Weinstadt Eltern sollen mehr für Kitas zahlen

Symbolbild. Foto: Pixabay / Design_Miss_C (CCO Public Domain)

Weinstadt. Alle Kitas in Weinstadt sollen vom 1. September 2020 an teurer werden. Das hat die Stadtverwaltung vorgeschlagen. Was das für die Familien im Einzelnen bedeutet, zeigen wir anhand von Beispielen.

Die geplanten Gebührenerhöhungen treffen Kindergarten- und Krippenplätze gleichermaßen. Wenn ein Kind eine Regelgruppe in einem Weinstädter Kindergarten besucht, dann sind bisher im Monat 124 Euro fällig. Vom 1. September 2020 an steigt dieser Betrag auf 128 Euro. Die Familie zahlt also pro Monat vier Euro mehr. Anderes Beispiel: Eine Familie hat einen Sohn im Kindergarten und eine Tochter in der Krippe mit jeweils achtstündiger Ganztagsbetreuung, inklusive Mittagessen für beide. Die Eltern berappen derzeit für die Betreuung 633 Euro im Monat, dazu kommen 140 Euro fürs Mittagessen – macht also 773 Euro. Dieser Betrag würde durch die Gebührenerhöhung auf 793 Euro steigen. Diese Familie wird im Monat also 20 Euro mehr ausgeben. Vorgeschlagen hat die Erhöhung die Verwaltung, angehoben wurden die Elternbeiträge zuletzt vor einem Jahr. Dass es weiter nach oben geht, ist sehr wahrscheinlich: Der Sozial- und Kulturausschuss der Stadt hat geschlossen für die Erhöhung zum 1. September 2020 gestimmt.

Natürlich heißt das nicht, dass alle Eltern in Weinstadt diese geplante Anhebung trifft. Einkommensschwache Familien können auf Antrag befreit werden. Tun sie dies nicht, zahlen sie den vollen Betrag. Das betrifft Eltern von Kindergartenkindern, die Kinderzuschlag, Wohngeld oder Hartz IV erhalten. In den Einrichtungen wird laut der Stadt im Rahmen des ersten Elternabends über diese Regeln informiert, damit die Betroffenen über ihre Rechte Bescheid wissen.

Die jährlichen Mehreinnahmen aus der geplanten Gebührenerhöhung schätzt die Stadt auf rund 35 000 Euro. Da der Elternbeitrag erst im September 2020 angehoben wird, erhält die Stadt im Jahr 2020 natürlich nur rund 10 000 Euro mehr. Bei der Mittagsverpflegung ändert Weinstadt vorläufig nichts. Grund: Auch nach der Neuvergabe zum 1. September 2019 decken die aktuellen Gebühren den Einkaufspreis.

Gesamtelternbeirat bezeichnet Pläne als unsozial

Die vorgesehene Erhöhung wird indes vom Gesamtelternbeirat der Weinstädter Kindergärten abgelehnt. In einer Mail an Gerhard Friedel vom Amt für Familie, Bildung und Soziales schreibt Maximilian Freiherr von Gaisberg-Schöckingen, dass er in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Gesamtelternbeirats mitteile, dass die Eltern dieser Erhöhung widersprechen. „Sie ist unsozial und berücksichtigt die Belange der Elternschaft, insbesondere der Mehrkinderfamilien, nicht.“

Das letzte Wort in der Sache hat der Weinstädter Gemeinderat. In seiner Sitzung am Donnerstag, 24. Oktober, in der Großheppacher Steinscheuer (Beginn: 18 Uhr) entscheidet er, ob er der Marschroute des Sozial- und Kulturausschusses folgt. Tut er das, ist die Gebührenerhöhung beschlossen.


Erziehermangel: Stadt setzt auf mehr Azubis

Weniger Bewerbungen, dazu Kündigungen und Langzeitausfälle wegen Krankheit: Im gesamten Kindergartenjahr 2018/2019 waren zu keinem Zeitpunkt alle Stellen besetzt. Zu Beginn fehlten sieben Fachkräfte, zwischen November 2018 und Januar 2019 sogar zwischen sieben und neun. Bereits bekannte Ausfälle wegen Mutterschutz oder Erziehungszeit sind in diesen Zahlen noch gar nicht enthalten.

Die Stadt Weinstadt will die Probleme nun dadurch lösen, indem sie mehr Nachwuchs ausbildet. So sollen zu den bestehenden sechs Plätzen fünf weitere Stellen für die praxisintegrierte Ausbildung (Pia) entstehen. Diese Azubis sind an drei Tagen in der Woche in einer Fachschule (wie zum Beispiel jene der Großheppacher Schwesternschaft in Beutelsbach) und an zwei Tagen in einer Kita.

Laut Gerhard Friedel vom Amt für Familie, Bildung und Soziales braucht es ein Jahr Vorlaufzeit, um die neuen Ausbildungsplätze zu besetzen.

Für die neu geschaffenen Stellen kann die Stadt voraussichtlich im Frühjahr 2020 einen Förderantrag einreichen. Der mögliche Zuschuss liegt bei 37 440 Euro pro Stelle, verteilt auf drei Jahre.

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