Weinstadt-Beutelsbach Transporter-Falle: Eine Chronik der Unfälle

24. Juli 2002: Ein Kleinlaster fährt mit einem 2,5 Meter hohen Aufbau in die Beutelsbacher Bahnunterführung, die aber nur für maximal zwei Meter hohe Fahrzeuge gemacht ist. Foto: ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Weinstadt-Beutelsbach.
Sprinter und Laster bleiben in der Beutelsbacher Bahnunterführung seit mehr als einem Vierteljahrhundert hängen. Keine einzige Warnvorrichtung konnte das bisher verhindern. Wir haben im elektronischen Archiv unserer Zeitung recherchiert und 21 Unfälle gefunden, die wir hier dokumentieren. Das ist natürlich keine vollständige Übersicht. Fakt ist, dass die Polizei unserer Zeitung nicht alle Unfälle in der Beutelsbacher Bahnunterführung von sich aus mitteilt. Dies tut sie in der Regel erst, wenn es zu einem größeren Schaden gekommen ist und die Durchfahrt länger gesperrt wird.

Von den Unfällen erhalten wir oft nur deshalb Kenntnis, weil Bürger ein Foto in der Weinstadt-Gruppe auf Facebook veröffentlicht haben. Oder in der Gruppe „DIE Unterführung (Beutelsbach)“, die sich nur um die Transporter-Falle dreht. Aus Sicht der Weinstädter Stadtverwaltung lässt sich das Problem baulich nur durch eine Tieferlegung der Straße lösen – und die Kosten dafür liegen laut Pressesprecher Holger Niederberger im mehrstelligen Millionenbereich.

Deutschlandweit enorme volkswirtschaftliche Schäden

Das Problem ist, dass es sich nicht um eine Nebenstraße handelt, sondern um eine der beiden nördlichen Hauptverkehrswege in die Beutelsbacher Ortsmitte, die noch dazu an ein Gewerbegebiet grenzt. Maximal zwei Meter hoch dürfen durchfahrende Fahrzeuge sein – doch wer weiß schon, wie hoch das eigene Gefährt ist?

Menschen, die sich etwa für einen Umzug einen Sprinter ausleihen oder ein Wohnmobil für einen Urlaub, haben davon in der Regel keine Kenntnis. Selbst jene, die beruflich ständig mit einem Kleinlaster unterwegs sind, schätzen die Lage falsch ein, wie die Fälle mit Paketdiensten belegen.

Das ist nicht nur in Beutelsbach ein Problem. „Häufig werden neben Fahrzeug und Ladung auch die Brücken- oder Tunnelbauwerke stark beschädigt. Die volkswirtschaftlichen Schäden durch Staus oder tagelang erforderliche Umleitungen sind enorm“, schreibt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft auf seiner Internetseite.

21 Unfälle von den frühen 90ern bis heute

Anfang der 90er Jahre: Ein israelischer Urlauber bleibt samt seinem in Remshalden ausgeliehenen Wohnmobil in der Beutelsbacher Bahnunterführung hängen. Der Mann hat sich laut dem Wohnmobilvermieter auf dem Rückweg von einer Tour durch Deutschland befunden. Die Beutelsbacher Feuerwehr muss das Fahrzeug befreien. Die Unterführung selbst wird nicht beschädigt, der Schaden am Fahrzeug jedoch liegt bei 30 000 D-Mark.

24. Juli 2002: Ein Esslinger Kleinlasterfahrer fährt mit einem 2,5 Meter hohen Aufbau in die Beutelsbacher Bahnunterführung. Die Polizei schätzt den Schaden am Fahrzeug auf rund 18 000 Euro, den Schaden an der Brücke auf 7000 Euro.

21. August 2008: Ein Kleinlaster bleibt in der Unterführung hängen. Der Transporter verkeilt sich und muss geborgen werden. Folge: Der Verkehrsfluss ist eine halbe Stunde beeinträchtigt. Die damals 19-jährige Fahrerin, die den Transporter für einen Möbeltransport leiht, hat das Durchfahrtsverbot nicht beachtet.

25. September 2012: Mit seinem 3,1 Meter hohen Fahrzeug fährt ein damals 48-Jähriger in die Beutelsbacher Bahnunterführung. Der Schaden liegt bei 5000 Euro.

12. August 2013: Ein damals 59-jähriger Ford-Transit-Fahrer bleibt gegen 18.30 Uhr in der Bahnunterführung hängen. Der Planen-Aufbau muss von einem Abschleppdienst extra abgebaut werden. Deshalb kommt es bis 20 Uhr zu Verkehrsbehinderungen.

