Weinstadt-Endersbach Braucht es ein Hotel im Gewerbegebiet?

Das Hotel liegt in der Werkstraße im Endersbacher Gewerbegebiet Benedikt-Aucht-Wiesen. Zu den direkten Nachbarbetrieben zählt unter anderem ein Abbruch- und Recyclingunternehmen. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Weinstadt-Endersbach.
Braucht das Remstal noch ein weiteres Hotel? Die Stuttgarter Kette Ross-Hotels hat diese Frage für sich mit einem Ja beantwortet – und im Endersbacher Gewerbegebiet Benedikt-Aucht-Wiesen eine Drei-Sterne-Unterkunft mit 65 Zimmern eröffnet. Sina Oesterle, Managerin für alle sieben Hotels der Kette, ist sich bewusst, dass im Remstal kein Mangel an Übernachtungsmöglichkeiten herrscht. Immerhin sind in den Nachbarstädten derzeit zwei große Projekte geplant: Das Hotel im Fellbacher Schwabenlandtower soll 164 Zimmer haben, das Nachfolge-Hotel auf dem Gelände des ehemaligen Hotels Koch in Waiblingen 120 bis 130 Zimmer statt wie früher 52. „Bei zu vielen Hotels würden wir uns gegenseitig das Geschäft kaputtmachen. Von daher denke ich, dass das Remstal an seine Kapazitätsgrenze gekommen ist von der Anzahl der Hotels“, sagt Sina Oesterle. Das heißt aber nicht, dass die Managerin nun das Remstal-Hotel in Endersbach für überflüssig hält – ganz im Gegenteil.

Günstige Lage zwischen zwei bestehenden Standorten

Strategisch passt das Objekt mit seinen 3000 Quadratmetern Gesamtfläche für Sina Oesterle perfekt zwischen zwei bisherige Standorte der Kette – dem Hotel Adler in Waiblingen und dem Hotel an der Stadtmauer in Schorndorf. Wenn Gäste in einem der Häuser kein Zimmer mehr bekommen, kann ihnen das Personal nun eine Unterkunft in Endersbach anbieten. Da das Remstal-Hotel jeweils nur wenige Kilometer von Schorndorf und Waiblingen entfernt ist, haben die Kunden keinen besonders großen Nachteil, wenn sie sich für das Hotel in Endersbach entscheiden. Sie müssen nur ein paar Kilometer weiter fahren.

Insgesamt sieben Objekte in der Region Stuttgart

Dass die Bauphase in Endersbach fast zwei Jahre gedauert hat, begründet Sina Oesterle mit einer strategischen Entscheidung des Unternehmens. „Es lag daran, dass wir ein anderes Objekt zwischenzeitlich erweitert haben.“ Neben den Häusern in Waiblingen, Schorndorf und Endersbach zählen zu der Kette noch das Schurwald-Hotel in Plochingen, das Hotel „Das kleine Ritz“ in Fellbach, das Hotel Traube in Plieningen und das Ross-Messehotel am Stuttgarter Flughafen. Das Unternehmen selbst ist seit rund 20 Jahren am Markt, gegründet wurde es von einem ehemaligen Zahnarzt. Rund 60 Mitarbeiter sind für die Kette tätig, wobei die Reinigung der Zimmer an eine externe Firma vergeben wurde.

Im Endersbacher Remstal-Hotel sind neun Leute beschäftigt. „Die Mitarbeiter, die hier sind, haben wir teilweise schon fünf, sechs Jahre in unseren Hotels“, sagt Sina Oesterle. 65 Zimmer stehen insgesamt bereit, davon sind 32 Einzel- und 33 Doppelzimmer. Wer einen Raum der teureren „Superior“-Kategorie wählt, bekommt mehr Platz und eine Klimaanlage.

Eröffnet hat das Hotel bereits im Oktober 2019, allerdings sind noch nicht alle Räume fertig. Der große Tagungsraum, der Platz für bis zu 100 Leute bieten soll, und der kleine Tagungsraum für bis zu 15 Personen stehen momentan nicht bereit, sollen aber nach Angaben von Sina Oesterle von Anfang März an gebucht werden können.

Das Geschäft mit Tagungen soll eine wichtige Säule in Endersbach werden. Grund: Ross-Hotels kann Tagungen im Hotel Adler in Waiblingen nicht anbieten. Und im Hotel an der Stadtmauer in Schorndorf sind aufgrund der Zahl von 32 Zimmern nur kleinere Tagungen möglich. Wer als Kunde eine größere Veranstaltung plant, kann durch die Neueröffnung auf den Standort Endersbach ausweichen. Dort allerdings gibt es für die Übernachtungsgäste abends keine warme Küche. Deshalb soll laut Sina Oesterle bei größeren Veranstaltungen mit Catererfirmen zusammengearbeitet werden. Was es dagegen immer gibt, ist das morgendliche Frühstück, bei dem Wert auf regionale Waren gelegt wird. Das Brot kommt beispielsweise von einem Weinstädter Bäcker, Obst und Gemüse von einem Weinstädter Landwirt und die Wurst von einem Waiblinger Metzger. Und wer ins Fitnessstudio will, kann an der Hotelrezeption ein Tagesticket für benachbarte Einrichtungen erwerben.

Was sagt die Managerin zum Bau eines Hotels im Trappeler?

Unsere Zeitung hat Sina Oesterle auch auf die Pläne der Stadt Weinstadt angesprochen, die am Rand des benachbarten Wohngebiets Trappeler einem Investor erlauben will, ein Restaurant mit Außenbewirtschaftung und Hotelzimmern zu bauen. Der Standort ist nur 800 Meter vom Remstal-Hotel entfernt. Ist das nicht eine zusätzliche Konkurrenz auf einem ohnehin hart umkämpften Markt? Sina Oesterle verneint. Die Hotelmanagerin bezieht ihre Aussage auf die bisher bekannten Pläne für den Standort an der sogenannten Trappelerlinse, nach denen es neben dem Restaurant nur elf bis zwölf Hotelzimmer geben soll. Durch die kleine Größe sieht Sina Oesterle darin kein Problem, da sie auch davon ausgeht, dass preislich ein anderes Zielpublikum angesprochen werden soll. Der Bau eines fußläufig erreichbaren Restaurants ist nach ihrer Einschätzung sogar ein Vorteil für die Gäste, da das Remstal-Hotel selbst ja nur Frühstück anbietet. „Die suchen ja alle abends was zu essen.“

Ihren schrittweisen Expansionskurs will die Hotelkette nach Angaben von Sina Oesterle indes fortsetzen. „Ich kann schon sagen, dass es ein achtes Objekt gibt, das in der Pipeline sitzt.“ An welchem Standort die Ross-Hotels demnächst einsteigen werden, sagt Managerin Sina Oesterle aber noch nicht.

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