Weinstadt Dürfen Kinder zur Grundschule radeln?

Symbolbild. Foto: Pixabay / markusspiske

Weinstadt.
Dürfen Grundschüler vor Abschluss der Fahrradprüfung in der vierten Klasse mit dem Rad zur Schule fahren – oder sollte das verboten werden? Darüber gehen die Meinungen deutschlandweit auseinander. In Weinstadt dürfen Kinder nach Auskunft des städtischen Pressesprechers Holger Niederberger erst nach Ablegen der Fahrradprüfung in der vierten Klasse mit dem Rad zur Grundschule kommen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) findet indes, dass die Entscheidung dieser Frage allein in der Verantwortung der Eltern liegt.

Das sagt der ADFC

„Rein rechtlich ist die Situation eindeutig: Schulen dürfen keine Radfahrverbote aussprechen“, heißt es in einer Stellungnahme auf der Internetseite des ADFC. Die Radfahrprüfung sei keine vorgeschriebene Erlaubnis zum Fahren eines Fahrrads. „Alle Schülerinnen und Schüler sind auf den Wegen von und zur Schule im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung abgesichert. Dieser Versicherungsschutz besteht unabhängig vom Alter und vom Verkehrsmittel – also auch dann, wenn Kinder trotz anderweitiger Empfehlungen der Schule mit dem Rad fahren.“ Was die Qualität der Radprüfung angeht, hält der ADFC diese für überschätzt. „Die Ausbildung ist recht kurz, oft werden im immer gleichen geschützten Raum – häufig sogar nur auf dem Schulhof oder in einer Halle – dieselben Standardsituationen geübt, die an der Realität des konkreten Schulwegs teilweise vorbeigehen.“

Das empfehlen Innenministerium und Polizei

Das wird beim Innenministerium des Landes indes anders gesehen. In einer Stellungnahme auf der Internetseite des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung, auf die der Weinstädter Pressesprecher Holger Niederberger verweist, heißt es: „Maßgeblich für die Entscheidung, die Radfahrprüfung frühestens in der vierten Grundschulklasse ablegen zu lassen, waren insbesondere Erkenntnisse der Wissenschaft. So weiß man, dass Kinder erst ab etwa zehn Jahren Entfernungen und Geschwindigkeiten schätzen können und ab etwa elf Jahren Gefahren des Straßenverkehrs gut einschätzen können, auch für andere Verkehrsteilnehmer wie z. B. Autofahrer.“ Hinzu komme, dass sich Kinder in der Gruppe noch mal unberechenbarer verhielten.

Aus diesen Gründen empfehlen das Innenministerium und die Polizei im Einvernehmen mit dem Kultusministerium, bei der schulischen Verkehrserziehung die Kinder erst nach der Radfahrprüfung alleine mit dem Rad zur Schule fahren zu lassen. Rechtlich bindend ist das indes nicht: Ein diesbezügliches Verbot gibt es nämlich nicht. „Es liegt letztendlich in der Entscheidung der Eltern.“

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