6. Oktober 2015: Die Transporter-Falle schnappt am selben Tag gleich zweimal zu. Zwei Fahrzeuge bleiben hängen, weshalb die S-Bahn-Strecke zwischen Endersbach und Grunbach stundenlang gesperrt werden muss. Folge: Regionalzüge und S-Bahnen verspäten sich oder fallen gleich vollständig aus.

18. Juli 2016: Ein Kleintransporter mit Spezialaufbau für Glasscheiben kommt nicht ganz durch. Herunterfallende Teile beschädigen das Auto eines anderen Verkehrsteilnehmers.

23. September 2016: Ein Krankenwagen bleibt in der Beutelsbacher Bahnunterführung stecken. Laut Polizei gibt es keine nennenswerten Schäden an der Brücke, das Fahrzeug wird ohne Abschleppwagen befreit.

26. September 2016: Ein Möbeltransporter der Firma XXX-Lutzgruppe bleibt hängen. Schaden an der Brücke gibt es nicht.

9. Oktober 2016: Ein Transporter steckt fest.

20. Oktober 2016: Ein Kleinlastwagenfahrer muss erfahren, dass sein Fahrzeug offenbar höher als zwei Meter ist.

15. Februar 2017: Ein weißer Transporter schafft es nicht durch die Unterführung.

8. März 2017: Ein 35-jähriger Fahrer eines Paketdienstes vertraut seinem Navigationsgerät und fährt über die Cannonstraße in Richtung Poststraße – ein folgenschwerer Fehler.

9. Mai 2017: Ein Kleinlastwagen bleibt hängen. Auf der Facebookseite des Zeitungsverlags erhält unser Bericht innerhalb von 40 Minuten 50 „Gefällt-mir“- und „Ha-ha“-Klicks.

18. Dezember 2017: Der 54-jährige Fahrer eines erst drei Monate alten Kleinlasters fährt von der Südseite in die Beutelsbacher Transporter-Falle. Die Polizei geht von einem Schaden am Fahrzeug im fünfstelligen Bereich aus.

19. Dezember 2017: Ein von der Nordseite kommender Kleinlaster bleibt stecken. Der sogenannte Höhenbegrenzer, den die Stadt Weinstadt dort am 7. Dezember 2017 installiert hat, kann dies nicht verhindern. In der Theorie klingt die Vorrichtung vielversprechend: Ein Fahrer eines Fahrzeugs, das mehr als zwei Meter hoch ist, erhält durch herunterhängende Ketten einen Schlag gegen die Frontscheibe und soll so dazu angehalten werden, noch rechtzeitig zu bremsen. Die Polizei hat nach eigenen Angaben keinen Hinweis, dass der Höhenbegrenzer von Unbekannten manipuliert wurde und deshalb nicht funktionieren konnte.

14. April 2018: Von der Beutelsbacher Ortsmitte aus fährt ein damals 43-jähriger Mann gegen 6.30 Uhr in die Unterführung. Er bleibt erst stecken, kann dann aber ohne fremde Hilfe rückwärts wieder herausfahren. An der Unterführung entsteht nur geringer Schaden.

6. Juni 2018: Obwohl die Weinstädter Stadtverwaltung zu den Warnschildern auch noch Höhenbegrenzer installiert hat, erwischt es eine damals 61-jährige Fahrerin, die sich nach Angaben der Polizei der Maße ihres Fahrzeugs nicht bewusst gewesen ist.

24. September 2018: In der Beutelsbacher Bahnunterführung bleibt gegen 15 Uhr ein Ford-Kleintransporter einer 32-jährigen Fahrerin hängen. Das Gestänge des Fahrzeugs wird dabei verbogen, der Schaden wird von der Polizei auf rund 3000 Euro geschätzt. Die S-Bahn-Strecke ist kurzzeitig gesperrt, Schäden an der Unterführung gibt es nicht.

10. September 2019: Ein 35-jähriger Fahrer eines Kleinlasters unterschätzt die Höhe seines Mietfahrzeugs. Nachdem der Reifendruck seines Ford-Transits reduziert wird, kann er rückwärts wieder ausfahren. Die Polizei schätzt den Schaden am Fahrzeug auf etwa 3500 Euro.

8. Januar 2020: Ein Fahrzeug des Paketdienstes DHL fährt weit in die Unterführung rein – und bleibt dann stecken. In der Weinstadt-Gruppe auf Facebook hagelt es Hohn und Spott.

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