Weinstadt-Beutelsbach Theresa Wangner wird 101 Jahre alt

Ihr Zimmer im Beutelsbacher Luitgardheim ist voll mit Familienfotos: Theresa Wangner (101 Jahre) lebt seit 2015 hier und bekommt regelmäßig Besuch von ihren Kindern. Zuvor hat die geistig nach wie vor sehr fitte Seniorin in Fellbach gewohnt. Foto: Markus Metzger

Weinstadt-Beutelsbach. „Sie sind mein Ein und Alles“: Die Besuche ihrer Kinder sind die größte Freude für Theresa Wangner. Die Seniorin hört und sieht nicht mehr so gut, aber geistig ist sie noch sehr fit. Im Beutelsbacher Luitgardheim, in dem sie seit 2015 wohnt, genießt sie vor allem das wöchentliche Bingo-Spielen. An diesem Donnerstag feiert sie nun mit ihrer Familie ihren 101. Geburtstag.

„Mein Helmut kommt immer und bringt mir Sachen, die ich brauche“: Theresa Wangner sitzt auf ihrem Stuhl in ihrem Zimmer und sieht ihren Sohn liebevoll an. Helmut Mack (72) wohnt im benachbarten Endersbach und besucht zwei- bis dreimal in der Woche seine Mutter im Beutelsbacher Luitgardheim. Auch die Tochter, die weiter weg wohnt, schaut regelmäßig vorbei. Für Theresa Wangner ist das sehr wichtig, schließlich ist sie nicht mehr so mobil wie früher.

Fernsehen kann sie auch nicht mehr, weil die Augen nicht mehr so mitmachen. Dennoch bleibt Theresa Wangner nicht nur in ihrem Zimmer: Jeden Mittwoch macht sie beim Spielenachmittag im Luitgardheim mit und spielt dort mit Leidenschaft Bingo. An diesem Donnerstag nun feiert sie ihren 101. Geburtstag – und Helmut Macks Frau Sieglinde Mack hat dafür selbst gemachte Maultaschen zubereitet: Diese isst die Seniorin für ihr Leben gern.

Auf dem Bauernhof aufgewachsen

Geboren ist Theresa Wangner am 10. Oktober 1918 in Spielberg in der Steiermark. Aufgewachsen ist sie auf einem Bauernhof, den die Eltern bewirtschafteten. Einen Beruf hat die 101-Jährige zwar nie erlernt, aber dennoch war sie viele Jahre beruflich aktiv. Im Alter von 18 Jahren fing die gläubige Christin an, in einer Hauswirtschaftsschule eines Schweizer Klosters zu arbeiten. Damals war Theresa Wangner noch Mitglied der Katholischen Kirche. In jenem Kloster passierte etwas Einschneidendes, wie ihr Sohn Helmut Mack erzählt: Als sie plötzlich Schmerzen bekam, sagten ihr die Nonnen, sie solle diese aushalten und als gottgegeben hinnehmen. Das habe seine Mutter jedoch nicht getan, was gut gewesen sei – denn es stellte sich heraus, dass Theresa Wangner eine Blinddarmentzündung hatte und dringend ärztliche Hilfe benötigte. Danach, erzählt der Sohn, sei seine Mutter aus der Katholischen Kirche ausgetreten und Mitglied der Evangelischen Kirche geworden.

Gläubig ist Theresa Wangner bis heute. Ihr Sohn hat ihr deshalb vor nicht allzu langer Zeit Weihwasser aus ihrem alten Heimatort Spielberg mitgebracht – just aus jener Dorfkapelle, die sie als Kind besucht hat. Das Foto von ihrem alten Elternhaus, auf dem jene Kapelle zu sehen ist, steht in ihrem Zimmer, neben anderen Familienfotos. „Mir haben nicht viel gehabt, aber wir waren zufrieden“, sagt die 101-Jährige. Stets hat sie dabei viel Wert darauf gelegt, hart zu arbeiten und sparsam zu leben. Bei der Süßwarenfirma Friedel war sie 28 Jahre lang tätig, von 1950 bis 1978 – erst in Cannstatt, dann in Rommelshausen. Als Leiterin des Wareneingangs und -ausgangs konnte sie sich dabei unter all den männlichen Mitarbeitern gut durchsetzen, wie ihr Sohn weiß. Bis heute gibt es Dinge, die seine Mutter auch mit 101 Jahren nicht leiden kann. „Sie kann keine Unordnung brauchen.“

Beim früheren Fellbacher Oberbürgermeister stets nachgehakt

Nachdem die erste Ehe geschieden wurde, heiratete Theresa Wangner 1973 ihren Arbeitskollegen. Mit ihm machte sie viele Reisen, von Venedig bis nach Jerusalem. Auch als ihr zweiter Mann starb, unternahm Theresa Wangner viel. In ihrem damaligen Wohnort Fellbach, den sie erst 2015 Richtung Beutelsbach verließ, setzte sich die Seniorin stets für die Belange ihrer Altersgenossen ein. Der behindertengerechte Ausbau der Stadtbahn-Haltestelle bei der Lutherkirche war eines ihrer Anliegen, das sie hartnäckig immer wieder beim damaligen Oberbürgermeister Christoph Palm anmahnte. Den Fellbacher OB schätzt Theresa Wangner bis heute, allerdings gilt das nicht für alle Politiker. Ihr Wunsch: „Unsere Regierung, die sollte ein bisschen ehrlich sein.“


Viele Enkel

Theresa Wangner hat aus erster Ehe zwei Kinder: eine Tochter (Jahrgang 1940) und einen Sohn (Jahrgang 1946). Dazu gesellen sich mittlerweile fünf Enkelkinder und drei Urenkel.

Gefeiert wird an diesem Donnerstag im Kreis der Familie im Beutelsbacher Luitgardheim.

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