Weinstadt Elektroautos zehnmal schneller laden

Ralf Glocker, Produktmanager bei ITT Cannon, zeigt das 500-Kilowatt-Ladekabel. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Weinstadt. Der Diesel-Skandal und Diesel-Fahrverbote wie in Stuttgart bereiten ITT Cannon keine Probleme: Als einer der führenden Hersteller für elektrische Steckverbinder setzt die Weinstädter Firma seit Jahren verstärkt auf die Elektromobilität. Nun will sie mit ihren Partnern den Markt aufrollen: Elektroautos sollen dauerhaft zehnmal schneller aufgeladen werden.

„Wir bringen den Strom von der Ladestation ins Auto“: So beschreibt Klaus Kühnle, Geschäftsführer von ITT Cannon, was das rund 350 Mitarbeiter starke Unternehmen in Sachen Elektromobilität leistet. Die Steckverbindungstechnik ist schließlich das Kerngeschäft der Firma, sei es für die Luftfahrt, die Medizintechnik oder eben für die Fahrzeugindustrie. E-Autos hat ITT nach eigenen Angaben schon länger im Blick, nämlich bereits seit den 90er Jahren, berichtet der zuständige Produktmanager Ralf Glocker. Eines der Hauptprobleme bestand lange darin, dass das Aufladen im Vergleich zum Benzintanken einfach viel zu lange dauert – und damit eine deutliche Komforteinbuße mit sich bringt.

Eine Lösung versprechen die neuen Schnellladesäulen, die verschiedene Akteure auf dem Markt anbieten. Laut Glocker kann ITT Cannon für seine Geschäftspartner eine Technik offerieren, die im Gegensatz zur Konkurrenz dauerhaft die hohen Aufladegeschwindigkeiten durchhält. „Mit unserem Ladesystem sind wir um den Faktor zehn schneller.“

Neue Stationen setzen auf Gleichstrom-Technologie

Der Vergleich bezieht sich auf die derzeit verbreitete Wechselstrom-Ladetechnologie. Die neue Generation der Ladestationen setzt auf Gleichstrom-Technologie, ITT Cannon und seine Partner können dabei nach eigenen Angaben eine Ladeleistung von 500 Kilowattstunden anbieten. Produktmanager Ralf Glocker macht das an einem Beispiel deutlich: In nur drei Minuten kann so viel Strom geladen werden, dass ein Auto damit rund 100 Kilometer weit fährt. Das neue System ist nach seinen Angaben schon in den USA und Europa im Einsatz. Allerdings ist die Einführung auch mit hohen Kosten verbunden. Sprich: Will eine Kommune solch eine Station, reichen fünfstellige Beträge bei weitem nicht aus.

Das liegt natürlich auch daran, dass solche Ladestationen mit einer Stromstärke von 500 Ampere und einer Spannung von 1000 Volt arbeiten. Das oberste Motto, sagt Glocker, sei deshalb „Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit“. Einen Fehltritt könne man sich hier nicht leisten. Seit 2016 ist ITT Cannon in Weinstadt nach eigenen Angaben an der Entwicklung der Schnellladesäule beteiligt. „Normal liefern wir Stecker. Hier liefern wir ein System“, sagt Geschäftsführer Klaus Kühnle. Eine der zentralen Fragen sei dabei gewesen, wie das Kabel gekühlt wird. „Wir haben die kühlste Kontakttemperatur, die es auf dem Markt gibt“, betont Produktmanager Glocker.

„Der Verbrennungsmotor wird morgen nicht verschwinden“

Trotz der guten Zukunftsperspektive für die Schnellladesäulen stellt ITT nach wie vor Stecker für mit Diesel betriebene Busse und Lastwagen her. Schließlich weiß auch Klaus Kühnle nicht, wann sich die Elektroautos flächendeckend durchsetzen. Klar ist für ihn nur eines: „Der Verbrennungsmotor wird morgen nicht verschwinden.“


ITT in Zahlen

ITT Cannon aus Weinstadt hat 350 Mitarbeiter und ist Teil des 1920 gegründeten amerikanischen Mischkonzerns ITT, der weltweit 10 000 Beschäftigte hat (Jahresumsatz: 2,8 Milliarden US-Dollar).

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