​​​​​​​Weinstadt-Beutelsbach Schwimmmeister-Mangel im Land

Schwimmmeister und Rettungsschwimmer sorgen in den Weinstädter Bädern – hier im Beutelsbacher Freibad – für Sicherheit. Foto: Schneider / ZVW

Weinstadt-Beutelsbach. Schwimmmeister sind in Baden-Württemberg Mangelware. Einem dpa-Bericht zufolge fehlen im Land rund 400 Fachkräfte. Ein Drittel der Lehrstellen sei unbesetzt geblieben. Mancherorts, wie im Stuttgarter Inselbad, mussten Bäder die Öffnungszeiten kürzen, andernorts sogar schließen. In Weinstadt ist der Mangel noch nicht angekommen – doch auch hier ist die Personaldecke dünn.

Bloß nicht krank werden. Bloß nicht ausfallen. Dieser Gedanke dürfte den drei Weinstädter Schwimmmeistern nicht fremd sein. Denn wenn einer von ihnen für längere Zeit nicht zur Arbeit kommen kann und sich kein geeigneter Ersatz findet, bleibt nur eines: Dann müssen die Öffnungszeiten der örtlichen Bäder gekürzt werden.

„Vom Personal her kommen wir gerade hin“

Derzeit sind glücklicherweise alle drei Fachangestellten gesund und munter. Entsprechend positiv beschreibt Bäderamtsleiter Karl-Heinz Preget die Lage. Zwar ist ihm bewusst, dass die Hauptämtler die Bäder gerade an Wochenenden nur dank nebenberuflicher Rettungsschwimmer öffnen können. Doch die Zeiten sind abgedeckt, und auch im Krankheitsfall reichen seiner Erfahrung nach die Helfer als Puffer. Es sei in den vergangenen 30 Jahren noch nie so weit gewesen, dass er bei einer Nachbarkommune um eine Aushilfskraft bitten oder gar einen Ersatz suchen musste. „Insofern sehen wir das relativ entspannt.“

Beim Gespräch mit Sylvia Brüchner erscheint die Lage angespannter. Sie gehört nicht nur selbst zu den drei Schwimmmeistern, sondern ist auch Betriebsleiterin der beiden Freibäder in Strümpfelbach und Beutelsbach sowie des Beutelsbacher Hallenbads. „Im Moment sind wir so weit gut bestückt“, sagt zwar auch sie. „Vom Personal her kommen wir gerade hin.“

Doch Brüchner gibt offen zu: Für längere Zeit krank werden sollte keiner der hauptamtlichen Mitarbeiter. Denn einige Aufgaben dürfen nur von ausgebildeten Fachkräften für Bäderbetriebe – so heißen Schwimmmeister mittlerweile – erledigt werden. Zum Beispiel dürfen nur sie mit chemischen Zusätzen zum Badewasser wie Chlor oder PH-Wert-Senkern hantieren.

Je nachdem, wie lange eine Fachkraft ausfällt, sind deshalb die Rettungsschwimmer kein ausreichender Ersatz. Da es keine Garantie dafür gibt, dass auf die Schnelle eine ausgebildete Hilfskraft gefunden oder von einer Nachbarkommune geliehen werden könnte, geht sie im Ernstfall eher von verkürzten Öffnungszeiten aus. Zumal es im Land sowohl an Fachkräften als auch an Azubis fehlt, wie verschiedene Medien übereinstimmend berichten.

Rettungsschwimmer helfen aus – sind aber schwer zu finden

Selbst Rettungsschwimmer, die an Wochenenden und seltener unter der Woche die Aufsicht am Beckenrand übernehmen, sind dünn gesät. Erst kürzlich ist ein entsprechendes Stellenangebot der Stadt im Sand verlaufen.

Über die unbesetzten Lehrstellen wundert sich Brüchner nicht. Viele Azubis fänden sich nach der Lehrzeit nur am Beckenrand wieder. „Das bietet ja gar keinen Anreiz. Man müsste den Beruf wieder attraktiver machen.“ Bei dem erfolglosen Stellenangebot hingegen könnte der Haken die große Verantwortung sein, vermutet sie. In den übersichtlichen Weinstädter Bädern gibt es nur eine Aufsichtsperson pro Schicht. Für junge Rettungsschwimmer sei es da attraktiver, an einem See Dienst zu schieben. Dort seien sie Teil eines größeren Teams. So könnten sie auch mal den Posten wechseln oder guten Gewissens eine Pause einlegen. Sie selbst kennt das Dilemma: Kann ich jetzt aufs WC gehen? Geht es später? Oder muss ich es mir ganz verkneifen?

Doch schon allein wegen der familiären Atmosphäre – viele Besucher seien Stammkunden – schätzt Büchner ihren Job in Weinstadt. Zumal er aus weit mehr als nur Aufsicht besteht. Während der Aufsicht versorgt sie Kinder mit Schwimmtipps und Pflästerchen, schlichtet Streit, nimmt Feedback entgegen.

Dazu kommen für sie als Schwimmmeisterin und Betriebsleiterin weitere Aufgaben. Wenn sie morgens um sechs Uhr die Frühschicht im Beutelsbacher Freibad antritt, sorgt sie für gute Wasserqualität, saubere Becken, Toiletten und Mülleimer. Sie plant Schichten, erledigt Abrechnungen, gibt Bestellungen auf. „Das macht diesen Beruf so abwechslungsreich.“ Und wenn sie nach einem Spätdienst um 22 Uhr das Gelände verlässt, ist sie zufrieden – denn die Gäste danken ihr die Mühe.


Stadt sucht Helfer

Wer den Rettungsschwimmerschein Silber hat und mindestens 18 Jahre alt ist, kann sich in den Weinstädter Bädern als Aufsicht etwas dazuverdienen. Eine entsprechende Stellenanzeige hatte die Stadt Weinstadt kürzlich veröffentlicht. Die Ausschreibungsfrist ist zwar mittlerweile abgelaufen, gesucht wird jedoch weiterhin.

Ansprechpartner beim Weinstädter Personal-, Sport- und Bäderamt sind der Amtsleiter Karl-Heinz Preget sowie dessen Stellvertreterin Iris Günthner () 0 71 51/693 -218 beziehungsweise -216). Darüber hinaus kann die DLRG-Ortsgruppe Remshalden-Weinstadt interessierten Mitgliedern den Kontakt herstellen.

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