Weinstadt Baustelle am Bahnhof Stetten-Beinstein sorgt für Ärger

Die Umbauarbeiten an der Haltestelle Stetten-Beinstein in Endersbach sind für die S-Bahn-Kunden mit zahlreichen Einschränkungen verbunden. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Weinstadt-Endersbach.
Warum denkt die Deutsche Bahn bei provisorischen Brücken eigentlich nicht an Menschen mit Rollator und Kinderwagen? Fakt ist, dass die an der S-Bahn-Haltestelle Stetten-Beinstein eingerichtete Brücke nur über reine Treppen verfügt. Es gibt einfach keine Rampe. Und dann sind es auf beiden Seiten jeweils 60 Stufen, die bewältigt werden müssen. Wer hier ein Fahrrad oder einen Kinderwagen hochtragen will, braucht ordentlich Muskelkraft.

Eine Anwohnerin hat unsere Zeitung auf den Missstand jüngst aufmerksam gemacht. Und sie hat noch eine Reihe weiterer Probleme aufgelistet. Die Frage ist nun: Wird die Deutsche Bahn all das ernst nehmen und reagieren?

Bauarbeiten sollen bis Ende 2020 andauern

Mit der Baustelle an der Haltestelle Stetten-Beinstein in Endersbach werden die Menschen jedenfalls länger leben müssen. Bis Ende 2020 sollen die Arbeiten andauern. Der Grund dafür ist zunächst etwas, wofür die Stadt Weinstadt jahrelang gekämpft hat: die Einrichtung eines barrierefreien Zugangs zum Bahnsteig. Dazu wird die Deutsche Bahn je einen Aufzug pro Bahnsteig bauen. Allerdings läuft das Projekt alles andere als reibungslos.

Anfang November gab es Kritik von Radfahrern

Alles fing damit an, dass die Bahn die Stadt Weinstadt sehr kurzfristig informierte. Das hatte zur Folge, dass auch die Stadt nicht auf alles bestens vorbereitet war. So fielen am Montag, 4. November, plötzlich Abstellplätze für Radfahrer auf der Südseite der S-Bahn-Haltestelle Stetten-Beinstein weg. Leserin Antje Bühl aus Endersbach meldete sich daraufhin bei unserer Zeitung und machte ihrem Unmut Luft. „Können Sie mir bitte sagen, wo die Fahrradfahrer nun das Rad abstellen können?“

Holger Niederberger, Pressesprecher der Stadt Weinstadt, versprach auf Nachfrage, dass die Stadt schnell Ersatzflächen bereitstellen wird. Dies ist dann auch tatsächlich rasch passiert. Niederberger betonte diese Woche, dass an der Haltestelle Richtung Sommer 2020 noch eine weitere Ersatzfläche für Räder geschaffen werden soll. Andere Probleme sind indes schwerer zu lösen.

Durch die Baustelle fehlen an der ohnehin von Autos chronisch zugeparkten Haltestelle 40 Parkplätze, für die es bis Ende 2020 keinen Ersatz gibt. Dies, sagt eine Anwohnerin, führe dazu, dass vermehrt Autofahrer ganz nah an die Haltestelle ranfahren und dort auf Leute warten, die sie abholen wollen. Den Vorwurf weist ein Sprecher der Bahn indes zurück. Die Bauüberwachung vor Ort habe das von der Anwohnerin beschriebene Verkehrschaos so nicht wahrgenommen.

Laut der Bahn ist alles alternativlos

Zum Vorwurf, mit der Brücke auf behinderte Menschen oder Eltern mit Kinderwagen keine Rücksicht zu nehmen, stellt die Bahn fest, dass sie keine Alternative habe. „Für die Umbauarbeiten im Bereich der bestehenden Personenunterführung ist als Ersatz lediglich eine Überquerung der Gleise inklusive Oberleitungsanlagen möglich.“ Der Höhenunterschied des Stegs über die Gleise definiert sich laut dem Bahnsprecher über das Regelwerk der Deutschen Bahn und ist aus Sicherheitsgründen (wegen der Oberleitung) höher als bei der Unterquerung der Gleise, wo etwa die Hälfte der Stufen zu bewältigen sind.

Um Reisenden mit Mobilitätseinschränkungen die Planung zu erleichtern, hat die Bahn die Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) eingerichtet. Deren Mitarbeiter würden notwendige Hilfen beim Ein-, Um- und Aussteigen organisieren – und zwar auch für die Kunden, die mit anderen Eisenbahnunternehmen als der Deutschen Bahn reisen. Die Anmeldung der Hilfeleistung erfolgt unter 01 80/6 51 25 12 (Festnetz: 20 Cent/Anruf, Mobilfunk maximal 60 Cent/Anruf), per Fax unter 01 80/5 15 93 57 (Festnetz: 14 Cent/Minute, Mobilfunk max. 42 Cent/Minute) oder per E-Mail unter msz@deutschebahn.com.

Erreichbar ist die Mobilitätsservice-Zentrale montags bis freitags von 6 bis 22 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 8 bis 20 Uhr. Grundsätzlich empfiehlt der Bahnsprecher, sich für eine verbindliche Zusage spätestens bis 20 Uhr eines Werktages vor Abfahrt anzumelden. „An Bahnhöfen mit Servicepräsenz helfen unsere Servicemitarbeiter auch bei spontanen Anfragen um Mobilitätshilfe, jedoch kann die Hilfeleistung nicht garantiert werden, wenn unsere Mitarbeiter gerade anderweitig gebunden sind.“

Zugang zur Haltestelle zwar barrierefrei, doch ein Problem bleibt

Sobald die Personenunterführung wieder begehbar ist, wird sie laut der Bahn geöffnet. Voraussichtlich soll dies im September 2020 erfolgen. Selbst wenn der Zugang zur Haltestelle nach den Bauarbeiten barrierefrei sein wird, bleibt ein Problem: Zwischen Bahnsteig und Zug klafft ein Spalt von 26 Zentimetern, bei einem Höhenunterschied von 25 bis 35 Zentimetern. Der Weinstädter Sprecher Holger Niederberger versichert, dass die Aufzüge immerhin so gebaut werden, dass sie bei einer späteren Veränderung der Bahnsteighöhe betriebsfähig bleiben. Wenn das stimmt, fallen wenigstens in Zukunft keine unnötigen Mehrkosten an.

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