Weinstadt Der lange Weg zum Feuerwehrauto

Der Weinstädter Feuerwehr-Sprecher Tim Maier (links) und Kommandant Stefan Schuh vor dem in Beutelsbach stationierten Drehleiterfahrzeug von 1994. Dieses wird nun nach rund 25 Jahren ersetzt. Der Weg zum neuen Feuerwehrauto ist indes mit viel Arbeit gepflastert und braucht enorm Zeit. Foto: Büttner/ZVW

Weinstadt. „Das ist ein Prozess, der dauert mehrere Jahre“: Wenn die Weinstädter Feuerwehr ein altes Fahrzeug durch ein neues ersetzen muss, heißt das nicht, dass das schnell geht. Vielmehr muss jetzt vor allem Kommandant Stefan Schuh viel Zeit und Mühe investieren. Wir erklären am Beispiel der Beutelsbacher Drehleiter, was das in der Praxis bedeutet.

„Wir haben keine Wünsche, wir haben einen Bedarf“: Kommandant Stefan Schuh macht gleich zu Beginn des Gesprächs klar, dass die Sicherheit der Bevölkerung die Richtschnur für die Feuerwehr ist. Aus diesem Grund wird dem Gemeinderat eine Bedarfsplanung vorgelegt, die auf mehrere Jahre hinaus festlegt, was die Feuerwehr eigentlich an neuen Fahrzeugen braucht. Als Faustregel gilt: Für Wagen in Lkw-Größe, die nach 2000 gekauft wurden, wird nach 20 Jahren Ersatz bestellt. Für Fahrzeuge wie die Beutelsbacher Drehleiter aus dem Jahr 1994 wird dagegen erst nach 25 Jahren ein Nachfolger geordert. „Vor 2000 waren es einfacher gestrickte Fahrzeuge – die haben länger gehalten“, sagt Stefan Schuh. Steht dann die Neuanschaffung konkret an, muss sich der Kommandant vom Gemeinderat die nötigen Mittel im Haushalt genehmigen lassen – und erst dann kann er übers Landratsamt beim Land einen Zuschuss beantragen. Im Fall der Drehleiter kam im August die gute Nachricht: Es gibt 254 000 Euro Fördergeld aus der Feuerschutzsteuer – und auf der Basis konnte der Gemeinderat im September grünes Licht geben, nun tatsächlich ein neues Drehleiterfahrzeug zu kaufen. Damit hat die Arbeit für Stefan Schuh aber erst so richtig angefangen.

Viel Verantwortung auf Stefan Schuhs Schultern

Er muss nun auf 70 Seiten genau festhalten, was das neue Feuerwehrauto haben muss – und zwar bis ins Detail, inklusive der kompletten Beladung. Verdingungsunterlagen nennt sich das im Fachjargon. Die Verantwortung dafür lastet auf Schuhs Schultern. „Wenn ein Fehler in den Verdingungsunterlagen ist, werden wir das erst nachher spüren.“

Wie viel das Fahrzeug nun genau kostet, kann der Kommandant zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Er schätzt, dass der Zuschuss von 254 000 Euro etwa ein Drittel der Gesamtkosten für die Drehleiter umfasst – aber genauer geht es nicht. Die Kosten hängen eben auch davon ab, welche Angebote bei der europaweiten Ausschreibung hereinkommen. Natürlich gibt es externe Dienstleister, die der Feuerwehr all diese Papierarbeit abnehmen – aber die verlangen laut Schuh Honorare, die bei ein bis drei Prozent der Fahrzeugkosten liegen. Die abgegebenen Angebote werden schließlich erneut den Stadträten vorgelegt. Bei der Drehleiter soll dies im Mai, Juni der Fall sein – und erst dann kann das Fahrzeug beim Hersteller bestellt werden. Zwei namhafte Firmen gibt es laut Stefan Schuh in Deutschland, bis zur Lieferung vergehen in der Regel zwölf bis 14 Monate. Heißt: Das neue Drehleiterfahrzeug wird wohl im Sommer oder Herbst 2020 da sein.

Ohne Zuschuss kein Fahrzeug

Das klingt langsam, ist aber sogar noch vergleichsweise schnell. Denn wenn eine Feuerwehr einen Drehleiterwagen bestellt, hat der natürlich oberste Priorität – und dementsprechend fließt vom Land schon in der ersten Runde ein Zuschuss. Bei anderen Fahrzeugen kann die Weinstädter Wehr auch schon mal im ersten Anlauf leer ausgehen und so ein Jahr verlieren – denn ohne Zuschuss wird kein Fahrzeug gekauft.

Ist der Wagen schließlich fertig, fahren Schuh und seine Leute zum Hersteller – und dann durchleuchten sie das Fahrzeug. Finden sie noch einen Fehler, muss die Firma nachbessern. „Wir haben es auch schon mal nicht mitgenommen – das war aber ein Einzelfall.“

Viel repariert

Dank eines versierten Feuerwehrmitglieds hat es die Abteilung Strümpfelbach geschafft, ein Feuerwehrfahrzeug tatsächlich stolze 38 Jahre für Einsätze nutzen zu können. Möglich, sagt Kommandant Stefan Schuh, sei das, weil der Kollege hauptberuflich mit Lastwagen zu tun habe. „Da hätten wir keine Werkstatt mehr gefunden, die uns das richtet.“

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