Weinstadt-Beutelsbach Transporter-Falle: Früherer OB verteidigt Bau

Schon vor dem Bau der Beutelsbacher Bahnunterführung haben Vertreter des Straßenbauamts Schorndorf Mitte der 80er Jahre vor der niedrigen Höhe gewarnt. Foto: ZVW/Benjamin Büttner (Archiv)

Weinstadt-Beutelsbach.
Warum nur ist die Beutelsbacher Bahnunterführung so gebaut worden, dass nur Fahrzeuge bis zu einer maximalen Höhe von zwei Metern durchfahren dürfen? Diese Frage ist bislang öffentlich nie ausführlich beantwortet worden. Nun hat sich bei unserer Zeitung jemand zu Wort gemeldet, der Mitte der 80er Jahre für den Bau der Unterführung gekämpft hat: Jürgen Hofer, von 1975 bis 2000 Stadtoberhaupt von Weinstadt.

Nach seiner Darstellung gab es gute Gründe, warum eine Unterführung mit einer maximalen Fahrzeughöhe von 4,50 Meter an dieser Stelle nie Realität wurde. Außerdem erläutert Hofer, warum er die Entscheidung von damals auch heute noch für richtig hält.

Straße hätte um zwei Meter tiefer gelegt werden müssen

Laut dem früheren Weinstädter Oberbürgermeister war schnell klar, dass eine auch für Lastwagen befahrbare Unterführung wegen des vorhandenen Gefälles nie gebaut werden kann. Die Straße hätte für eine Durchfahrtshöhe von 4,50 Meter nach seiner Darstellung um zwei Meter tiefer gelegt werden müssen – mit der Folge, dass die Straße dann für Lastwagen viel zu steil geworden wäre. So etwas wäre mit Blick auf die Sicherheit nicht zu verantworten gewesen, gerade bei Schnee oder Glatteis im Winter. Auch wären dann mehrere Häuser nicht mehr auf Straßenniveau gewesen, sondern deutlich darüber.

Darüber hinaus profitiert laut Hofer die Beutelsbacher Ortsmitte davon, dass über die Bahnunterführung nicht lauter Lastwagen in die Ortsmitte fahren können. Dafür gibt es schließlich die Route über den Mittelanschluss-Kreisverkehr und die Stuttgarter Straße. Dieser Mittelanschluss-Kreisel wurde laut Hofer zeitgleich mit der Bahnunterführung errichtet. Die Idee dahinter war, damit die Ortsmitten von Beutelsbach und Endersbach vom Verkehr zu entlasten.

Gegen diesen Mittelanschluss formierte sich damals in Benzach eine Bürgerinitiative, die fürchtete, dieses Projekt sei der Einstieg in eine sogenannte Schurwaldüberquerung. Die Leute hatten Sorge, dass die Route für den überregionalen Verkehr attraktiver wird. Passiert, sagt Hofer, sei indes das, was er und andere sich vom Mittelanschluss erhofften: Endersbach und die Ortsmitte von Beutelsbach seien vom Verkehr entlasten worden.

Querstangen könnten das Problem lösen

Das zuständige Straßenbauamt Schorndorf wollte ursprünglich nur den Mittelanschluss bauen und an der Stelle, wo sich seit 1986 die Beutelsbacher Unterführung befindet, den beschrankten Bahnübergang beibehalten. Die Beamten befürchteten nach Hofers Darstellung, dass das Bauwerk zur Transporter-Falle wird und dadurch immer wieder die Gefahr besteht, dass die Unterführung statisch beschädigt wird. Letzteres, sagt Jürgen Hofer, sei genau einmal passiert. Bewahrheitet hat sich aber, dass immer wieder Transporter und Lastwagen stecken bleiben. Dieses Problem, sagt Jürgen Hofer, ließe sich durch Querstangen lösen, die auf beiden Seiten deutlich vor der Unterführung installiert werden könnten. Wenn hier ein zu hohes Fahrzeug einfach weiterfährt, bleibt es automatisch an der Querstange hängen und kommt nicht mehr weiter. Der Schaden, der dabei entsteht, ist geringer, als wenn für den besagten Kleinlaster erst in der Unterführung Endstation ist. Es wäre ein Höhenbegrenzer, der nach Hofers Dafürhalten seine Funktion erfüllen würde – ganz im Gegensatz zu jenen herunterhängenden Ketten, die seit Dezember 2017 im Einsatz sind. Diese schlagen zwar gegen die Scheibe eines zu hohen Fahrzeugs, aber der Fahrer wird dadurch nicht automatisch am Weiterfahren gehindert.

Jürgen Hofer würde heute wieder so entscheiden wie damals

Grundsätzlich wäre es aus Hofers Sicht falsch gewesen, auf den Bau der Beutelsbacher Bahnunterführung in ihrer jetzigen Form zu verzichten. Gäbe es sie nicht, müsste jeder Autofahrer aus Beutelsbach den Umweg über den Mittelanschluss wählen, um etwa zum Rewe in der Daimlerstraße zum Einkaufen zu fahren. Die Großheppacher hätten ebenfalls einen umständlicheren Fahrweg gehabt. Die Entscheidung für den Bau in der jetzigen Form hält Hofer noch heute für richtig – und er würde jederzeit wieder so handeln. „Wir haben damals monatelang um diese Pkw-Unterführung gekämpft.“ Im Straßenbauamt sei damals die größte Sorge gewesen, dass immer wieder die Statik der Brücke beschädigt wird. Schlussendlich hat sich Weinstadt durchgesetzt. Den Großteil der Kosten mussten laut Hofer übergeordnete Stellen schultern, sowohl bei der Unterführung wie auch beim Mittelanschluss.

Wenn Jürgen Hofer früher in den Urlaub fuhr und auf dem Dach seines Autos die Fahrräder mitnahm, schrieb er sich immer einen Zettel: „Nicht durch die Pkw-Unterführung fahren“. Verwundert habe ihn, dass manche Bürger nach der Eröffnung im Herbst 1986 nicht glauben wollten, was auf dem Schild zur Höhenbegrenzung stand – und innerhalb der Unterführung selbst nachmaßen. Als das Bauwerk im Oktober 1986 eingeweiht wurde, gab es laut Hofer übrigens nicht nur Freude. Der frühere Oberbürgermeister erinnert sich, dass an jenem Tag auch eine Demonstration stattfand. Auf einem der Transparente habe folgender Satz gestanden: „Ihr habt den Fahrradweg vergessen.“

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