Weinstadt Glockenturm-Entscheid spaltet SPD

Weinstadt. Überraschend hat Hans Randler den Vorsitz der Weinstädter SPD-Fraktion an Julian Künkele abgegeben. Der Grund, sagte er auf Nachfrage unserer Zeitung hin: die Kappelberg-Abstimmung. Zwei seiner vier Fraktionskollegen hätten dabei die bisherige SPD-Linie verlassen, ohne ihn – den Fraktionssprecher – davon in Kenntnis zu setzen. Das habe er als Vertrauensbruch gewertet. Theo Bachteler widerspricht dieser Darstellung: Randlers Entscheidung habe noch andere Gründe.

Überraschend – und überraschend knapp gehalten – war die Meldung im Gemeinderat: Hans Randler verkündete, er trete als SPD-Fraktionsvorsitzender zurück. Sein Nachfolger sei Julian Künkele, er selbst übernehme die Stellvertretung. Glückwünsche für den neuen Vorsitzenden von Oberbürgermeister Michael Scharmann, ein verlegenes Lächeln auf Künkeles Lippen, und weiter ging die Sitzung: „Tagesordnungspunkt Eins: ...“. Unausgesprochen blieb die Frage: Warum der Rücktritt, warum jetzt?

Er hätte informiert werden müssen, sagt Randler

Der Kappelberg-Entscheid (wir berichteten) sei der Grund gewesen, sagt Hans Randler nun auf Nachfrage unserer Zeitung. Zwei seiner Fraktionskollegen, Theo Bachteler und Wolf-Dieter Forster, hätten dabei die bisherige SPD-Linie verlassen und gegen den jüngsten Entwurf gestimmt – ohne ihn vorher darüber in Kenntnis zu setzen. Nur durch Zufall habe er – immerhin der Fraktionssprecher – zwei Tage vor der Gemeinderatssitzung von ihren Überlegungen erfahren.

Das wertete er als einen Vertrauensbruch, über den er nicht hinwegsehen kann – und gab seinen Rücktritt am selben Tag bekannt, an dem über die Pläne für die Kappelberg-Ruine abgestimmt wurde.

Fehlende Kommunikation habe ihn "erschüttert"

Nicht die geänderte Meinung der beiden SPDler hat Randler dabei erschüttert. Einen Fraktionszwang habe es in seinen zwölf Jahren als Vorsitzender schließlich nie gegeben, sagt er. Natürlich sei diskutiert worden, doch „es wurde akzeptiert, dass jemand eine andere Meinung hat.“

Was ihn erschüttert habe, sei die fehlende Kommunikation gewesen. Nur auf eine Bitte der Stadtverwaltung hin habe er kurz vor der Abstimmung ein Stimmungsbild eingeholt. „Das hätte ich eigentlich gar nicht machen müssen.“ Die Antworten überrumpelten ihn: „Ich hätte nie damit gerechnet.“

"Für mich war das ein Vertrauensmissbrauch"

Er sei davon ausgegangen, dass die SPD-Fraktion weiter geschlossen hinter dem Projekt stehe. Seit dem Beginn der Planungen habe seine Fraktion sich für eine Sanierung der Burgruine eingesetzt, und zwar inklusive Außenanlagen und Turm. Noch nach der Klausursitzung vor einem Monat sei für ihn absolut klar gewesen: Dem abgespeckten Entwurf wird die Fraktion zustimmen.

„Als das jetzt passiert ist, können Sie sich vorstellen: Das war für mich schon ein herber Schlag ... Für mich war das ein Vertrauensmissbrauch“, sagt Randler. Er hätte sich gewünscht, gleich über die Überlegungen seiner Kollegen informiert zu werden. Als Fraktionssprecher habe er schließlich auch nach außen kommuniziert, die SPD werde zustimmen. „Das macht mich als Fraktionssprecher unglaubwürdig.“

Randler hätte eigentlich gerne bis zur fraktionsinternen Neuwahl am Ende des Jahres weitergemacht: „Die zwölf Jahre Fraktionsarbeit waren sehr gut. Dass es jetzt so endet, finde ich sehr schade.“

Bachteler und Künkele wollen die Wogen glätten

Theo Bachteler, der bisherige stellvertretende SPD-Vorsitzende, will Randlers Darstellung so nicht stehenlassen. Das Thema Kappelberg mag vielleicht in Randlers Entscheidung hineingespielt haben, doch er hatte noch mehr Gründe, sein Amt niederzulegen. So sieht es zumindest Bachteler. „Schuldzuweisungen führen nicht weiter“, versucht er zu beschwichtigen. „Man sollte das emotional nicht so hoch hängen.“

Seinen Vorsitz habe Randler schon seit langem abgeben wollen. Vor eineinhalb Jahren habe er Bachteler gefragt, ob dieser ihn übernehmen wolle. Als dieser aus privaten Gründen nicht antreten konnte, ließ Randler sich erneut wählen – aber nicht für die gesamte Legislaturperiode, sondern mit der Bedingung, Jahr für Jahr neu zu wählen.

Bachteler: „Randler war ein super Fraktionsvorsitzender.“

„Wir hätten als Fraktion sowieso einen Neuanfang gebraucht“, sagt Bachteler deshalb. Schade findet er den Rücktritt trotzdem: „Randler war ein super Fraktionsvorsitzender.“ Ihn freut es, dass Randler stellvertretender Vorsitzender bleibt.

Der neue Fraktionsvorsitzende Julian Künkele will das Thema ebenfalls nicht allzu hoch hängen. Er macht sich keine Sorgen über eine bleibende Kluft zwischen den SPD-Räten: „Wir sind alle erwachsen. Ich denke, dass wir als Fraktion das in Zukunft hinkriegen und dass das keine dauerhaften Schäden hervorruft“, sagt er. Die Vorgänge und Randlers Entscheidung will er nicht kommentieren: „Ich möchte unsere internen Angelegenheiten nicht in der Öffentlichkeit breittreten.“ Er hält es für wichtiger, in Zukunft offen und vertrauensvoll miteinander umzugehen, als in der Vergangenheit zu wühlen.


Julian Künkele

22 Jahre alt ist der Beutelsbacher. Er arbeitet als Ingenieur bei Daimler.

Hans Randler und Theo Bachteler trauen ihm sein neues Amt ohne weiteres zu: „Ich glaube, dass er der Einzige ist, der das auch machen möchte“, sagt Randler. „Ich traue ihm zu, dass er das schafft.“ Auch Bachteler hält ihn für bestens befähigt. „Wir wollen jetzt mit frischem Wind starten“, sagt er.

Aufgewachsen ist Künkele in Endersbach. Wie seine beiden Brüder ist er sportbegeistert: Er ist Leichtathlet.

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