Weinstadt-Baach Krötentunnel unter der Straße verstopft

Hans Ruff vom Naturschutzbund Weinstadt setzt sich schon seit Jahrzehnten für den Schutz von Kröten ein. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Weinstadt-Baach.
Das Leben vieler Kröten bei Baach sieht Naturschützer Hans Ruff aktuell gefährdet. Mitten in der Laichzeit hat der Schnaiter festgestellt, dass der Krötentunnel unter der Kreisstraße am Ortsausgang Richtung Baltmannsweiler stark verstopft ist. Zudem sind die Leitrohre, die parallel zur Straße die Amphibien sicher zu dem Tunnel führen sollen, schon seit längerem teilweise kaputt. Durch eine Baumfällung, betont Ruff bei einem Ortstermin mit unserer Zeitung, sei das Leitsystem erst jüngst weiter beschädigt worden. Den Schnaiter, der auch Jagdpächter sowie Jugendleiter beim Naturschutzbund Weinstadt (Nabu) ist, ärgert das. „Das gehört normalerweise schon lange saniert.“

Bis Mitte der 90er Jahre hat sich Hans Ruff nach eigenen Angaben selbst um den Zustand des Krötentunnels und des Leitsystems gekümmert. Die Frage ist nun, wer eigentlich aktuell zuständig ist. Ist es der Landkreis, weil es sich um eine Kreisstraße handelt? Oder doch die Stadt Weinstadt? Hans Ruff erinnert sich noch gut an jene Zeit, als er mit Kindern half, Grasfrösche und Erdkröten einzusammeln und über die Straße zu transportieren. Er baute auch einst mit dem Nachwuchs in jedem Frühjahr Krötenzäune auf, die er nach Ablauf der Laichzeit wieder abbaute und in seinem Schnaiter Haus lagerte. Auf Seite des Parkplatzes beim Gasthof Adler liegt der Bach, von dem aus sich die Tiere laut Ruff in der Laichzeit zu dem Tümpel aufmachen, der auf der anderen Seite der Straße liegt. Das Krötenleitsystem ist nach Angaben von Hans Ruff Anfang der 90er Jahre errichtet worden. Der Krötentunnel sei anfangs immer von der Freiwilligen Feuerwehr gereinigt worden, indem diese mit dem Schlauch einmal durchspritzte. Hans Ruff hat dafür den Ehrenamtlichen zum Dank nach eigenen Angaben Getränke spendiert. Wie die Reinigung des Tunnels nach seinem Rückzug Mitte der 90er erfolgte, entzieht sich seiner Kenntnis.

Die Einrichtung ist schon länger nicht mehr funktionsfähig

Fakt ist, dass die Stadt Weinstadt weder für den Krötentunnel noch für das Krötenleitsystem zuständig ist. Dies sei Sache des Landratsamts, betonte der Weinstädter Pressesprecher Holger Niederberger nach Rücksprache mit dem örtlichen Tiefbauamt. Grund dafür ist, dass es sich um eine Kreisstraße handelt. Deshalb muss sich der Rems-Murr-Kreis um die Unterhaltung der Amphibienschutzeinrichtung kümmern. Speziell die Einrichtung in Baach ist nach Angaben des Landratsamts schon länger nicht mehr funktionsfähig. „Das Durchlassrohr wurde gemäß den damals geltenden Regelwerken ausgeführt. Nach heutigen Erkenntnissen ist der Durchmesser aber viel zu klein, um von Amphibien angenommen zu werden“, teilt Pressesprecherin Leonie Ries mit. Auch die Kunststoffleitelemente seien seit einigen Jahren schon nicht mehr funktionsfähig. Diese seien nicht erneuert worden, da eine Leiteinrichtung ohne funktionierende Querung, auf die diese „zuleiten“, keinen Sinn ergebe. Da sich zudem das Wanderverhalten der Amphibien in den vergangenen Jahren in diesem Bereich verändert habe, sei das gesamte System an dieser Stelle aus naturschutzfachlicher Sicht nicht mehr unterhaltungs- und sanierungswürdig.

Landratsamt arbeitet an Lösung

Das Straßenbauamt und das Amt für Umweltschutz planen bereits ein neues Amphibienschutzsystems in diesem Bereich. „In einem ersten Schritt wird ein Gutachten zu den Wanderbewegungen in Auftrag gegeben. Auf dieser Grundlage entsteht dann die Vor- und Entwurfsplanung“, erläutert Leonie Ries. Als vorgreifende Maßnahme wurde nach ihren Angaben in diesem Bereich bereits straßenbegleitendes Gehölz zurückgenommen. Je nach Ergebnis des Gutachtens könnte – durch eine Verlagerung der Wanderwege – neben dem Amphibienleitsystem an der Kreisstraße 1862 auch ein weiteres an der Kreisstraße 1210 im Landkreis Esslingen notwendig werden. „In diesem Fall wäre der Landkreis Esslingen am Projekt beteiligt. Der Landkreis Rems-Murr wird in diesem Fall auf den Landkreis Esslingen zugehen“, schreibt Leonie Ries.

Es könnte übrigens sein, dass es bald neue ehrenamtliche Helfer gibt, die sich für die Kröten engagieren. Nabu-Jugendleiter Hans Ruff sagte unserer Zeitung, dass der Weinstädter Jugendgemeinderat hier gerne Verantwortung übernehmen würde. Eine Nachfrage bei Jugendgemeinderat Denis Russ ergab, dass die Jugendlichen etwas tun wollen. „Da gibt es aber noch keinen konkreten Plan.“

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