Weinstadt-Beutelsbach Neue Schule, neue Kita: Grundschule soll abgerissen werden

Die Grundschule Beutelsbach soll abgerissen werden. Foto: ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Weinstadt-Beutelsbach.
Die Sanierung der jahrzehntealten Beutelsbacher Grundschule ist vom Tisch. Stadtverwaltung und Gemeinderat wollen an Ort und Stelle einen Neubau – und das macht die Sache kompliziert. Wer auf der grünen Wiese baut, der kann bei Fertigstellung einfach umziehen. So aber muss Zug um Zug abgerissen werden – und der Unterricht muss trotz Baustelle irgendwie gestemmt werden. Dazu kommt, dass Weinstadt auf dem Gelände an der Stiftstraße auch noch eine Kita bauen möchte. Wie will die Stadt das alles meistern – und was heißt das eigentlich für die Zukunft des maroden Stiftsbads? Soll das 1970 erbaute Hallenbad nun abgerissen werden?

Baubürgermeister: Sanierung ist unwirtschaftlich

Auf der Basis des im Oktober 2017 erstellten Schulentwicklungsplans des Bonner Büros Biregio hat die Stadt untersuchen lassen, ob die Grundschule Beutelsbach saniert werden soll oder gleich einem Neubau weichen muss. Dazu wurden das Tübinger Büro Schneck Schaal Braun sowie das Stuttgarter Büro LW Konzept beauftragt. Ergebnis: Wegen der vorhandenen Statik des Gebäudes ist eine Sanierung unwirtschaftlich. Sowohl beim Wärme- als auch beim Schallschutz wären die Eingriffe nach Darstellung der Weinstädter Stadtverwaltung so tiefgreifend, dass der Aufwand nicht vertretbar sei. Heißt: Es bleibt nur noch der Neubau.

Eingeschossig oder zweigeschossig?

Zusätzlich versucht die Verwaltung, an diesem Standort auch noch ein neues Kinderhaus zu bauen. Zwei Optionen gibt es dafür: Wenn neben der neuen Grundschule eine zweigeschossige Kita mit fünf Gruppen entsteht, kann das benachbarte Stiftsbad erhalten werden. Wenn hingegen eine eingeschossige Kita gebaut würde, dann müsste das Stiftsbad abgerissen werden. Für beide Varianten wäre es nötig, die Maßnahmen auf zwei Bauabschnitte aufzuteilen. Die Stadtverwaltung hat sich indes entschieden, das Stiftsbad erst mal zu erhalten – obwohl fraglich ist, wie lang der Badebetrieb dort noch möglich ist. Der Gemeinderat hatte zudem einst beschlossen, kein Geld mehr in das marode Hallenbad zu stecken, wenn eine größere Investition nötig werden sollte. Dennoch folgten die Stadträte im Technischen Ausschuss jetzt beim geplanten Neubau der Schule und Kita erst mal der Marschrichtung der Verwaltung, die das Stiftsbad nicht abreißen will.

Freie-Wähler-Stadtrat Armin Zimmerle erinnerte indes daran, dass die Verwaltung vor Jahren noch etwas anderes geplant hat. Damals war angedacht, zur Refinanzierung des Bauprojekts an der Stiftstraße entlang Wohnungen zu errichten. Von Hochbauamtsleiterin Danielle Göhner bekam er daraufhin zu hören, dass wegen der geplanten Kita dort gar nicht mehr so viele Wohngebäude entstehen könnten. CDU-Stadtrat Friedrich Dippon findet es indes gut, dass die Stadt alle Grundstücke behält. „Den Platz brauchen wir im Flecken.“ Hans Randler (SPD) betonte, dass die Stadt einst vor Jahren die Gelegenheit gehabt hätte, ein weiteres Grundstück in der Nähe des Grundschulareals zu kaufen. Die Chance sei vertan worden – und jetzt sei es zu einem viel höheren Preis verkauft worden, wie die Flächen im Wohngebiet Halde V.

Schule und Kita werden in einem Zug geplant

Die neue Schule und Kita werden in einem Zug geplant. Alles andere, betont Baubürgermeister Thomas Deißler, wäre wirtschaftlich nicht klug. Die alte Grundschule wird Schritt für Schritt zurückgebaut, damit der Unterrichtsbetrieb weiter gestemmt werden kann. Und schon jetzt ist klar: Es soll dann eine offene Ganztagsgrundschule werden. Die Gesamtlehrerkonferenz der Grundschule hat sich bereits dafür ausgesprochen. Die Kita wird 1500 Quadratmeter Bruttogrundfläche haben, die Grundschule 3290. Hochbauamtsmitarbeiter Marco Tucciarone fügte hinzu, dass der Baustart für die neue Schule Mitte 2022 sein soll. Mit dem Bau der Kita soll 2024 oder 2025 begonnen werden. GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger regte an, ressourcenschonend zu bauen und auf Holz und Recyclingbeton zu setzen. CDU-Stadtrat Friedrich Dippon, selbst Zimmerermeister, sah es genauso. „Das sind wir unserer Nachwelt schuldig.“

Klar ist, dass die Kosten für Abriss und Neubau der Beutelsbacher Grundschule bei mehr als zehn Millionen Euro liegen werden. Der Neubau auf der grünen Wiese ist hingegen schon lange keine Option mehr. 2015 rechnete die Stadtverwaltung vor, dass dieser acht Millionen Euro kosten würde – ohne die Ausgaben für den Grunderwerb. Bei einem Verkauf des alten Grundschulareals ging die Stadt damals von Einnahmen von rund 1,6 Millionen Euro aus. Die fünf Jahre alten Zahlen dürften freilich längst höher sein. Möglich gewesen wäre ein Neubau im Gebiet „Deitwiesländer“ am Ortsrand Richtung Endersbach oder auf der Westseite der Beutelsbacher Halle. Letzteres hätte den Vorteil gehabt, dass die Schule von Schnaiter und Beutelsbacher Kindern hätte besucht werden können.

Idee einer gemeinsamen Schule mit Schnait wurde längst verworfen

Dieser Plan wurde indes wieder verworfen. Wäre er verfolgt worden, hätten Verwaltung und Gemeinderat mit starken Protesten von Schnaiter Eltern rechnen müssen, die gegen die Schließung ihrer Schule vorgegangen wären. Die jetzige Lösung mit dem Neubau am alten Beutelsbacher Standort ist weniger konfliktträchtig, aber natürlich teurer.

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