Weinstadt Elvis, der King und ich

„Elvis“ auf der Bühne in Weinstadt. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Weinstadt. Kaum ist er im weißen Glitzerkostüm zu sehen, ist die Aufmerksamkeit ganz bei ihm: Schauspieler Jan Schönberg hat sich dem King of Rock ‘n’ Roll verschrieben - mit Schmelz in der Stimme und Schmalztolle auf dem Kopf ging er der Passion vor rund 200 begeisterten und elviskundigen Zuhörern nach.

Auf den Auftritt in voller Elvis-Montur muss das Publikum bis nach der Pause warten. Im ersten Programmteil betritt ein tollpatschiger Typ die Bühne: Klaus Guthügel, Kfz-Mechaniker und Hobby-Elvis-Imitator, „übt“ für einen Elvis-Contest in Memphis. So weit die Geschichte, in deren Verlauf das Publikum die Verwandlung vom Hinterzimmer-Sänger zum gefeierten Weltstar erlebt. Inklusive reihenweise Hits, die in der unbeschwerten, zum sommerlichen Abend passenden Stimmung auf dem Gartenschau-Areal zum Bewegen einladen.

Zuschauer klatschen, wippen und wedeln mit den Armen

Die Zuschauer klatschen, wippen, wedeln mit den Armen und entsenden für jedes gelungene Hüftschwung-Statement ein bewunderndes „Aaaah“. Einige entpuppen sich als wahre Elvis-Lexika und können die von Schönberg gestellten Quizfragen nach Filmtiteln, in denen der King mitspielte, ebenso treffsicher beantworten, wie sie auch wissen, dass die einzige Elvis-Tochter Lisa Marie mit Schauspieler Nicolas Cage verheiratet war. Der von seinen Fans messianisch Verehrte reißt auch in der unterhaltenden Version das Publikum mit: Tollpatsch Klaus bricht mit dem „echten“, dem überhöhten Elvis, bei dem alles stimmt. Dadurch bekommen die Songs, in denen Darsteller Jan Schönberg die Tonfarbe des Meisters exakt trifft, und jene Momente, in denen jede Pose sitzt, einen besonderen Glanz. Der Bühnenzauber lebt von Stimme, Posen - und dem clownesken Kostüm, in dem Schönberg zu „Elvis the Pelvis“ (= das Becken) wird, wie er stolz beckenkreisend und hüftwippend kundtut.

Kaum ein anderer Mann würde wohl wirklich prickelnd aussehen in diesem Aufzug: weiße Schlaghose mit Fransen, auf dem Rücken ein Adler aus blauen Paillettensteinchen, weiße Stiefel und eine Jacke mit steifem und übertrieben hohem Stehkragen bis über die Ohrläppchen. „Elvis konnte das Kostüm durch seine Wahrhaftigkeit und Posen füllen, er war ein Gesamtkunstwerk auf der Bühne“, findet Jan Schönberg. Elvis begleite ihn seit der Kindheit. „Ich fand die langsamen Lieder schön, ‚In the Ghetto’ war das erste Lied, das ich alleine spielen konnte.“ Außer langsam kann er auch temporeich: „Jailhouse Rock“ und „Always on my Mind“ rocken einfach. Einen wie ihn lässt das Publikum denn auch nicht ohne Zugaben von dannen ziehen: „Suspicious Minds“, „Blue Suede Shoes“, „I just can’t help believin’“ werden mitgesungen.

Andy statt Mandy

Kennenlernen können die Zuschauer auch Andy. Eigentlich fahndet „Elvis“ nach Mandy - verständlich. Nachdem sich auf den Namensaufruf niemand meldet, holt er Andy auf die Bühne. Wie sich herausstellt ein Geburtstagskind, das assistieren darf, das Cape an seinem Kostüm zu schließen. Jan Schönberg hat das Stück „Elvis, der King und ich“ während seiner Abschlussprüfung an der Schauspielschule entwickelt und geschrieben. Basierend auf dem Stück „Das Kostüm“ von Gunther Beth, in dem ein Elvis-Imitator das Kostüm näht, sich auf den Auftritt vorbereitet und aus seinem Leben erzählt, wurde die Figur Klaus, der die Zuschauer in den Aufbau seines Equipments einbezieht. Sie schauen zu, wie er einen „Elvis-Schrein“ aufstellt, und dürfen einen ersten Blick auf das Glitzer-Glimmer-Kostüm werfen, in dem er im zweiten Teil die vom Publikum herbeigesehnten Déjà-vu-Erlebnisse serviert. Und wie viel Elvis steckt in Jan Schönberg? „Ich versuche nicht, wie Elvis zu sein. Ich deute es an, aber finde meine eigene Interpretation.“ Die Berührungspunkte seien der „Schatz“, den ein Künstler haben kann: „Ich möchte eine Erfahrung mitgeben, die nicht aus dem Kopf kommt, sondern aus der Mitte des Herzens. Wenn ich diese Lieder spiele, berühre ich die Menschen.“

Jan Schönberg, 1977 geboren in Finsterwalde, hat Gitarre und Gesang an der Musikschule gelernt, war jahrelang aktiver Chorsänger und spielte in Bands, von Gospel bis Metal. Sein Herz schlug fürs Schauspiel und so studierte er Theaterwissenschaft und Geschichte, bevor er die Off-Theaterszene in Berlin entdeckte. An der privaten Schauspielschule Michael Tschechov in Berlin hat er Schauspiel studiert.

Zwei Jahre war er mit dem Stück „Das Kostüm“ von Gunther Beth auf kleinen Bühnen unterwegs, bevor er am Theater in Senftenberg ein Engagement als Schauspieler bekam. Während der Zeit hat er sein eigenes Stück „Elvis, der King und ich“ entwickelt. Seit 2015 lebt er als selbstständiger Schauspieler in Senftenberg.

Das Publikum in Weinstadt erlebte die 101. Vorstellung mit dem weißen Kostüm und die 88. Aufführung des Stückes „Elvis, der King und ich“. Bereits in seinem Vorgänger-Bühnenstück „Das Kostüm“ trug Jan Schönberg eine für ihn von einer Kostümbildnerin angefertigte Kopie des Kostüms, das Elvis 1972 beim größten Konzert getragen hat, das er je gegeben hat - beim Aloha from Hawaii. Es war das erste Konzert, das über Satellit übertragen wurde und das 1,5 Milliarden Menschen weltweit verfolgten.

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