Weinstadt-Endersbach Protest gegen Biergarten: Pächter und Stadt wehren sich

Sie sind bereit, notfalls auch vor Gericht zu gehen: Teile der Trappeler-Bewohner wehren sich gegen den Biergarten im Steinbruch. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Weinstadt-Endersbach. Sie ärgern sich über Lärm, zugeparkte Einfahrten und Vermüllung: Anwohner des Trappelers in Endersbach beklagen eine gesunkene Lebensqualität in ihrem Wohngebiet. Sie machen dafür den Biergarten und auch den Kanuverleih verantwortlich – und wollen den Weiterbetrieb von beidem im ehemaligen Steinbruch verhindern.

Als sich die rund 30 Anwohner am Montagabend um 18 Uhr vorm Biergarten versammeln, ist der Trappeler mal wieder zugeparkt. „Es kommt alles zusammen“, sagt eine Frau, die wie alle anderen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Fotografieren lassen möchten sich die meisten allerdings schon, auch um zu zeigen, dass es ganz unterschiedliche Menschen ganz unterschiedlichen Alters sind, die ein Problem mit dem Biergarten und dem Kanuverleih haben. Sie sehen den ehemaligen Steinbruch als völlig falschen Standort an.

Als Baubürgermeister Thomas Deißler vor Jahren sagte, dass er sich auf dem benachbarten Birkel-Areal einen Biergarten wünscht, hatten jene, mit denen unsere Zeitung am Montagabend sprach, nichts dagegen. Sie waren dann laut eigener Darstellung völlig überrascht, dass sie plötzlich aus der Presse erfuhren, dass es einen Biergarten im Steinbruch geben soll. Sie fragen sich, wie so was möglich ist angesichts des dortigen Parkplatzmangels. Und sie wundern sich, warum ein Kanuverleih so angelegt wird, dass die Leute mit den Kanus immer die Straße überqueren müssen, um mit diesen ans Wasser zu kommen. Für die Anwohner ist das eine unnötige Gefahrensituation. Gegen all das wollen sie sich wehren. Sie haben sich schon an den Petitionsausschuss des Landtags gewandt – und wollen notfalls auch eine Sammelklage gegen die Stadt einreichen.

Angst um den Wert der eigenen Immobilie

Rund 60 Unterschriften haben die Anwohner bislang laut eigenen Angaben gesammelt. Nur zwei davon würden nicht von Trappeler-Bewohnern stammen. Ziel: Biergarten und Kanuverleih sollen ihren Betrieb nicht über dieses Jahr hinaus verlängern. Letzteres möchte die Stadt. Beim Gespräch machen die Betroffenen klar, dass sie auch um den Wert ihrer Immobilien fürchten. Eine Frau berichtet, was ihr eine Freundin bei einem Besuch gesagt habe: „Wow, wenn du jetzt dein Haus verkaufen willst, musst du das im Winter machen.“

Die protestierenden Anwohner beklagen auch eine Zerstörung der Natur im Steinbruch, mit Auswirkungen für Vögel und Kleintiere. „Der unter Naturschutz stehende Graureiher ist seit Betriebsbeginn des Biergartens verschwunden, ebenso wurden in diesem Jahr keine Eichhörnchen mehr gesehen.“ Eine Geruchsbelästigung durch Altfettverdunstung stellen sie ebenfalls fest. Wegen der zugeparkten Straßen haben sie bereits bei der Stadt angemahnt, Anwohnerparkausweise einzuführen.

Pächter bezeichnet einige Kritikpunkte als falsch

Biergarten-Pächter Diego Husaini sieht darin ebenfalls eine Lösung. Andere Kritikpunkte der Anwohner bezeichnet er als falsch. So haben diese in ihrer Pressemitteilung behauptet, es gebe auch frühmorgens am Wochenende Warenanlieferungen. „Es ist nicht 4 Uhr morgens, sondern um 10, 11 Uhr.“ Der Betreiber verweist auf den Erfolg und glaubt, dass der Biergarten die Immobilien im Trappeler aufwertet. An guten Tagen, sagt Husaini, seien 400 Gäste gekommen. Nun will er expandieren und zum 1. November ein Burger-Lokal eröffnen. „Wir machen einen zweiten Laden in Waiblingen auf.“ Mit der Stadt Weinstadt sei ausgemacht worden, nach Ende der Gartenschau über einen Weiterbetrieb zu sprechen – also Ende Oktober, Anfang November.

