Weinstadt Großheppacher lässt Flüchtlinge Fahrräder reparieren

Jochen Lindenmeier (rechts) mit den Flüchtlingen beim Asylbewerberheim in Großheppach. Foto: Schneider / ZVW

Weinstadt-Großheppach. Seine Mission ist so einfach wie effektiv: Jochen Lindenmeier repariert Fahrräder für und mit den Flüchtlingen, die im Großheppacher Heuweg untergebracht sind. Aktiv im Arbeitskreis Asyl ist er schon seit November. Bislang haben mehr als 40 Flüchtlinge von der Werkstatt profitiert.

Durch Zufall ist Jochen Lindenmeier zu seinem Engagement für den Freundeskreis Asyl gekommen. In einem Gespräch mit dem Großheppacher Pfarrer Heinz Schnürle habe dieser das Thema Flüchtlinge aufgebracht. Er war es auch, der die Idee hatte, Fahrräder für Flüchtlinge zu reparieren. Kurz darauf fuhr Jochen Lindenmeier zum ersten Mal zur Asylunterkunft in den Großheppacher Heuweg. Dort sind rund 130 männliche Flüchtlinge in Containern untergebracht. Bei einem Kaffee knüpfte er erste Kontakte zu den Männern. „Die Menschen waren sehr dankbar“, schildert Jochen Lindenmeier den Eindruck dieser ersten Begegnung.

Die alten Fahrräder kommen bislang aus dem eigenen Bekanntenkreis

An die alten Fahrräder kommt Lindenmeier in der Regel über eigene Freunde und Bekannte oder über das Netzwerk des Freundeskreises Asyl. Doch natürlich sind die Reserven aus diesem Kreis früher oder später ausgeschöpft. „Deshalb suchen wir immer neue Leute, die ein altes Fahrrad im Keller stehen haben“, sagt Lindenmeier. Die Fahrräder habe er zunächst zu sich nach Hause geholt, um sie dort alleine zu reparieren. Mittlerweile fährt er in unregelmäßigen Abständen am Wochenende zur Asylunterkunft, um die Fahrräder dort direkt zu reparieren. „Es ist eine konzertierte Aktion.“ Er sammelt die Fahrräder ein, verfrachtet sie in einen Bus und fährt damit in den Heuweg. Mehr als 40 Zweiräder hat er mit der Hilfe der Asylbewerber mittlerweile in Schuss gebracht.

Übers Reparieren kommt man mit den Flüchtlingen ins Gespräch

Doch das Reparieren der Fahrräder ist nur ein Teil dessen, was die Fahrradwerkstatt ausmacht. Die Begegnungen mit den Asylbewerbern bringen Lindenmeier ins Grübeln. „Die Menschen dort wohnen schon sehr beengt“, gibt er zu bedenken. Der Status der Menschen sei lange unsicher. Ebenso unsicher seien daher die Bewohner. Mit den Flüchtlingen verständigt er sich hauptsächlich auf Englisch. Einige Geschichten haben Lindenmeier beeindruckt – die eines Togolesen beispielsweise. Der sprach sehr gut Deutsch, doch es war etwas anderes, was Jochen Lindenmeier haften blieb. „In seinem Heimatland saß er im Gefängnis, nur weil er eine andere Meinung hatte.“ Solche und ähnliche Schicksale hört er öfter von den Bewohnern des Heims, deren größte Fraktion aus Gambia kommt. Die Menschen seien perspektivlos. Die isolierte Lage der Unterkunft außerhalb von Großheppach tue ihr Übriges, findet Lindenmeier. Dabei wollten die meisten Männer arbeiten. Umso dankbarer sind sie dafür, dass der Freundeskreis Asyl sich um sie kümmert und so wenigstens ein wenig Kontakt mit der Außenwelt zustande kommt. Jochen Lindenmeier macht seine Sache gern. „Sollte noch ein zweites Wohnheim kommen, bräuchte ich allerdings Hilfe.“

Die Fahrradwerkstatt

Jochen Lindenmeier vom Freundeskreis Asyl veranstaltet seit November  Jahres eine Fahrradwerkstatt für die Flüchtlinge im Großheppacher Heuweg.

Wer alte Fahrräder hat, die er nicht mehr braucht, kann sich an den Freundeskreis Asyl in Weinstadt wenden (www.fkasyl-weinstadt.de). Für seine Fahrradwerkstatt ist Jochen Lindenmeier für jedes alte Rad dankbar, das er für die Flüchtlinge gespendet bekommt.

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