Weinstadt Die gute Seele von Großheppach wird 90

Elfriede Schnaitmann ist bis heute sehr aktiv. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Weinstadt-Großheppach. Sie kocht und strickt heute noch für andere – und engagiert sich im Heimbeirat des Wilhelmine-Canz-Hauses: Elfriede Schnaitmann ist weiterhin aktiv und macht alles, was mit dem Rollstuhl möglich ist. In Großheppach und Gundelsbach ist sie durch ihren jahrzehntelangen ehrenamtlichen Einsatz überall bekannt – und feiert an diesem Samstag nun ihren 90. Geburtstag.

„Ich bin jetzt die älteste Gundelsbächerin“, sagt Elfriede Schnaitmann und lacht. Sie sitzt an einem Tisch vor dem Canz-Haus, neben ihrem Sohn, dem Stadtrat Richard Schnaitmann. In Großheppach wohnt die 90-Jährige zwar seit 1961, aber davor lebte sie in Gundelsbach. Ihren Mann Paul Schnaitmann lernte sie 1946 in der Großheppacher Schule kennen – und acht Jahre später wurde geheiratet. Drei Kinder bekamen die beiden: Richard Schnaitmann, Brigitte Bofinger und Carmen Lutz. Ersterer kann sich noch gut erinnern, wie er noch als Erwachsener regelmäßig mit Schwester Brigitte Bofinger zweimal pro Woche zu seiner Mutter zum Essen kam. Meist gab’s sauren Braten oder Gulasch. „Es war immer gut“, sagt Richard Schnaitmann und sieht seine Mutter liebevoll an. Die lächelt zurück und sagt: „Das ist schön.“

„Elfriede, was lauft denn so im Flecka?“

Bis heute kocht Elfriede Schnaitmann gerne für andere, etwa bei Kochtreffs im Heim. Als ihr Mann am 24. April 1989 starb, wollte Elfriede Schnaitmann am liebsten ihre Ruhe haben – doch Martha Kärcher, die Gründerin des Großheppacher Mittagstischs, überzeugte sie, mit ihr für andere Essen zuzubereiten. Und kochen konnte sie, schließlich hatte sie schon als junges Mädchen im Lamm in der Küche mitgeholfen. Päcklesware kam Elfriede Schnaitmann nicht auf den Tisch, zudem dekorierte sie immer und stellte Blumen auf. Lange mischte sie auch beim Stadtseniorenrat im Vorstand mit. Beim Kinderferienprogramm war sie ebenso aktiv wie beim Besuchsdienst im Mutterhaus der Großheppacher Schwesternschaft. Und bis heute ist sie bei den Landfrauen dabei. Im Besuchsdienst bekam sie einen Satz öfter zu hören: „Elfriede, was lauft denn so im Flecka?“

Kein Wunder, dass Elfriede Schnaitmann für ihren ehrenamtlichen Einsatz 2002 am Tag des Ehrenamtes von der Stadt Weinstadt geehrt wurde. Auch heute noch ist ihr Erinnerungsschatz gefragt, etwa bei Stadtarchivar Bernd Breyvogel. Wer weiß heute schließlich noch, dass in Großheppach einst die jungen Frauen auf eine ganz besondere Weise vor bestimmten Männern gewarnt wurden, die im Ort wohnten. „Bei bösen Buben hat man Kalk gestreut.“

Feiern wird Elfriede Schnaitmann ihren Geburtstag an diesem Samstag mit der Familie und guten Freunden. Dass ihr die Arbeit noch lang nicht ausgeht, zeigt sich beim Gespräch auch daran, wie sie von anderen Heimbewohnerinnen immer wieder angesprochen wird. „Tust du immer noch helfen in der Küche?“, fragt eine Bekannte. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Ja, freilich!“


Lob vom ehemaligen Kulturamtsleiter

Hans Hrazdira, langjähriger Weinstädter Kulturamtsleiter, kennt Elfriede Schnaitmann schon seit mehr als 40 Jahren als äußerst schaffige und geistig sehr rüstige Frau. Seit rund sechs Jahren holt er sie wöchentlich im Rollstuhl zu den Veranstaltungen des Kreises der Älteren und Alleinstehenden Großheppach ab, den Hrazdira leitet. „Dank ihrer Verdienste ist sie natürlich Ehrengast in unserem Kreise.“

Elfriede Schnaitmann habe über Jahrzehnte nicht nur aktiv Feste und Veranstaltungen Großheppacher Vereine (Männergesangverein, Landfrauenverein, Landjugend und andere) tatkräftig unterstützt, sondern rund 17 Jahre für den monatlichen Mittagstisch im Kreis der Älteren und Alleinstehenden Großheppach gekocht. „Zudem organisierten wir zwei über 15 Jahre lang das Angebot unseres Seniorenkreises für das Kindersommerferienprogramm.“

Weiterhin betreute Elfriede Schnaitmann über Jahre den wöchentlichen Stammtisch des Kreises, bereitete die Adventsbasare mit vor, gestaltete Bastelnachmittage. Und wenn Hans Hrazdira wieder eine Idee oder einen Wunsch hatte, meinte sie nach seiner Erinnerung stets: „I ko dich doch net im Stich lassa ...!“

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