Der Weinstädter Pressesprecher Holger Niederberger verweist darauf, dass sich die Gartenschauflächen über den Sommer großer Beliebtheit erfreut und viele Besucher angezogen haben. Dabei sei der Stadt bewusst, dass den direkten Anwohnern auch Beeinträchtigungen entstanden seien. Am 20. Oktober nun endet die Gartenschau, was auch bedeutet, dass die stark besuchte Tiny-House-Ausstellung im Steinbruch abgebaut wird. „Für eine mögliche Weiterführung des gastronomischen Angebots wird momentan ein Konzept erstellt, das insbesondere die Interessen der direkten Anwohner besser berücksichtigen wird.“

"Kein Kanu-Fahrer hat Bock, die Boote hin- und herzutragen"

Die Kanuroute Weinstadt-Waiblingen ist für die Stadt ebenfalls eine wesentliche Bereicherung der Tourismuskonzeption im Remstal, die 2020 fortgeführt werden soll. Geplant ist, die weitere städtebauliche Entwicklung am Bootsanleger über einen Bebauungsplan zu regeln. „Innerhalb dieses Verfahrens werden wir einen Informationstermin für die Bewohner des Wohngebiets Trappeler anbieten, bei dem Anregungen und Bedenken formuliert werden können“, schreibt Niederberger.

Anna Bröll, Geschäftsführerin des Kanuanbieters „Die Zugvögel“, hat unserer Zeitung bereits eine Lösung genannt: Die Kanus könnten direkt an der Einstiegsstelle an der Rems gelagert werden – dann müsste sie kein Kunde von der Station am Steinbruch über die Straße schleppen. Es sei möglich, solche Abläufe mit Blick auf die Zukunft zu ändern. „Kein Kanu-Fahrer hat Bock, die Boote hin- und herzutragen.“ Um den Verkehr einzudämmen, bekommt schon jetzt jeder Kunde nach der Buchung eines Angebots eine Mail, in der auf die offiziellen Parkplätze im Birkelareal hingewiesen wird. Den Ort der Verleihstation wollen die Zugvögel indes nicht wechseln. „Wir haben einen Pachtvertrag für mehrere Jahre.“


Auch Biergartenfreunde unter den Anwohnern

Zur Wahrheit gehört, dass längst nicht alle Anwohner die Initiative gegen den Biergarten gut finden. Zwei Männer aus dem Trappeler haben sich bei uns gemeldet, einer davon ist auch bereit, dass wir seinen Namen nennen. „Ich habe noch nie einen so ruhigen Biergarten gesehen. Der Inhaber nimmt sehr viel Rücksicht auf die Anwohner“, betont Carsten Westermann.

Nach seinen Angaben endet der Ausschank wie vereinbart um 21.30 Uhr, und um 22 Uhr wird der Biergarten dann geschlossen. Der einzige Vorwurf der Initiative, den er gelten lässt, ist das Verkehrsproblem. „Alles andere ist an den Haaren herbeigezogen.“ Und gegen Parkverstöße, sagt Carsten Westermann, sei die Stadt ebenfalls schon vorgegangen. „Das Ordnungsamt war sehr aktiv.“

Aus Sicht von Carsten Westermann ist das Problem mit den vielen Autos durchaus zu lösen. Er schlägt Anwohnerparkausweise vor, verbunden mit großen Schildern, die deutlich darauf hinweisen, wo Besucher des Biergartens und des Kanuverleihs parken sollen – nämlich auf dem Parkplatz im Birkelareal.


Den Standort überdenken

Ein Kommentar von Bernd Klopfer

Es ist falsch, die Kritik der Anwohner komplett zu ignorieren. Fakt ist, dass der Trappeler wegen des Biergartens und des Kanuverleihs zugeparkt wird. Das ist nicht die Schuld der Betreiber, sondern liegt in der Verantwortung der Stadt. Wenn sie schon Parkplätze im Birkelareal ausweist, muss sie zumindest für eine bessere Beschilderung sorgen. Die Idee mit den Anwohnerparkausweisen ist ebenfalls gut und sollte geprüft werden. Wenn sie rechtlich nicht möglich ist, sollte die Stadt die Gründe zumindest offenlegen, mit Verweis auf die entsprechenden Paragrafen.

Ebenso sollte die Stadt darüber nachdenken, ob sie den Biergarten nicht an die Birkelspitze verlegt. Das wäre leicht möglich und hat mehrere Vorteile: Dort gibt es sehr viele Parkplätze, von denen aus die Leute nur ein paar Meter gehen müssen. Es besteht also nicht die Gefahr, dass die Stellplätze aus Bequemlichkeit nicht genutzt werden. Und in Sachen Kanus haben die Zugvögel selbst einen sehr guten Vorschlag: Diese könnten nämlich einfach an der Einstiegsstelle direkt an der Rems gelagert werden. Dann muss sie niemand mehr umständlich über die Straße tragen – und schon ist eine Gefahr gebannt.

Es ist jetzt Zeit, eine Lösung zu finden, bei der an die Interessen aller Beteiligten gedacht wird. Ein Biergarten in der Nachbarschaft ist ein Plus an Lebensqualität – aber nur, wenn er am richtigen Ort ist. Wichtig ist, zu unterscheiden, welche Kritik der Anwohner berechtigt ist und welche nicht. Ein Recht auf Friedhofsruhe gibt es nicht. Aber wer den Betrieb eines Biergartens und eines Kanuverleihs erlaubt, muss auch eine Lösung für den Verkehr haben. Hier muss die Stadt schnell nacharbeiten.

  • Bewertung
    43

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!