Weinstadt Gasthaus Krone in Beutelsbach schließt

Das Gasthaus Krone. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Weinstadt-Beutelsbach.
Beutelsbach verliert sein Krönchen! Wie ein Lauffeuer ist die Nachricht die Marktstraße rauf und runter und von dort aus durch ganz Weinstadt gerast, dass zum 1. Januar das Restaurant „’s Krönchen“ seine Türen schließt. „Und es wird auch nicht wieder geöffnet“, bedauert Stéphanie Staudenmayer.

Den einzigen Trost, den sie für die Stammgäste parat hält, ist, dass das von ihr geleitete „Weinstadt-Hotel“ weiter geöffnet bleibt. Was mit dem „Krönchen“, der ehemaligen Krone, geschieht? „Darüber werden wir bei passender Gelegenheit miteinander in der Familie entscheiden: meine Eltern Otto und Jacqueline Koch, mein Mann Marco Rabanda und ich.“

Hier war schon der Erfinder der „Damenschenkel“ am Werk

Das Gebäude, in dem sich das „Krönchen“ befindet, wurde um das Jahr 1800 erbaut, erzählt Staudenmayer. 1817 eröffnete der Bäcker Johannes Nißle darin die Krone. 1924 erwarb der Schnaiter Bäcker August Friedrich Schneider den Betrieb; er schrieb Geschichte über das Remstal hinaus als Erfinder der Rezeptur für die „Damenschenkel“.

Von Schneiders Sohn Eugen und dessen Frau Gretel übernahmen 1983 Otto und Jacqueline Koch den Betrieb, nachdem sie sich davor in Waiblingen im Ochsen, in der Germania und im Alten Rathaus einen Namen gemacht hatten. 1992 bauten sie das „Weinstadt-Hotel“ mit seinen 32 Zimmern, das seit 2012 von ihrer Tochter Stéphanie geführt wird.

Zwei Jahre später kam dann Küchenchef Joachim Kiock ins Haus, zunächst als Angestellter, seit 2017 als selbstständiger Pächter. Seine Entscheidung, den Pachtvertrag nicht mehr zu erneuern, sondern zum 31. Dezember auslaufen zu lassen, brachte nun den Stein ins Rollen.

Unter Opfern aufgebaut

„Die Krone beziehungsweise das Krönchen ist das Lebenswerk meiner Eltern“, erzählt Staudenmayer. „Sie haben den Betrieb mit großem persönlichem Engagement und unter Opfern aufgebaut, ihnen ist der hervorragende Ruf zu verdanken, den der Betrieb genießt.

Joachim Kiock kommt das Verdienst zu, dass er als Küchenchef daran nahtlos angeknüpft und die schwäbisch-französische Lebensart, für die das Haus steht, kreativ weiterentwickelt hat.“

Aber alles habe seine Zeit, so Staudenmayer, und deshalb habe man beschlossen, das Restaurant nicht neu zu verpachten. Die Zusammenarbeit mit Kiock sei stets hervorragend verlaufen; man habe sich hervorragend verstanden, an einem Strang gezogen und sich gegenseitig unterstützt. Und bevor man sich auf das unsichere Abenteuer einlasse, das Restaurant neu zu verpachten und womöglich hinnehmen zu müssen, dass sich dessen Charakter dadurch verändere, bleibe es geschlossen.

„Fortschritt heißt Veränderung“, so Staudenmayer, und natürlich sei der Entschluss nicht leichtgefallen, die ganze Familie hänge mit Herzblut an der Krone, und im Laufe der Jahrzehnte habe man zu vielen treuen Gästen selbstverständlich auch persönliche Beziehungen aufgebaut. Bei so manchen sei die Krone ein Markstein im Lebensweg: Taufe, Konfirmation, das erste Rendezvous, Hochzeit … aber man müsse zur rechten Zeit aufhören – nämlich dann, wenn man noch oben sei.

Ein schwerer Entschluss

Was mit den Räumlichkeiten geschehen werde? Man werde sich Zeit lassen, Pläne entwickeln und reifen lassen. „Und die Gäste des Krönchens werden sicherlich auch in Zukunft nicht verhungern müssen.“ Auch durch mehrmaliges Nachfragen lässt sie sich lediglich entlocken, dass man eine Lösung finden werde, die zum Weinstadt-Hotel passen werde.

Für Joachim Kiock endet seine Tätigkeit im „Krönchen“ zum Jahreswechsel. Von seinen Gästen wird er sich mit einem Silvestermenü verabschieden. Der Entschluss, den Pachtvertrag auslaufen zu lassen, sei ihm sehr schwergefallen, gesteht er. Aber er musste die Notbremse ziehen, als er bemerkte, wie sehr ihm seine Arbeit als Wirt und Küchenchef an die Substanz gegangen sei. Es sei ja nicht mit der Arbeit für und am Gast getan: In einem Restaurant mit 110 Plätzen im Haus und 60 im Garten sei der Chef an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr gefragt.

Neben der eigentlichen Arbeit müsse die Verwaltung und Dokumentation erledigt, dazu die Mitarbeit von vier Küchen- und vier Servicekräften organisiert werden. „Und leider“, bedauert er, „sind die Arbeitsplätze in der Gastronomie nicht die begehrtesten. Es ist mittlerweile eine Kunst für sich, gerade in unserer Branche zuverlässige Mitarbeiter zu gewinnen, die dann auch längerfristig dabeibleiben.“

Zu schaffen sei dies letztendlich nur, „wenn die ganze Familie zusammensteht und immer einspringt, wenn Not am Mann ist“, sagt auch Stéphanie Staudenmayer.

Umso wichtiger sei es, die bestehenden Gastronomiebetriebe und deren Bemühen um eine erstklassige Küche dadurch zu unterstützen, dass man deren Angebot auch annehme.

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