf von der regionalen Pressestelle in Stuttgart ergab. Die Grundstücke für die Parkplätze, betont der Sprecher, habe die Bahn einst der Stadt Weinstadt kostenlos überlassen, als die S-Bahn gebaut wurde – mit allen Pflichten. „Die Gemeinde ist in der Verantwortung, den ruhenden Verkehr zu überwachen.“ Dass Anwohner und Firmenmitarbeiter S-Bahn-Kunden die Parkplätze wegnehmen, sieht auch Werner Graf als Ärgernis. Ändern kann den Zustand aus seiner Sicht aber nur die Stadt Weinstadt.

Dagmar Heerdt vom Weinstädter Amt für Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Stadtmarketing nahm auf Anfrage unserer Zeitung nun Stellung. Sie verwies darauf, dass in Weinstadt wie in mehreren anderen Kommunen im Remstal die Stellplätze gebührenfrei und deshalb ohne Einschränkung ganztägig genutzt werden dürfen. „Daher werden diese vom Gemeindevollzugsdienst nicht dahingehend kontrolliert, aus welchem Grund die Fahrzeughalter ihre Autos dort abstellen.“ Eine Kontrolle, ob ein Fahrzeughalter wirklich auch die S-Bahn nutzt oder aus anderen Gründen auf einem der Park-and-ride-Plätze sein Auto abstellt, ist zwar theoretisch denkbar, praktisch wäre sie laut Dagmar Heerdt aber wenig aussagekräftig, weil es keinen Parkberechtigungsschein oder Ähnliches gebe, aus dem ersichtlich wird, dass der jeweilige Fahrzeugführer tatsächlich berechtigt ist, sein Fahrzeug abzustellen.

Stadt: Parkgebühren sorgen für zugeparkte Wohngebiete

Eine Möglichkeit, die Stellplätze für Anwohner und Firmenmitarbeiter weniger attraktiv zu machen, wären natürlich Parkgebühren – doch dafür besteht aus Sicht der Stadt keine Notwendigkeit. „Sollte sich das Thema aber weiter verschärfen, wird sich die Stadtverwaltung natürlich auch diesem Thema zuwenden und nach einer Lösung suchen.“ Dass als Folge des Feinstaubalarms in Stuttgart auch in Weinstadt immer mehr Menschen auf die Bahn umsteigen und ihr Fahrzeug in Nähe der S-Bahn-Haltestellen stehen lassen möchten, ist laut Dagmar Heerdt im Grunde sehr erfreulich. „Hier möchte die Stadtverwaltung erst einmal zuwarten, ob der Trend so weitergeht, um dann gegebenenfalls die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen. Ob die Einführung einer Gebühr von Vorteil wäre, ist schwer vorherzusagen. Denn der Einführung einer solchen Gebühr muss auch immer ein Kontrollmechanismus folgen.“

Unabhängig von diesem Mehraufwand zeigen nach Dagmar Heerdts Angaben auch Erfahrungen in anderen Kommunen, dass die Gebühren dazu verleiten, dass Fahrzeuge verstärkt in umliegenden Wohngebieten abgestellt werden – mit allen negativen Folgen wie Suchverkehr und Parkdruck. „Auch konterkartiert eine Gebühr den Anreiz für die Pendler, auf die S-Bahn umzusteigen.“
 

500 Parkplätze

In Weinstadt gibt es insgesamt drei Park-and-ride-Plätze, die sich im Eigentum der Stadt Weinstadt befinden und die kostenlos sind. An der Haltestelle Beutelsbach stehen 200 Stellplätze bereit, am Bahnhof Endersbach 88 Stellplätze und am Bahnhof Stetten-Beinstein 212.

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