Weinstadt Intersport Blessing in Endersbach schließt

Volker Blessing (rechts) gibt das Fachgeschäft Intersport Blessing in Endersbach in diesem Jahr auf. Der Räumungsverkauf hat mittlerweile begonnen – und hierbei lässt er sich von Berater Jürgen Blömeke (links) unterstützen. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Weinstadt-Endersbach.
Was 1965 mit der Schuhmacherei seiner Eltern Kurt und Brigitte Blessing in der Paulinenstraße 8 in Winnenden begonnen hat, endet nun: Sohn Volker Blessing (57) wird sein Sportfachgeschäft im Endersbacher Kalkofen in diesem Jahr schließen. Das ehemalige Winnender Stammhaus gab er bereits 2012 auf, um sich auf den Standort in Weinstadt zu konzentrieren. Dort hat er 760 Quadratmeter Verkaufsfläche und viele Parkplätze vor der Tür, in Winnenden waren es trotz Erweiterung im Jahr 1995 nur 350 Quadratmeter. „Es ist schade, dass die Ära zu Ende geht – für viele Seiten“, sagt Volker Blessing. Der Hauptgrund, den er für die Geschäftsaufgabe nennt, ist seine Gesundheit.

War das alles im Leben?

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat Volker Blessing laut eigenem Bekunden einiges mitmachen müssen. „Da bin ich froh, dass ich noch so rausgekommen bin.“ Eine Notfallärztin habe ihm in jener Zeit einmal Folgendes gesagt: „Keine 30 Prozent überstehen das so.“ Der 57-Jährige hat sich deshalb entschlossen, kürzerzutreten. Da die Kinder nach seiner Auskunft nicht vorhaben, das väterliche Geschäft zu übernehmen, hat Volker Blessing keine Motivation mehr gehabt, weiter durchzuhalten. Vor allem eine Frage hat er sich zuletzt immer wieder gestellt: War das alles im Leben?

1972 wird aus der Schuhmacherei ein reines Sportgeschäft

365 Tage im Jahr hat er das Geschäft im Kopf gehabt. „Es ist ein Tag mit zehn bis zwölf Stunden gewesen.“ Wochenendarbeit war normal. Vater und Mutter hatten in Winnenden einst neben der Schuhmacherei noch Fußballartikel ins Sortiment aufgenommen. Das lief so gut, dass sie 1972 die Schuhmacherei aufgaben und nur noch Sportsachen verkauften. 1992 stieg Volker Blessing ins elterliche Sportgeschäft ein, 1995 übernahm er es. In Waiblingen eröffnete er 1999 zusätzlich eine Filiale in der Fronackerstraße 16, wo heute der ADAC drin ist. Diese hatte 680 Quadratmeter, war aber auf drei Ebenen verteilt. Als er die Chance erhielt, im Endersbacher Kalkofen einen Laden zu bekommen, schlug er zu – und zog 2004 mit der Filiale von Waiblingen nach Weinstadt um.

Dass er nun das dortige Geschäft aus gesundheitlichen Gründen aufgibt, bedeutet, dass sechs feste Mitarbeiter ihren Job verlieren. Volker Blessing versucht aber laut eigenem Bekunden, für seine Leute neue Stellen in der Branche zu suchen. „Ich telefoniere schon auch mit anderen Kollegen.“ Der 57-Jährige hat mit Hilfe des Beraters Jürgen Blömeke versucht, sein Geschäft zu verkaufen, aber im Moment hat er nach eigenen Angaben noch nichts Festes in Aussicht. Eine Anfrage bei Intersport Deutschland habe ergeben, dass in dem genossenschaftlich organisierten Verbund von Sportfachhändlern kein Kollege derzeit Interesse habe, eine zusätzliche Filiale zu übernehmen.

Verschiedene Rabattaktionen sollen stattfinden

Jürgen Blömeke berät Volker Blessing auch mit Blick auf den Räumungsverkauf, der in dieser Woche gestartet ist. Im Moment steht nach seiner Auskunft nicht fest, wann das Geschäft endgültig schließt. Das kann schon im Frühjahr sein, spätestens aber im Lauf des Sommers soll der Räumungsverkauf enden. Der Zeitpunkt, sagt Blömeke, hänge auch mit den Verhandlungen mit dem Nachmieter zusammen. Wer das ist, steht laut dem Berater noch nicht fest. Vermieter der Immobilie ist ein Fonds aus Luxemburg, der in der Frage ein Wort mitzureden hat. Da Volker Blessing in seinem Gewerbe die neue Frühjahrs- und Sommerware schon rund ein halbes Jahr vorher ordern muss, soll es in den nächsten Wochen auf jeden Fall Artikel der aktuellen Saison geben. Ziel des 57-Jährigen und seines Beraters ist es, alle Waren im Bestand zu verkaufen – und deshalb sollen laufend verschiedene Rabattaktionen stattfinden.

Für Volker Blessing ist die Geschäftsaufgabe kein leichter Schritt nach so vielen Jahren. Aber mit Rücksicht auf seine Gesundheit sah er keine andere Möglichkeit. „Ich denke, dass die meisten Verständnis haben, wenn die Gesundheit leidet.“

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