​​​​​​​Weinstadt-Großheppach Flüchtlinge laden zum Public-Viewing ein

Sie drücken dem deutschen Team die Daumen (von links): Radwan Awad, Hanif Mohamad, Dietmar Freund, Lothar Holzwarth und Rainer Bliesener. Die fünf freuen sich, wenn viele Besucher im Integrationshaus gemeinsam mit anderen das WM-Spiel gegen Mexiko ansehen. Foto: Palmizi / ZVW

Weinstadt-Großheppach. Wenn am Sonntag um 17 Uhr das erste Spiel der Nationalelf bei dieser WM beginnt, werden im ehemaligen Vereinsheim des TSV Großheppach Menschen aus verschiedenen Ländern mit Jogis Jungs mitfiebern. Der Integrationsverein Weinstadt organisiert für WM-Partien des deutschen Teams Public Viewings – und jeder kann kommen.

„Ich mag Müller“: Wer Radwan Awad fragt, welchen Fußballer er in der deutschen Mannschaft am besten findet, erhält sofort eine Antwort. Der Palästinenser, der aus dem Libanon nach Deutschland geflohen ist, geht davon aus, dass Jogi Löws Team den WM-Titel verteidigt. Radwan Awad spielt selbst gerne Fußball, er kickt seit langem in dem örtlichen Flüchtlingsteam „Weinstadt United“, das auch jüngst wieder beim Dorfturnier dabei war (wir berichteten).

Ähnlich fußballbegeistert ist Hanif Mohamad, ein kurdischstämmiger Syrer, dessen Lieblingsspieler im deutschen Team Mittelfeldass Mesut Özil ist. „Ich glaube, Deutschland spielt in diesem Jahr sehr gut.“ Hanif Mohamad mischt ebenfalls bei „Weinstadt United“ mit, außerdem engagiert er sich wie Radwan Awad im Großheppacher Integrationshaus. Beide helfen auch mit, wenn dort am Sonntag das erste von mehreren Public Viewings stattfindet. Gezeigt werden alle Spiele der deutschen Nationalelf.

Der Platz reicht für rund 60 Besucher

Die Idee dazu hatte der städtische Flüchtlingsbeauftragte Maximilian Zirkel. Der Integrationsverein Weinstadt griff das Ganze auf, nun organisieren dort Flüchtlinge und Einheimische gemeinsam alles. Im Integrationshaus, das sich im ehemaligen Vereinsheim des TSV Großheppach in der Prinz-Eugen-Halle befindet, gibt es nun eine große Leinwand mit Platz für rund 60 Menschen.

Dass oben im ersten Stock überhaupt ein Fernsehsignal ankommt, ist Radwan Awad und Hanif Mohamad zu verdanken. Sie haben sich um die Hausinstallation gekümmert. Zusammen mit anderen Flüchtlingen haben sie zudem die Stühle im Raum selbst gepolstert und die Küche gefliest. „Wir müssen das machen – das ist unser Haus“, sagt Hanif Mohamad.

Geöffnet wird das Integrationshaus bei jedem Public Viewing immer eine Stunde vor Spielbeginn. Damit Kinder, die mit ihren Eltern kommen, sich nicht langweilen, gibt es zum Beispiel einen kleinen Tischkicker zum Spielen. Getränke werden preiswert angeboten, so kosten ein Mineralwasser, ein Kaffee oder ein Tee jeweils einen Euro, eine Apfelschorle, eine Cola oder ein Fruchtsaft 1,50 Euro. Bier gibt es für zwei Euro, das Viertele Wein für drei Euro.

Beitrag für ein besseres Miteinander

Fürs Essen gibt es keine festen Preise, aber hier freuen sich die Veranstalter natürlich über kleine Spenden. Jetzt zum Spiel der deutschen Nationalelf gegen Mexiko werden extra mexikanische Häppchen angeboten. Beim Spiel gegen Schweden soll es ähnlich ablaufen. Auch an passende Deko haben die Verantwortlichen gedacht. Für die Sauberkeit ist Hadi Masoumi zuständig: Der Afghane, selbst ein leidenschaftlicher Fußballer, putzt jede Woche die Räume.

Da die Public Viewings natürlich Ressourcen binden, wird der Integrationsverein in diesem Jahr auf sein internationales Spielefest verzichten. „Wir sind stellenweise an der Grenze unserer Belastbarkeit als Ehrenamtliche“, sagt Rainer Bliesener. Alles andere als ermutigend empfindet er Debatten, bei denen nach Verbrechen durch einzelne Flüchtlinge gleich alle über einen Kamm geschert werden.

Ihm fehlen in der aktuellen politischen Debatte Antworten auf die Frage, wie Integration besser gelingen kann. „In der öffentlichen Debatte reden wir nur noch über Abschiebungen.“

Mit den Public Viewings will der Verein seinen Beitrag für ein besseres Miteinander von Flüchtlingen und Einheimischen leisten. Bald gibt es auch einen gemeinsamen Jahresausflug in den Schwarzwald zur Sauschwänzlebahn und nach Titisee-Neustadt. Über die WhatsApp-Gruppe, die Radwan Awad mitbetreut, haben sich schon 30 Flüchtlinge angemeldet – und das innerhalb weniger Stunden.

Es sind schließlich solche Erlebnisse, die zusammenschweißen. Radwan Awad und Hanif Mohamad werden am Sonntag jedenfalls genauso mit der deutschen Elf mitfiebern wie Rainer Bliesener, der davon ausgeht, dass das Team ins Endspiel kommt. Die Ergebnisse aus den jüngsten Freundschaftsspielen, da sind sich alle einig, haben nicht das wahre Gesicht von Jogis Jungs gezeigt.


Bisherige Termine

Am Sonntag, 17. Juni, öffnet das Integrationshaus (in der Prinz-Eugen-Halle im ehemaligen TSV-Vereinsheim, Zügernbergstraße 36/2 in Großheppach) um 16 Uhr, das WM-Spiel gegen Mexiko beginnt um 17 Uhr. Gegen Schweden spielt das deutsche Team am Samstag, 23. Juni, von 20 Uhr an, gegen Südkorea am Mittwoch, 27. Juni, von 16 Uhr an.

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