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Weinstadt Hoffnung für die Weinstraße: Elektro-Motorräder

Weinstadt-Schnait. Eine Motorradtour durch die Weinstraße – und dazu noch die Presse einladen? Was zunächst wie eine Provokation gegenüber den unter Lärm leidenden Anwohnern klang, stellte sich schnell als Promo-Tour einer Elektromotorrad-Firma heraus. Denn die Gefährte machen weniger Krach. Nachteil: Der Akku hält kaum 100 Kilometer.

Video: Mit Elektro-Motorrädern unterwegs.

Es reicht schon eine Maschine. Wer bei schönem Wetter nur ein paar Minuten kurz draußen an der Schnaiter Weinstraße herumsteht, hört die Motorradfahrer schon von weitem. Bei manchen Autos ist es ebenfalls nicht besser, die Lautstärke erreicht dabei einen Pegel, der die Nerven strapaziert. Und nicht nur das: Dauer-Lärm kann krank machen, das bestätigen seriöse Studien. Doch bei einer Bikergruppe, die an diesem Dienstagvormittag die Weinstraße entlangfährt, ist alles anders: Sie ist zwar nicht geräuschlos, aber deutlich leiser. Der Clou: Die Gruppe um Andreas Güldenfuß aus Althütte fährt Elektro-Motorräder.

85-Kilometer-Strecke mit einem Lade-Stop

Güldenfuß macht PR, er ist „Country Manager South“ der amerikanischen Firma Zero Motorcycles. Er hat an diesem Tag Fachjournalisten eingeladen, für eine rund 85 Kilometer lange Tour, inklusive zwei Stunden Nachladen beim Burghotel „Schöne Aussicht“ in Winnenden-Bürg. Dass er einen Stop in der Weinstraße einlegt, passt in sein Konzept. So kann er zeigen: Seht her, wenn alle die Motorräder meiner Firma fahren würden, wäre das ein Segen.

Die Teilnehmer der Tour sehen neben den Vorteilen freilich auch die Nachteile. René Correra vom Motorrad-Magazin MO fährt zum zweiten Mal ein Elektro-Motorrad, seine Bikerkarriere hat er vor 17 Jahren mit einer Vespa 125 begonnen. Er hat also den Vergleich. Wenn er sieht, dass der Akku seiner zuvor voll aufgeladenen Zero nach 31 Kilometern nur noch bei 64 Prozent liegt, dann ist es mit der Spontanität nicht weit her. „Man muss den Ladezyklus sehr im Voraus planen.“ Gut findet Correra, dass er beim Fahren mehr die Landschaft genießen kann, schließlich muss er nicht kuppeln. „Das ist eine angenehme Entlastung.“

Peter Ilg, freiberuflicher Journalist aus Aalen, fährt seit seinem 16. Lebensjahr Motorrad, bei ihm fing alles mit einer Hercules K50 an. Wegen der langen Ladezeiten eignet sich die Zero aus seiner Sicht vor allem für den Stadtverkehr. Denn im Normalbetrieb ist beim Standardmodell nach 80 bis 100 Kilometern Feierabend, was der Fahrer nur ändern kann, wenn er für teures Geld nachrüstet. Auch bis der Akku wieder voll ist, braucht es Geduld. „Da muss ich sechs Stunden aufladen.“ Klar, es gibt Schnellladesäulen, aber dafür müsste ebenfalls technisch aufgerüstet werden. Als angenehm empfindet es Peter Ilg hingegen, nicht mehr diesen Auspufflärm hören zu müssen. So geht es auch den Anwohnern der Weinstraße. Das Problem ist nur: Es gibt genug Motorradfahrer, die ihren Auspuff extra so umbauen, dass er noch lauter wird.

Blick auf die Kosten

Wer ein Elektromotorrad von Zero Motorcycles kaufen will, zahlt 12 500 Euro bis 17 800 Euro. Die hohen Spritpreise entfallen natürlich, stattdessen wird Strom getankt. Mittels eines handelsüblichen Kaltgerätesteckers kann jeder Fahrer sein E-Motorrad zu Hause über eine ganz normale 230-Volt-Steckdose aufladen. Allerdings können auch öffentliche Elektroladestationen genutzt werden.

Andreas Güldenfuß hat ausgerechnet, was die sechs an seiner Tour teilnehmenden Fachjournalisten verbraucht haben. Sechs Kilowattstunden waren es pro Fahrzeug, macht insgesamt 36 Kilowattstunden. Bei einem Strompreis von 25 Cent pro Kilowattstunde kostete die Fahrt der sechs Motorräder also nur neun Euro.

Wer mit dem E-Motorrad unterwegs ist, spart sich außerdem Zündkerzen, den Ölfilter, das Motorenöl und die Antriebswartung.

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